NFC-Chips und Blockchain-Technologie – Zuger Start-up macht Wein fälschungssicher

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NFC-Chips und Blockchain-TechnologieZuger Start-up macht Wein fälschungssicher

Wein ist leicht zu fälschen, die Fälschungen sind aber schwierig zu erkennen. Der neue «Château Marlen» der Schuler St. Jakobs Kellerei soll dank Krypto-Technologie fälschungssicher sein.

von
Rochus Zopp
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Mit diesem Sicherheits-Siegel wollen die Schuler St. Jakobs Kellerei und das Start-up Authena Weinflaschen fälschungssicher machen.

Mit diesem Sicherheits-Siegel wollen die Schuler St. Jakobs Kellerei und das Start-up Authena Weinflaschen fälschungssicher machen.

Schuler St. Jakobs Kellerei
Der auf 3000 Flaschen limitierte Wein «Château Marlen» aus Armenien wird mit der Blockchain-basierten Technologie verbunden, versiegelt und gesichert.

Der auf 3000 Flaschen limitierte Wein «Château Marlen» aus Armenien wird mit der Blockchain-basierten Technologie verbunden, versiegelt und gesichert.

Schuller St. Jakobs Kellerei
Ab Mitte Dezember können Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber den Wein vorbestellen. Der Wein ist ein Premiumprodukt und kostet zwischen 30 und 40 Franken pro Flasche. Ausgeliefert wird er zwischen Mai und Juni 2022.

Ab Mitte Dezember können Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber den Wein vorbestellen. Der Wein ist ein Premiumprodukt und kostet zwischen 30 und 40 Franken pro Flasche. Ausgeliefert wird er zwischen Mai und Juni 2022.

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Darum geht’s

  • Die Schuler St. Jakobs Kellerei schützt einen neuen Wein mit einem Sicherheitssiegel und Blockchain-Technologie vor Fälschung.

  • Durch das Siegel können die Käufer die Geschichte ihrer Weinflasche lückenlos nachverfolgen.

  • Das Zuger Unternehmen Authena, mit dem Schuler zusammenarbeitet, schützt mit ähnlicher Technologie unter anderem bereits Pharmaprodukte.

Was teuer ist, wird gefälscht. Was für Uhren, Schmuck, Bargeld oder Markenkleider gilt, stimmt auch für Wein. Wein macht sogar den Grossteil aller Lebensmittelfälschungen aus. 2016 schätzte das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum den Verlust durch Weinfälschungen in der EU auf 530 Millionen Euro jährlich. Dabei trifft es nicht nur die Konsumenten. Auch Detailhändler Otto’s fiel 2018 auf gefälschte Weine herein. Betrügerisch umgefüllte Weinflaschen oder gefälschte Etiketten waren bisher nur schwer zu erkennen. Zwei Zentralschweizer Unternehmen wollen das ändern. Die Schuler St. Jakobs Kellerei und das Zuger Start-up Authena haben ein Sicherheitssiegel entwickelt, mit dem Weine fälschungssicher werden.

Die Schuler St. Jakobs Kellerei sei noch nicht von Fälschungen betroffen gewesen. Darauf warten will die Kellerei aus Seewen aber nicht, wie Geschäftsführer Nikolas von Haugwitz erklärt: «Man lässt sein Fahrrad ja auch nicht einfach unabgeschlossen in der Grossstadt stehen.» Zufällig lernte er den Geschäftsführer von Authena kennen. Dieser erklärte ihm, wie das Start-up Pharmaprodukte oder Parfums mithilfe eines NFC-Chips und der Blockchain-Technologie fälschungssicher macht. «Nachdem wir uns ausgetauscht hatten, wurde die Technologie für Weinflaschen weiterentwickelt», so von Haugwitz.

Dank Krypto kennt man die Geschichte des Weins

Und das funktioniert so: Um den Wein fälschungssicher zu machen, wird ein sogenannter Krypto-Baum erstellt, der über ein Smartphone abrufbar ist. In diesem werden die einzelnen Entstehungsschritte des Weins erfasst. «Dadurch können die Kunden die ganze Geschichte des Weines lückenlos nachverfolgen», so von Haugwitz. Zum Wein dazu erhalten die Käufer einen Krypto-Schlüssel, mit dem sie sich als Besitzer in den Baum eintragen können. Wird die Flasche dann geöffnet, wird die Technologie zerstört und der Krypto-Baum unterbrochen. Da dort alle Informationen abgelegt sind, wissen die Käufer, dass sich wirklich der Original-Wein in der Flasche befindet. «Dadurch haben die Kunden mehr Sicherheit», so von Haugwitz.

Die erste Charge fälschungssicheren Weines besteht aus 3000 Flaschen «Château Marlen» aus Armenien. «Der Wein kommt aus dem Anbaugebiet mit der ältesten Rebsorte der Welt. Damit wollten wir Tradition mit moderner Technologie verbinden», erklärt von Haugwitz. Ab Mitte Dezember kann der Wein vorbestellt werden. Als Premiumprodukt kostet er zwischen 30 und 40 Franken pro Flasche. Ausgeliefert wird er zwischen Mai und Juni 2022.

Mehr Informationen für die Konsumenten dank Siegel

Für die Kellerei stand aber nicht nur der Schutz vor Fälschungen im Vordergrund. Die Kunden erhalten durch die Technologie auch mehr Informationen. «Bereits nach der Bestellung erhalten die Käuferinnen und Käufer ein Besitz-Zertifikat, in dem die Technologie bereits enthalten ist. So können sie jederzeit live verfolgen, in welchem Produktionsschritt sich der Wein gerade befindet», sagt von Haugwitz. Zudem können Hersteller für ihr Produkt spezifische Informationen, Bilder und Videos hinterlegen, was den Endverbrauchern ermöglicht, alles Wissenswerte zum Produkt zu erfahren.

Beim Branchenverband Deutschschweizer Wein begrüsst man das Projekt. Jürg Bachofner, Geschäftsführer des Verbands sagt: «Wir finden es gut, wenn die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden.» Auch der Branchenverband arbeitet an einem ähnlichen Projekt. Mit einer holografischen Sicherheitsetikette sollen Kunden mit Informationen versorgt und die Sicherheit erhöht werden.

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