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Star StyleZum Glück ging er leer aus

Jamie Bell weiss: Hätte er den Oscar für «Billy Elliot» bekommen, würde er jetzt nicht in «Tintin» mitspielen.

von
Lucien Esseiva
Tanzfilme? Nein, danke!

Tanzfilme? Nein, danke!

Jamie Bell ist gerade 14, als «Billy Elliot» im Jahr 2000 in die Kinos kommt. Der Film um den Ballett tanzenden Arbeitersohn wird ein Riesenhit, 13 Millionen rennen in die Kinos, um ihn zu sehen, er gewinnt 48 Preise, und Jamie wird als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert. «Der Rummel um meine Person war der absolute Horror», erzählt Jamie, 25, im Friday-Interview. Wir treffen ihn anlässlich seines neuen Films «The Adventures of Tintin». Aber Jamie spricht von früher: «Ich wurde dermassen auf Billy Elliot reduziert, dass mir die Lust aufs Tanzen komplett vergangen ist. Ich sagte mir: Danke euch allen! Aber ich kann mehr als nur den lustigen Tanzjungen spielen.» Dass er den Oscar dann doch nicht gewonnen hat, habe sein Leben gerettet. «Wie hätte ich mich danach noch motivieren sollen? Was hätte ich noch erreichen können?»

Von Vampiren umgeben

Er erzählt, dass er als Reaktion auf den Erfolg von «Billy Elliot» in seinem Leben radikal aufgeräumt habe. Er feuerte seinen Berater und trennte sich von vielen Leuten in seinem Umfeld. Und das in einem Alter, in dem andere sich gerade nach ihrem ersten Job umsehen. «Ich war von Vampiren umgeben, die nicht mein Bestes wollten.» Heute habe er wenige, dafür gute Freunde. Dazu gehören Schauspielerkollegen wie Daniel Craig und Andy Serkis, der in «Tintin» den cholerischen Kapitän Haddock spielt. «Freunde sind das Einzige, worauf man in diesem Business zählen kann. Alles andere geht schnell vorbei.»

Mittlerweile hat der Brite – er ist in einem Kaff in Nordengland aufgewachsen – in 15 Filmen mitgespielt. Vom nerdigen Schüler bis zum römischen Legionär war alles dabei. Seine neuste Rolle, die Comicfigur Tim aka Tintin, hat einige Parallelen zu seinem eigenen Leben: Tintin hat keine Eltern – auch Jamie hat seinen Vater nie kennen gelernt: «Ich vermisse ihn auch nicht.» Tintin ist von Beruf

Reporter – Jamie wollte Sportjournalist werden: «Ich mag die grossen und kleinen Dramen auf dem Sportplatz.» Heute schreibt er hobbymässig Drehbücher. Aber auch sonst passe die Rolle zu ihm: «Tintin ist ein sehr physischer Charakter. Die Art, wie er geht, seine Gestik ist extrem stark.» Komisch, schon wieder landet das Gespräch beim Tanzen.

Reisen zum Mond

Würde er jemals wieder in einem Tanzfilm spielen? «Tanzen steckt tief in mir drin», sagt er. «Das muss raus. Darum tanze ich oft einfach in meiner Wohnung herum. Aber wieder in einem Tanzfilm mitspielen? Nein danke!» Die neuen Filme dieses Genres wie «High School Musical» schaut er sich nicht an. «Diese schnulzige Mischung aus Lovestory und Streetdance mag ich überhaupt nicht. Das hat mit Tanzen nicht mehr viel zu tun.» Viel lieber zieht er sich in der Freizeit in seine kleine Wohnung in Los Angeles zurück, spielt auf seiner Gitarre, hört Musik und liest Bücher über sein gros­ses Hobby, die Raumfahrt. «Ziemlich nerdig. Aber die Astronauten sind die wahren Helden unserer Zeit.» Selber würde er aber niemals in eine Rakete steigen und zum Mond fliegen. «Ich würde mir in die Hose machen, ich fürchte mich vor Raketen! Ausserdem habe ich schreckliche Höhenangst.»

«The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn»

Die Verfilmung des «Tim und Struppi»-Comics entstand mit neuester Digitaltechnik. Performance Capturing übertrug Jamie Bells Bewegungen eins zu eins in die animierte Filmfigur Tintin aka Tim. Mimik und Gestik der Trickfiguren wirken extrem echt. Anders als bei bisherigen Animationsfilmen hat man auch die Schauplätze komplett am Filmset nachgebaut. Der schnelle, packende Film stammt von den beiden Filmgrossmeistern Steven Spielberg und Peter Jackson.

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