Aktualisiert 27.08.2012 14:42

Rotlicht-MilieuZuhälter und sein Sohn wandern in den Knast

Ein Roma-Boss und sein 23-jähriger Sohn müssen wegen Menschenhandel und Förderung von Prostitution langjährige Gefängnisstrafen absitzen. Sie hatten systematisch Landsfrauen aus Ungarn in Zürich auf den Strich geschickt.

von
Attila Szenogrady

Was sagt ein Vater zu seinem Sohn, wenn dieser zum ersten Mal ins Gefängnis muss? In diesem Fall: «Willkommen!». Das Bezirksgericht Zürich hat in seinem am Montag eröffneten Urteil einen 41-jährigen Staatsangehörigen aus Ungarn sowie dessen 23-jährigen Sohn zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Der nicht geständige Vater, der am Prozess sämtliche Aussagen verweigert hatte, erhielt wegen qualifizierten Menschenhandels zu Lasten von drei Landsfrauen, Förderung der Prostitution, sexueller Nötigung, mehrfacher Körperverletzung sowie Tätlichkeiten eine hohe Strafe von siebeneinhalb Jahren. Hinzu kamen eine unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Franken sowie eine Busse von 300 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Chef eines Roma-Clans gar elf Jahre gefordert. Nicht zuletzt wurde der Zuhälter-Boss verpflichtet, den widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil von 88 000 Franken dem Kanton Zürich abzuliefern.

Schläge und sexuelle Uebergriffe

Beim Vater waren die Richter in weiten Teilen den Darstellungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Demnach hatte der Hauptbeschuldigte zwischen Frühling 2009 und Juni 2010 drei Landsfrauen in Ungarn gekauft und danach im Zürcher Rotlicht-Milieu auf den Strassenstrich geschickt. Der mehrfach vorbestrafte Zuhälter kassierte sämtliche Einnahmen und konnte rund 150 000 Franken nach Ungarn überweisen.

Dabei schüchterte er die Geschädigten mit zahlreichen Schlägen ein. Zudem hatte er sich an einer Prostituierten auch sexuell vergangen.

Der auf Freispruch plädierende Verteidiger hatte vergeblich versucht, die Glaubwürdigkeit der seines Erachtens erfahrenen und freiwilligen Prostituierten zu erschüttern.

Der Angeklagte wurde verpflichtet, den drei Geschädigten Schmerzensgelder von 20 000 Franken, 10 000 Franken sowie 5000 Franken zu bezahlen. Ueber die Höhe der Schadenersatzforderungen soll ein Zivilrichter entscheiden.

Sohn kein Menschenhändler

Besser kam der Sohn davon. Er wurde vom Vorwurf des Menschenhandels freigesprochen. Was hängen blieb, waren die Förderung der Prostitution bei zwei Frauen sowie leichte Drogendelikte. Er kassierte dafür eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Die Anklage hatte das Doppelte von sieben Jahren gefordert. Da er bereits 808 Tage verbüsst hat, sollte er im Gegensatz zu seinem Vater demnächst freikommen. Eine schriftliche Begründung der Urteile liegt noch nicht vor.

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