Aktualisiert 26.10.2010 17:39

Nicht aufgeben

Zum Lehrabbruch gibt es immer Alternativen

Tausende haben vor wenigen Wochen ihre Lehre begonnen. Mit dem Einstieg ins Berufsleben kommen aber nicht alle gut zurecht. Acht Prozent der Lehrverträge werden vorzeitig aufgelöst.

von
Sandro Spaeth

René hat im August eine Lehre als Koch begonnen. Es klappt aber nicht wunschgemäss. Er hat oft Streit mit dem Chef und in der Schule ist René überfordert. Der Stift denkt daran, den Bettel hinzuschmeissen. «Gerade bei Konflikten am Arbeitsplatz wird die Lehre oft zu früh aufgegeben», sagt Karin Lanz von der privaten Jugendberatung Iuventa.ch. Nur etwa die Hälfte der Unzufriedenen versuche, mit den Verantwortlichen einen Weg zu finden, um den Lehrabbruch zu um­gehen.

Im Kanton Zürich haben 2009 zwölf Prozent der Erstlehrjahr-Stifte ihren Vertrag aufgelöst. Über alle vier Lehrjahre gesehen, betrug die Quote 7,6 Prozent. Wichtig ist: Nur rund die Hälfte davon schmeisst die Ausbildung hin, die anderen sind Umsteiger, die das Bildungsniveau oder den Lehrbetrieb wechseln. Als Hauptgründe für vorzeitige Vertragsauflösungen nennen Lernende laut Lanz meist ungenügende Leistungen in der Schule und Konflikte am Arbeitsplatz.

Anders tönt es bei den Ausbildnern: Sie kritisieren die mangelnde Leistungsbereitschaft der Stifte und fehlendes In­teresse. «Wenn der Lehrabbruch zum Thema wird, ist es oft schon zu spät», sagt Ralf Margreiter von KV Schweiz. Umso wichtiger sind daher präventive Massnahmen. «Schulische Probleme sofort mit dem Lehrbetrieb besprechen und nach Unterstützung fragen», sagt Lanz. Und bei Konflikten am Arbeitsplatz oder allgemeiner Unzufriedenheit rät die Jugendberaterin, dies frühzeitig mit einer Vertrauensperson oder einem Coach zu bereden und gemeinsam das Gespräch mit dem Lehrbetrieb vorzubereiten.

Rechtliche Eckpunkte

Ohne wichtigen Grund ist das Lehrverhältnis nur während der Probezeit kündbar. Nach Ablauf der Probezeit lässt sich der Lehrvertrag nicht mehr einseitig ­aufheben, es sei denn, der Kündigende kann sich auf einen wichtigen Grund berufen. Ein solcher liegt beispielsweise vor, wenn ein Fortsetzen des Vertrags einer der Parteien nicht mehr ­zugemutet werden kann.

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