Versicherungsbetrug: Zum Sparen Personal krankschreiben
Aktualisiert

VersicherungsbetrugZum Sparen Personal krankschreiben

Betrugsexperten warnen: In der Krise missbrauchen immer mehr Firmen Kranken-Taggeldversicherungen.

von
Elisabeth Rizzi

Anfang Woche meldete das Seco, die Schweiz habe die Rezession überwunden. Doch die Situation in verschiedenen Branchen ist und bleibt schlecht. Das bekommen die Taggeldversicherer zu spüren. «Sind die Auftragsbücher leer, haben Arbeitgeber Interesse daran, ihre Mitarbeitenden länger krankschreiben zu lassen als nötig», sagt der Betrugs-Experte einer grossen Versicherung. Der Grund: Firmen, die eine Kollektiv-Taggeldversicherung abgeschlossen haben, kriegen Geld für Angestellte, die sonst unproduktiv im Betrieb herumsitzen würden. Bereits in früheren Krisen seien die Taggeldleistungen jeweils hochgeschnellt, beobachtet der Betrugs-Fachmann einer anderen Versicherung.

Beliebt sei es bei Unternehmen insbesondere, ältere Angestellte für die maximale Bezugsdauer der Taggelder krankschreiben zu lassen und anschliessend in den Ruhestand zu schicken. Axa Winterthur verzeichnete in den letzten Jahren eine generelle Zunahme der nachgewiesenen Betrugsfälle. Ob es an einem tatsächlichen Anstieg der Kriminalität liege oder am Ausbau der Betrugsbekämpfung, sei nicht erwiesen, so Sprecher Olivier Michel. Klar ist aber: Die Taggeldfälle haben im letzten Jahr um 10 Prozent zugelegt. Auch Zurich verzeichnet sieben Prozent mehr Arbeitsunfähigkeitstage. Die ausbezahlten Leistungen sind um 10 Prozent gestiegen. Die Krankenversicherung CSS beobachtet ebenfalls eine tendenzielle Zunahme der Krankentaggeld-Fälle seit Anfang Jahr.

Deine Meinung