Kreuzfahrt nach Namibia – ZDF-«Traumschiff» unter Rassismus-Verdacht – «zum Fremdschämen»
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Kreuzfahrt nach NamibiaZDF-«Traumschiff» unter Rassismus-Verdacht – «zum Fremdschämen»

Pünktlich zum Neujahrstag strahlte das ZDF eine neue Episode von «Das Traumschiff» aus. Diesmal ging es nach Namibia – und man bediente dort lauter rassistische Vorurteile.

von
Katrin Ofner

In dieser Szene aus «Das Traumschiff» ist zu sehen, wie der deutsche Staff-Kapitän in Namibia Einheimischen zur Hilfe kommt, um einen Generator zu reparieren.

ZDF

Darum gehts

  • Am 1. Januar 2022 machte das «Das Traumschiff» wieder die Leinen los und schipperte nach Namibia.

  • Mit an Bord ist diesmal wieder Florian Silbereisen in der Rolle des Kapitäns, Collien Ulmen-Fernandes als Schiffsärztin sowie erstmals auch Influencerin Caro Daur.

  • Zwar bietet die neue Folge in typischer Manier ganz viel Liebe und Dramen, doch einigen Zuschauerinnen und Zuschauern stiess die Folge sauer auf.

  • Der Grund: Man bediente sich gemäss diverser Twitter-Reaktionen mehrere rassistische Stereotypen.

Wie jedes Mal zum Neujahr strahlte das ZDF eine neue Folge von «Das Traumschiff» aus. Am ersten Tag von 2022 nahm die MS Amadea Kurs auf Afrika – genauer gesagt nach Namibia. Erneut haben die Passagierinnen und Passagiere – darunter Influencerin Caro Daur – jede Menge Probleme und Sorgen im Gepäck, die sich aber vor der Kulisse wunderschöner Natur und Traumstrände und pünktlich kurz vor der Rückkehr in den heimischen Hafen in Luft auflösen.

Seichte Feiertags-Unterhaltung, aber ein Garant für Erfolg. Nur dieses Jahr trifft sie in den Sozialen Netzwerken auf scharfe Kritik. Grund dafür sind einige fragwürdige Szenen: Wie etwa jene, in der Staff-Kapitän Martin Grimm, gespielt von Daniel Morgenroth, einen Trip in die Wildnis macht. Dort wird er von einem Dorfbewohner angesprochen, der ihn bittet, ihm bei der Reparatur eines Diesel-Generators zu helfen.

Natürlich löst der hilfsbereite Kapitän Grimm das Maschinenproblem im Handumdrehen und wird prompt von den Einheimischen gefeiert. Gemäss der Twitter-Reaktion werde mit den Szenen impliziert, dass die Personen in Namibia ohne deutsche Hilfe keine Motoren reparieren könnten.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

«Die Kinder brauchen mich»

Ein weiteres Beispiel, das eine stereotypische Darstellung von People of Color zeigen solle: Die Nichte von Kapitän Prager, gespielt von Florian Silbereisen, macht ein Praktikum als Lehrerin in Namibia. Dies endet jedoch, weshalb sie eigentlich für ein Studium nach Deutschland zurück muss. Doch sie weigert sich.

Der Grund: «Die Kinder brauchen mich.» Ebenso wolle sie wegen ihres Freundes, der aus Namibia stammt, nicht abreisen. Dieser ist in der Folge übrigens in krumme Schmuggel-Geschäfte verwickelt.

«Traumschiff verbieten»

Nach der Folge bleibt von Namibia somit das Bild eines Landes von Wilderern und Schmugglern, wo die Menschen warten müssen, bis zufällig ein Deutscher auf einem Kreuzschiff vorbeikommt, der ihnen einen Generator repariert, weil sie das selbst nicht können.

Auf Twitter hiess es zur Neujahrsfolge daher etwa: «Schwarze Menschen dealen Drogen, trommeln, tanzen, können ohne deutsche Hilfe keine Motoren reparieren.» Und der User forderte: «Kann da mal ne Awareness-Taskforce auf den Lerchenberg fahren?»

Für seinen Tweet bekommt User Flügge dann auch direkt Zustimmung.

«Dass das ZDF diese Stereotypen so senden darf und kann», schreibt ein weiterer Twitter-Nutzer, sei ihm 2022 ein Rätsel: «Zum Fremdschämen.»

Ein weiterer Zuschauer versucht in seinem Tweet seine «Entgeisterung in Worte» zu fassen. «Wo steht eigentlich, dass Serien des #ÖRR zur allgemeinen Verdummung beitragen müssen?»

«Traumschiff verbieten» fordert sogar ein User.

Ein weitere Nutzer ist fassungslos über die Darstellung der schwarzen Menschen.

Gerade jene Szene, in der Staff-Kapitän Grimm den Motor repariert, kam gar nicht gut an.

Auch Schweden-Folge in der Kritik

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich das «Traumschiff» Kritik einhandelt. Schon die Weihnachtsfolge vor acht Tagen sorgte bei Zuschauerinnen und Zuschauern für Unmut. Darin fuhr nämlich ausgerechnet ein Umweltaktivist mit dem Kreuzfahrtschiff – das nicht gerade als sparsames Transportmittel bekannt ist. Und wohin? Natürlich ins Greta-Land Schweden.

Nicht die erste Kritik am Traumschiff

Hat man aus Fehlern etwa nicht gelernt? Bereits in der Oster-Folge von 2020 kam es auf der MS Amadea zum Skandal. «Das Traumschiff» nahm damals Kurs auf Marokko. Nach etwa sieben Minuten Spielzeit stolperte der Bordfotograf Ken und verteilte dabei kistenweise Fotos von Passagierinnen und Passagieren auf dem Boden.

Der neue Fitnesstrainer Lennart kam ihm zur Hilfe, schüttelte ihm die Hand und hob ein paar Bilder auf. «Alles Tänzerinnen, die meisten aus Russland. Sind gerade erst an Bord gekommen – echte Sahneschnitten», sagte Ken. Dann sah Lennart ein Bild der schwarzen Prinzessin Lilani – und fragt: «Wer ist das?» Ken antwortet: «Keine Chance, den Schokoriegel hab' ich mir schon auf die Fahne geschrieben.»

Der ZDF versuchte diese peinlichen Spruch damals so einzuordnen, indem in der Episode gleich selber betont wurde, worum es sich handelt: Rassismus! Lennarts Antwort war nämlich: «Schokoriegel?! Sag mal, geht's noch? Ich verstehe bei Rassismus keinen Spass!» Aber nicht alle Zuschauer und Zuschauerinnen fanden diese Verarbeitung glaubwürdig.

Anfragen von 20 Minuten beim ZDF sowie den «Das Traumschiff»-Verantwortlichen zur aktuellen Folge sind hängig.

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