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Er stellte Masken-Atteste ausZuger Polizei durchsucht Haus von Esoterik-Guru und Masken-Gegner

Ein selbsternannter Heiler aus Morgarten stellte haufenweise Maskenatteste aus. Die Konsequenz war eine Hausdurchsuchung und eine Strafuntersuchung.

von
Nadine Wechsler
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G. bot auf seiner Website Masken-Atteste gegen eine Zahlung von 50 Franken an. Wie er schriftlich festhielt, habe er «Haufenweise» solcher Atteste ausgestellt.

G. bot auf seiner Website Masken-Atteste gegen eine Zahlung von 50 Franken an. Wie er schriftlich festhielt, habe er «Haufenweise» solcher Atteste ausgestellt.

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Das eingenommene Geld soll er für seinen Kampf gegen 5G verwenden.  

Das eingenommene Geld soll er für seinen Kampf gegen 5G verwenden.

Jan Woitas/zb/dpa
G. gab an, die Menschen durch sein Vorgehen vor der angeblich gefährlichen Maskenpflicht zu schützen.

G. gab an, die Menschen durch sein Vorgehen vor der angeblich gefährlichen Maskenpflicht zu schützen.

Kay Nietfeld/dpa

Darum gehts

  • Ein selbsternannter Heiler aus Morgarten bot online Maskenatteste an.

  • Nachdem der Zuger Kantonsarzt ihm bereits zwei Verbotsverfügungen zugestellt hatte, kam es am 3. Dezember zu einer Hausdurchsuchung.

  • Die Zuger Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung gegen den 65-Jährigen eingeleitet.

G.* ist diplomierter Ingenieur, selbsternannter Therapeut, Reiki-Meister und Schriftsteller. Der in Morgarten wohnhafte Mann bot auf seiner Website Masken-Atteste für 50 Franken an. Dieses Geld wiederum investierte G., um gegen geplante 5G-Mobilfunkantennen vorzugehen, berichtete die Sonntagzeitung. «Haufenweise» habe er solche Dispense ausgestellt, hielt G. stolz in einer schriftlichen Stellungnahme fest, berichtete die Zeitung weiter.

Am 3. Dezember wurde das Haus des 65-Jährigen durch die Zuger Polizei durchsucht. G. dokumentierte die Razzia der Polizei auf seiner Website mit einem Bild: «Mir ist die Ausstellung der Maskenatteste verboten worden», hält er dabei fest. Im Zuge der Hausdurchsuchung seien bei G. Computer sichergestellt worden, wie die Sonntags Zeitung (Artikel kostenpflichtig) weiter schreibt.

G. erklärte Verbote für ungültig

Vom Zuger Kantonsarzt habe G. bereits vor der Hausdurchsuchung zwei Verbotsverfügungen erhalten. Die Rechtsgültigkeit dieser Verbote habe das frühere Scientology-Mitglied aufgrund der Unterschrift des Arztes angezweifelt. «Nach landläufiger Auffassung und gerichtlicher Bestätigung verlangt eine gültige Unterschrift eine erkennbare Aneinanderreihung von Buchstaben», habe G. geschrieben. Und eine solche sei im vorliegenden Fall nicht ersichtlich.

In seiner Beschwerde habe G. weiter verlangt, dass die Behörden überprüfe, ob die Pandemie wirklich existiere. Sein Rezept, um Todesfälle ganz allgemein zu reduzieren, sei eine Verringerung des Salzkonsums. «Wer immer gegen unnötiges Sterben und Leiden vorgehen möchte, solle sich für die Einführung von Pansalz einsetzen», so G.

Strafuntersuchung wurde eingeleitet

G. habe zugegeben, Maskenatteste ausgestellt zu haben, ohne die Patienten gesehen, oder eine Diagnose erstellt zu haben. Er habe sein Vorgehen damit begründet, die Menschen vor der angeblich gefährlichen Maskenpflicht zu schützen. «Es sollen schon Kinder daran gestorben sein», soll er festgehalten haben. Weiter habe G. in seiner 22-seitigen Beschwerde eine Entschädigung «für den entstandenen Aufwand» durch die Verbotsverfügung gefordert. Zwei Tage nach seiner Beschwerde sei es zu der Hausdurchsuchung gekommen.

Es sei eine Strafuntersuchung gegen den selbsternannten Heiler eingeleitet worden, wegen Verdachts auf Übertretung des Gesundheitsgesetzes, Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen, Verdacht wegen Widerhandlung gegen das Gesetz auf unlauteren Wettbewerb und auf Betrug.

G. findet, dass das Vorgehen der Polizei eine «Ungeheuerlichkeit» sei.

*Name der Redaktion bekannt

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