SBB und BLS: Zugunfälle häufen sich – «Baut man häufiger, gibt es auch mehr Unfälle»
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SBB und BLSZugunfälle häufen sich – «Baut man häufiger, gibt es auch mehr Unfälle»

In den letzten drei Wochen kam es in der Schweiz vermehrt zu Zugunfällen. Dabei stellt sich die Frage, ob diese Vorfälle mit Bauzügen auf die gleiche Ursache zurückzuführen sind. 

von
Simone Quaderer
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Aktuell häufen sich die Zugunfälle auf dem hiesigen Bahnnetz: In den vergangenen drei Wochen kam es zu gleich vier Zugunfällen. Müssen sich Schweizer Pendler Sorgen machen?

Aktuell häufen sich die Zugunfälle auf dem hiesigen Bahnnetz: In den vergangenen drei Wochen kam es zu gleich vier Zugunfällen. Müssen sich Schweizer Pendler Sorgen machen?

20min/Matthias Spicher
In Zollikofen BE krachte am 2. Juni eine Lokomotive in einen stehenden Bauzug. Der Lokomotivführer wurde dabei leicht verletzt.

In Zollikofen BE krachte am 2. Juni eine Lokomotive in einen stehenden Bauzug. Der Lokomotivführer wurde dabei leicht verletzt.

20Min/News-Scout
Am selben Tag krachte im Bahnhof Henggart ZH ein Personenzug in einen  Bauzug, der auf dem Gleis nebenan stand.

Am selben Tag krachte im Bahnhof Henggart ZH ein Personenzug in einen  Bauzug, der auf dem Gleis nebenan stand.

20Min/News-Scout

Darum gehts

Aktuell häufen sich die Zugunfälle auf dem hiesigen Bahnnetz: Bereits vier Mal in diesem Monat gab es Unfälle mit Bauzügen in der Region Bern und Zürich. Zwei davon ereigneten sich auf BLS-Strecken, zwei auf der Infrastruktur der SBB. 

Der erste Zugunfall ereignete sich am 2. Juni, als in Zollikofen BE eine Lokomotive in einen stehenden Bauzug krachte. Der Lokomotivführer wurde dabei leicht verletzt. Der nächste Unfall passierte nur wenige Stunden später im Bahnhof Henggart ZH, wo ein Personenzug in einen Bauzug krachte, der auf dem Gleis nebenan stand. Verletzt wurde niemand. Am vergangenen Donnerstag folgte dann der nächste Unfall: Ein Bauzug entgleiste zwischen Interlaken und Spiez. Der jüngste Unfall passierte am Mittwochvormittag beim Bahnhof Heimberg BE. Dort entgleiste ein Wagen eines vierteiligen Bauzuges.

«Mit mangelnder Infrastruktur wenig zu tun»

Vier Unfälle in nur drei Wochen lassen aufhorchen. Müssen sich Schweizer Pendler Sorgen machen? Auf Anfrage geben gleich zwei «vom Fach» Entwarnung. Laut Walter von Andrian, Chefredaktor der Schweizer Eisenbahnrevue, sind die Häufungen eher Zufälle. Mit mangelnder Infrastruktur etwa hätte das Geschehene wenig zu tun – «im Gegenteil, man baut und renoviert heutzutage sehr viel, um die Rückstände beim Unterhalt in der Gleisinfrastruktur aufzuholen», meint von Andrian. «Wenn man häufiger baut, gibt es auch mehr Unfälle», führt er weiter aus.

Zudem seien stets nur Bauzüge betroffen. Dass es auf der Baustelle zu Unfällen mit Personenzügen kommen könnte, ist laut dem Experten eher unwahrscheinlich. Denn: «Wenn gebaut wird, fahren auf demselben Gleisabschnitt nicht gleichzeitig auch noch Züge. Dann wird das Gleis gesperrt.» Eine Gefahr bestehe aber, wenn Baumaschinen aus Versehen die Grenzen des Arbeitsbereichs überschreiten und Züge auf benachbarten Gleisen gefährden, erklärt von Andrian.

Hitze als möglicher Grund 

Tobias Bowald, Mobilitätsexperte bei Q_Perior AG, sieht ebenfalls keinen Grund zur Sorge. Laut dem Fachmann könnte es aber sein, dass sich wegen der Hitze der letzten Tage die Gleise leicht verformt haben und dadurch etwa die Entgleisungen der Bauzüge passiert sind. «Das Risiko, dass Ähnliches bei einem Personenzug passiert, ist jedoch viel kleiner als bei Bauzügen, da es zusätzliche Sicherheitsmassnahmen gibt», sagt der Mobilitätsexperte weiter.

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