Aktualisiert 23.06.2014 15:09

Sudan

Zum Tode verurteilte Christin ist wieder frei

Weil sie sich vom Islam abgewendet hatte, sollte die 27-jährige Mariam Jahia Ibrahim Ischag gehängt werden. Doch nun hat ein Berufungsgericht das Urteil aufgehoben.

Ein sudanesisches Berufungsgericht hat am Montag die Freilassung einer wegen Abkehrs vom Islam zum Tode verurteilten Christin angeordnet. Die Richter hätten das Todesurteil aufgehoben, berichtete die Sudan News Agency.

«Mariam wurde vor einer Stunde freigelassen», sagte einer ihrer Anwälte am Montag in Khartum. Mariam Jahia Ibrahim Ischag habe das Gefängnis bereits verlassen, doch würden die Behörden erst am Dienstag die Gründe für ihre überraschende Freilassung mitteilen, sagte der Jurist, der sich ebenso wie vier andere Menschenrechtsanwälte ohne Honorar des Falles angenommen hatte.

Der Fall der 27-jährigen Christin hatte international Aufsehen erregt. Das Al-Hadsch-Jusif-Gericht in Khartum hatte Mitte Mai angeordnet, die Frau wegen Gotteslästerung und Glaubensabtrünnigkeit (Apostasie) zu hängen. Sie könne dem nur entkommen, wenn sie ihrem Glauben abschwöre und zum Islam zurückkehre, hiess es.

Wenige Wochen später hatte Ischag im Gefängnis eine Tochter zur Welt gebracht - ohne medizinische Hilfe und in Fussketten.

«Unmenschlich» und «barbarisch»

EU-Kommission, Europarat und Europaparlament sowie die Repräsentanten der wichtigsten religiösen Gemeinschaften in Europa hatten den Sudan nach dem Gerichtsbeschluss aufgefordert, das «unmenschliche Urteil» aufzuheben. US-Aussenminister John Kerry drängte den Sudan, das Gesetz zum Verbot von Konversionen zu ändern. Der britische Premier David Cameron nannte die Behandlung der jungen Frau im Gefängnis «barbarisch».

Ischags Vater ist Muslim, die Mutter eine orthodoxe Christin aus Äthiopien. Die Frau war wegen der weitgehenden Abwesenheit des Vaters als Christin erzogen worden und hatte einen Christen geheiratet. Diese Verbindung wurde im Sudan nicht anerkannt, so dass der während des Verfahrens schwangeren Frau wegen ausserehelichen Geschlechtsverkehrs auch 100 Peitschenhiebe drohten.

Nach der im Sudan geltenden Scharia - der islamischen Rechtsprechung - wird jeder als Muslim betrachtet, der mindestens einen muslimischen Elternteil hat.

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