Zum Heulen: Tränengas gegen Deponie-Gegner
Aktualisiert

Zum Heulen: Tränengas gegen Deponie-Gegner

Zur Bewältigung der Abfallkrise in Neapel sollen zehn neue Mülldeponien errichtet werden. Widerstand in der Bevölkerung wurde mit Tränengas bekämpft.

Unterstaatssekretär Guido Bertolaso veröffentlichte am Samstag eine Liste mit den Standorten. Der Plan trifft auf Widerstand in der Bevölkerung.

In der Ortschaft Chiaiano, in der eine Halde wiedereröffnet werden soll, kam es am Freitagabend zu heftigen Protesten, die in Krawalle ausarteten. Rund tausend Demonstranten versuchten, den Zugang zu der Abfallhalde im Nordwesten Neapels zu blockieren, wo die neue Deponie errichtet werden soll.

Aus der Menge der Demonstranten wurden Steine geworfen, die Polizei setzte Tränengas ein. Laut der italienischen Agentur ANSA nahm die Polizei sieben Demonstranten fest. Ein Korrespondent des italienischen Fernsehens (RAI) sagte, er sei von der Polizei geschlagen und seine Kamera beschlagnahmt worden.

Innenminister Roberto Maroni erklärte, Proteste seien «vorhersehbar» gewesen, jedoch sei es «im Interesse aller», der Abfallkrise ein Ende zu setzen. Bertolaso, der mit der Bewältigung der Krise beauftragt ist, verurteilte die Krawalle und rief die Bevölkerung zur Zusammenarbeit auf.

«Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, die Situation ist kritisch, viel schlimmer als vor einem Jahr. Ich bin überaus besorgt, in einer solchen Situation kann man nicht optimistisch sein. Wir müssen alle Konflikte beiseite lassen und für die Lösung dieser Notstandslage arbeiten», betonte er.

Militäreinsatz umstritten

Er betrachte die von der Regierung Berlusconi angekündigte Bewachung der Abfalldeponien durch Soldaten nicht als eine «echte Militarisierung» der Halden, sagte Bertolaso weiter. Vielmehr werde man dafür sorgen, dass die Deponien zumindest nicht mehr als Niemandsland betrachtet und zum Schauplatz gewalttätiger Proteste werden würden.

Ex-Aussenminister Massimo D'Alema meinte, der Einsatz des Militärs habe mehr einen propagandistischen als einen effektiven Wert. In der Regierung Berlusconi gebe es keine einheitliche Auffassung zur «Militarisierung» der Kehrichthalden.

Die Notstandslage in Neapel wird in Brüssel kritisch beobachtet. Nach Auffassung der EU-Kommission hat Italien hinsichtlich des Abfallproblems zwar Notmassnahmen eingeleitet, jedoch fehle bisher ein strukturelles Konzept. Wichtig sei, dass der Regierungsplan zur Bewältigung der Müllkrise rasch umgesetzt werde.

Abfall nach Deutschland gebracht

Unterdessen traf am Freitag der erste Abfalltransport aus Neapel in Hamburg ein. Etwa 500 Tonnen per Bahn angelieferter Hauskehricht wurden in einer Verbrennungsanlage entsorgt, wie die städtischen Behörden mitteilten.

In den kommenden zehn Wochen sollen etwa 30 000 Tonnen Abfall aus der süditalienischen Hafenstadt in die Hansestadt transportiert und verbrannt werden. Deutsche Unternehmen wollen im Rahmen eines mit dem italienischen Staat vereinbarten Nothilfeplans insgesamt rund 160 000 Tonnen Müll entsorgen.

(sda)

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