Netze statt Chemie - Zuger Wald wird endgültig frei von Pestiziden
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Netze statt ChemieZuger Wald wird endgültig frei von Pestiziden

Mit dem Entschluss, keine chemischen Holzschutzmittel mehr einzusetzen, wird der Zuger Wald endgültig frei von Pestiziden. Darauf haben sich der Verband der Waldbesitzer und das Amt für Wald und Wild geeinigt.

von
Martin Messmer

Ein Wald am Fuss des Zugerberges. Er wird wie alle Zuger Wälder völlig pestizidfrei.

Video: Archiv 20 Minuten / Martin Messmer

Darum gehts

  • Gefälltes Holz wird zuweilen mit Pestizid behandelt, um es vor Borkenkäfern zu schützen.

  • Im Kanton Zug wird darauf jetzt verzichtet.

  • Um gefälltes Holz dennoch vor holzschädigenden Borkenkäfern zu schützen, werden Logistik und Lagerung optimiert sowie neue mechanische Schutzmethoden geprüft.

  • Mit diesem Entschluss werde der Zuger Wald endgültig frei von Pestiziden, teilte der Kanton Zug mit.

Im Kanton Zug werden keine chemischen Holzschutzmittel mehr eingesetzt, und damit wird der Zuger Wald «endgültig frei von Pestiziden». Das teilte der Kanton am Freitag mit. Beschlossen haben dies der Verband der Waldbesitzer («WaldZug») und das Amt für Wald und Wild. Um gefälltes Holz dennoch vor holzschädigenden Borkenkäfern zu schützen, werden Logistik und Lagerung optimiert sowie neue mechanische Schutzmethoden geprüft, heisst es weiter.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Schweizer Wald sei gemäss Bundegesetzgebung nur in Ausnahmefällen erlaubt. Wie in anderen Kantonen hätten auch die Zuger Waldbesitzer in der Vergangenheit unter strengen Vorgaben punktuell von der Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht und «offiziell zugelassene Schutzmittel in minimalen Mengen appliziert». Dies ausschliesslich, um im Wald gelagertes Nadel-Rundholz vor dem holzschädigenden Nutzholzborkenkäfer zu schützen und somit einem beträchtlichen Wertverlust des Holzes vorzubeugen, teilte der Kanton weiter mit.

«Chemie gehört nicht in den Wald»

Im Zuger Wald vollständig auf Holzschutzmittel zu verzichten, damit beschäftige man sich im Kanton Zug schon länger. «Denn Chemie, ist sich sowohl der Verband wie auch das Amt für Wald und Wild einig, gehört eigentlich nicht in das natürliche Ökosystem Wald, und Spritzmittel passen nicht zum Image einer umweltfreundlichen und zukunftsgerichteten Waldbewirtschaftung.»

Bereits im Zusammenhang eines politischen Vorstosses der SP, welcher im Herbst 2019 von der Zuger Regierung beantwortet wurde, liessen die Verantwortlichen durchblicken, dass für den Kanton Zug eine Waldbewirtschaftung ohne Einsatz von Insektiziden ein erstrebenswertes Ziel sei.

Das Amt für Wald und Wild begrüsse «diesen wegweisenden Entscheid» und werde ab sofort auch Waldbesitzern, die nicht dem Verband angeschlossen sind, keine Ausnahmebewilligungen mehr erteilen. Dies auch nicht, wenn die Kosten für den chemischen Holzschutz von Seiten der Holzkäufer übernommen würden.

Mit Schutznetzen gegen gefrässigen Käfer

Um den drohenden Wertverlust des Holzes möglichst gering zu halten, müssten nun alternative
Methoden geprüft werden. So würden die Logistik und die Holzlagerung optimiert und neue
mechanische Schutzmöglichkeiten getestet. Dazu gehöre auch der aktuell laufende Versuch in
Oberägeri, die Borkenkäfer mit feinen, unbehandelten Schutznetzen von den Holzpoltern
fern zu halten.

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Mitarbeiter der Korporation Oberägeri überdecken ein Holzpolter im Gebiet Breitried mit einem unbehandelten, feinen Nylonnetz. Es soll das Rundholz vor dem Nutzholzborkenkäfer schützen. 

Mitarbeiter der Korporation Oberägeri überdecken ein Holzpolter im Gebiet Breitried mit einem unbehandelten, feinen Nylonnetz. Es soll das Rundholz vor dem Nutzholzborkenkäfer schützen.

Sabine Windlin
Mit dem kleineren industriellen Rundholz wird das Nylonnetz befestigt. Holz soll bei Temperaturen über 20 Grad innert zwei bis maximal drei Wochen aus dem Wald abgeführt werden, teilte der Kanton Zug mit. Ist dies aus logistischen Gründen nicht möglich, kommen nun Nylonnetze zum Einsatz. Im Kanton Zug wird im Sommer kein Holz geschlagen. 

Mit dem kleineren industriellen Rundholz wird das Nylonnetz befestigt. Holz soll bei Temperaturen über 20 Grad innert zwei bis maximal drei Wochen aus dem Wald abgeführt werden, teilte der Kanton Zug mit. Ist dies aus logistischen Gründen nicht möglich, kommen nun Nylonnetze zum Einsatz. Im Kanton Zug wird im Sommer kein Holz geschlagen.

Sabine Windlin

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