Coronavirus: Zugpersonal mit Maske sorgt für Misstrauen bei Reisenden
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CoronavirusZugpersonal mit Maske sorgt für Misstrauen bei Reisenden

Einigen Pendlerinnen und Pendlern fällt auf, dass Zugbegleitende nach wie vor Hygienemasken tragen. Dies ruft verunsicherte Reaktionen hervor.

von
Marino Walser
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Die Maske im ÖV sorgt einmal mehr für Gesprächsstoff. Einige Zugpassagiere fragen sich, ob die SBB ihr Zugpersonal noch immer einer Maskenpflicht unterstellt.

Die Maske im ÖV sorgt einmal mehr für Gesprächsstoff. Einige Zugpassagiere fragen sich, ob die SBB ihr Zugpersonal noch immer einer Maskenpflicht unterstellt.

20min/Marvin Ancian
Pendlerinnen und Pendler reagieren misstrauisch auf das maskentragende Zugpersonal. 

Pendlerinnen und Pendler reagieren misstrauisch auf das maskentragende Zugpersonal. 

20min
Es besteht keine Maskenpflicht beim Zugpersonal der SBB. Diese dürfen selbst entscheiden, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht. 

Es besteht keine Maskenpflicht beim Zugpersonal der SBB. Diese dürfen selbst entscheiden, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht. 

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Einige Zugpassagiere vermuten, dass bei Zugpersonal noch immer eine Maskenpflicht besteht.

  • Das Zugpersonal mit Maske sorgt bei einigen Pendlerinnen und Pendlern für Misstrauen.

  • Laut einer Fachpsychologin können die Passagiere es als Vorwurf erachten, wenn Zugbegleitende eine Maske tragen.

Seit die Maskenpflicht vor knapp einem Monat aufgehoben wurde, tragen nur noch vereinzelte Passagiere in Zügen eine Maske. Anders das Personal der SBB. Das sorgt bei einigen Reisenden für Misstrauen. Auf Twitter fragt eine Zugpassagierin: «Liebe @sbbnews. Wir wüssten gern, ob eine interne Weisung erfolgt ist, dass eure Kontrolleure wieder Maske tragen sollen und wenn ja: Warum?»

Ein weiterer Twitter-User stellt sich gar die Frage, ob die Kontrolleure die Masken trügen, mehr über das Coronavirus wüssten als die Pendler: «Lieber @RailService, es ist schön, in überfüllten Osterzügen endlich wieder in maskenfreie Gesichter zu schauen, die sich auch beim Husten und Niesen weder hinter Hand noch Armbeuge verstecken! Nur Eure Kontrolleure, die trugen alle Masken. Wissen die mehr als Eure Passagiere?» Das maskentragende Zugpersonal beschäftigt die Twitter-Community: Unzählige Likes und Retweets zeigen das. Und auch ein Zürcher Pendler berichtet, im Zug ausnahmslos Personal mit Maske anzutreffen.

Personal darf selbst entscheiden

Seit dem 1. April gilt auch im öffentlichen Verkehr keine Maskenpflicht mehr. Auf die Anfrage, ob es eine spezielle Verordnung für das Personal gebe, antwortet SBB-Mediensprecherin Sabrina Schellenberg: «Alle unsere Mitarbeitenden dürfen, wenn sie dies wollen, weiterhin eine Maske tragen.» Lediglich im internationalen Zugverkehr bestehe je nach Land noch eine Maskenpflicht. «Fährt ein Zug über die Grenze, muss das Personal sich an die Regeln des jeweiligen Landes halten», sagt Schellenberg. In Italien beispielsweise müsse noch immer eine FFP2-Maske getragen werden.

Auch andere Verkehrsbetriebe überlassen es den Mitarbeitenden selbst, ob sie während der Arbeit eine Maske tragen möchten oder nicht (siehe Box).

Maskentragendes Personal könnte Vorwurf darstellen

Bereits kurz nachdem die Maskenpflicht im ÖV aufgehoben wurde, entstand zwischen den hustenden und schniefenden Pendlern Zoff. Einige wünschten sich deshalb sogar die Maske im ÖV zurück. Laut der Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, Jacqueline Frossard, kann die negative Auffassung gegenüber dem maskentragenden Zugpersonal unterschiedliche Gründe haben. Einige können beispielsweise einen Vorwurf darin sehen, andere wiederum werden an die unangenehme Zeit zurückerinnert. «Hinter dem Misstrauen steckt vermutlich am ehesten die Überzeugung, dass das Tragen der Maske einen Vorwurf gegenüber denjenigen, die keine Maske tragen, darstellt», sagt Frossard. In diesem Sinne sei das Misstrauen durchaus ein Signal dafür, dass jemand mit sich oder der (Corona)-Welt nicht im Reinen sei. «Sonst hätte die Person genug Gelassenheit gegenüber anderen Menschen mit Maske und würde die Maske vielleicht nicht einmal wahrnehmen», sagt Frossard.

Andere Verkehrsbetriebe handeln gleich

Auch andere Verkehrsbetriebe überlassen den Entscheid, eine Maske während der Arbeit zu tragen, den Mitarbeitenden. So beispielsweise die Schweizerische Südostbahn AG, die Appenzeller Bahnen oder der städtische Verkehrsbetrieb Bern, Bernmobil. «Wir haben keine Richtlinien und auch keine Empfehlungen an das Personal gestellt», sagt Rolf Meyer, Leiter Kommunikation von Bernmobil. Was aber bleibt: Alle Verkehrsbetriebe stellen ihren Mitarbeitenden weiterhin Masken zur Verfügung. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Postauto haben keine Maskenverordnung während der Arbeitszeit.

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