Aktualisiert 18.06.2014 06:43

Sudan

Zum Tod verurteilte Christin von Ketten befreit

«Auf ärztliche Anweisung» wurden Meriam Jahia Ibrahim Ischag die Ketten abgenommen. Sie hatte Ende Mai im Gefängnis in Ketten eine Tochter zur Welt gebracht.

von
pat

Die wegen «Abfalls vom islamischen Glauben» zum Tode verurteilte junge Christin im Sudan ist nicht mehr in Ketten. Die 27-Jährige hatte Ende Mai im Gefängnis in Ketten eine Tochter zur Welt gebracht.

Die Gefängniswärter hätten Meriam Jahia Ibrahim Ischag «auf ärztliche Anweisung» die Ketten abgenommen, sagte ihr Anwalt am Dienstag. Der Fall der jungen Christin hatte international Empörung ausgelöst. Ischag war Mitte Mai wegen «Abfalls vom islamischen Glauben» zum Tod durch Erhängen verurteilt worden.

Zudem wurde sie wegen ihrer Hochzeit mit einem aus dem Südsudan stammenden christlichen US-Bürger wegen Ehebruchs zu 100 Peitschenhieben verurteilt.

Aufhebung des Urteils wird gefordert

EU-Kommission, Europarat und Europaparlament sowie die Repräsentanten der wichtigsten religiösen Gemeinschaften in Europa hatten den Sudan in der vergangenen Woche aufgefordert, das «unmenschliche Urteil» gegen die junge Frau aufzuheben.

Laut der sudanesischen Auslegung des islamischen Rechts der Scharia darf eine Muslimin keinen Christen heiraten. Tut sie es dennoch, wird dies als Ehebruch gewertet.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Ischag von ihrer christlichen Mutter im christlich-orthodoxen Glauben erzogen, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie während ihrer Kindheit verlassen hatte. Die sudanesischen Behörden betrachten Kinder eines muslimischen Vaters jedoch automatisch als Muslime, ein Übertritt zu einer anderen Religion ist nicht möglich. (pat/sda)

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