Aktualisiert 09.05.2020 19:52

Erotische Massagen

Zuger Puff-Betreiber will mit Petition Bordelle wieder öffnen

Die Corona-Krise setzt dem Rotlichtmilieu hart zu. Die Branche leidet stark unter den erzwungenen Betriebsferien. Ein Zuger Bordell-Besitzer fühlt sich ungerecht behandelt und hat eine Petition gestartet.

von
Nathan Keusch
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Prostitution und Sexarbeit bleiben voraussichtlich noch bis Ende August verboten.

Prostitution und Sexarbeit bleiben voraussichtlich noch bis Ende August verboten.

KEYSTONE
Christian Gärtner betreibt den Escort-Service Luxescort in Zug.

Christian Gärtner betreibt den Escort-Service Luxescort in Zug.

Luxescort
Für ihn ist es unverständlich, dass nun Wellness-Massagen erlaubt sind, aber Erotik-Massagen weiterhin verboten bleiben.

Für ihn ist es unverständlich, dass nun Wellness-Massagen erlaubt sind, aber Erotik-Massagen weiterhin verboten bleiben.

Luxescort

Darum gehts

  • Rotlicht-Betriebe leiden unter der Schliessung während der Corona-Krise.
  • Sexarbeiterinnen müssen wegen den fehlenden Einnahmen um ihre Existenz fürchten.
  • Ein Zuger Puff-Betreiber findet es ungerecht und wehrt sich mit einer Petition.
  • Er fordert, dass erotische Massagen bei Einhaltung von Schutzmassnahmen erlaubt sein dürfen.

Seit Montag dürfen Massage-Salons wieder Kunden bedienen. Dies betrifft nicht nur medizinische Massagen und Physiotherapie, sondern auch Wellness-Massagen. Weiterhin verboten sind erotische Massagen. Dies voraussichtlich bis am 31. August. Das ist ein harter Schlag für das Rotlichtmilieu.

«Als wir Mitte März von der Schliessung erfahren haben, waren wir wie vom Blitz getroffen», sagt Christian Gärtner gegenüber «zentralplus». Gärtner ist Geschäftsführer von Luxescort, einem Zuger Escort-Service. Dass sein Betrieb nun bis Ende August geschlossen bleiben soll, findet er ungerechtfertigt.

Es sei zwar nicht von der Hand zu weisen, dass es in einem Bordell zu intensivem Körperkontakt komme, gleichzeitig hält er auch fest: «Es geht uns nicht darum, in der aktuellen Situation Geschlechts- oder Oralverkehr anzubieten. Wenn wir erotische Massagen anbieten ohne Zärtlichkeiten ist der Körperkontakt vergleichbar mit jenem beim Coiffeur, Tätowierer oder bei einer medizinischen Massage.»

Prostituierte fürchten um Existenz

Diese Ungleichbehandlung sei für ihn ein enormer Einschnitt in die Berufsausübungsfreiheit. Auch für seine rund 200 Sexarbeiterinnen sei es ein grosses Drama. «Es geht um ihre Existenz. Die legalen Betriebe dürfen nicht mehr wirtschaften», so Gärtner. Da die Prostituierten durch das Netz der Sozialversicherungen fallen, seien viele zur Illegalität gezwungen. Gärtner sei auch schon von Prostituierten angefragt worden, ob sie in seinem Etablissement arbeiten könnten, da sie es sonst illegal tun müssten. «Das ist äusserst bedauerlich, ist man in der Schweiz bezüglich Prostitution grundsätzlich transparent und arbeitet nach dem Gesetz.»

Auch Gärtner selbst steht vor einer finanziell ungewissen Zukunft. Für seinen Escort-Service miete er drei Wohnungen in Zug und der Vermieter beharre auf die Zahlungen: «Er ist knallhart und kommt mir keinen Rappen entgegen mit der Miete. Unser Überbrückungsgeld ist somit schon fast aufgebraucht.»

Petition und Schutzkonzept

Gärtner macht auch auf die fehlende Lobby des Rotlichtmilieus aufmerksam: «Wir sind nicht so gut organisiert wie beispielsweise die Gastronomen. Jeder arbeitet für sich, untereinander, gegeneinander.» Deshalb sei seine Frau auf die Idee gekommen, mit einer Petition auf die Missstände aufmerksam zu machen. Diese wurde am Donnerstag lanciert.

«Es ist nicht hinnehmbar, dass die circa 15’000 in der Schweiz arbeitenden Sexarbeiterinnen mit einem Berufsverbot belegt werden und sie sich deshalb ihren Lebensunterhalt nicht erwirtschaften können», steht in der Online-Petition. Sie richtet sich an die Bundesregierung und fordert das Ende des Berufsverbot für Sexarbeiterinnen. Erotische Massagen sollen wieder zugelassen werden.

Erotische Massagen

Sinnliche Erotikmassagen oder erotische Massagen werden sowohl für Männer als auch für Frauen angeboten. Im Vergleich zur klassischen Massage betreffen die erotischen Massagearten den gesamten Körper oder nur besonders erregende Körperstellen. Meist endet das Massageerlebnis mit einem “«Happy End», also dem weiblichen oder männlichen Orgasmus. Diese Art der Massage fällt daher in das Tätigkeitsfeld der Sexarbeit.

In der Petition werden auch detaillierte Schutzmassnahmen geschildert. So sollen Kunden wie Sexarbeiterinnen während des Service Masken tragen und sich nicht im Gesicht berühren. Vor und nach dem Besuch sollen Liegeflächen und Türklinken desinfiziert werden. Auch das Duschen soll für die Kunden vor und nach dem Besuch obligatorisch sein.

Zwar glaubt Gärtner nicht, dass seine Forderungen gehört werden – aktuell hat die Petition 53 Unterstützer, für das Quorum werden 18’000 benötigt – unterkriegen lassen, will sich Gärtner aber nicht. «Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

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