Aktualisiert 31.05.2014 20:59

Sudan

Zum Tode verurteilte Christin soll freikommen

Ein Mitarbeiter des sudanesischen Aussenministeriums hat die Freilassung einer 27-jährigen Mutter in Aussicht gestellt. Sie sitzt im Gefängnis, weil sie einen Christen geheiratet hatte.

von
woz

Die wegen Abfalls vom islamischen Glauben und Ehebruchs zum Tode verurteilte sudanesische Christin Meriam Jahia Ibrahim soll bald auf freien Fuss kommen. Ein ranghoher Mitarbeiter des sudanesischen Aussenministeriums sagte am Samstag, die Freilassung werde «in den kommenden Tagen» erfolgen.

Am Dienstag hatte die 27-jährige Mutter eines 20-monatigen Sohns im Gefängnis eine Tochter zur Welt gebracht. Ob das Urteil gegen sie aufrecht erhalten wird, sagte der Ministeriumsmitarbeiter nicht.

Ehe mit einem christlichen Südsudanesen

Der Fall hatte international Aufsehen erregt. Am 15. Mai hatte ein Gericht in der sudanesischen Hauptstadt Khartum die hochschwangere Meriam Jahia Ibrahim Ischag zum Tod durch Erhängen verurteilt. Ihr Rechtsanwalt kündigte an, das Urteil durch alle Instanzen anzufechten.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Ischag von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen, weil ihr muslimischer Vater die Familie in ihrer Kindheit verliess. Die Anklage des Ehebruchs gegen sie wurde wegen ihrer Ehe mit einem christlichen Südsudanesen erhoben.

In der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, darf eine Muslimin keinen Christen heiraten. Tut sie es dennoch, wird dies als Ehebruch gewertet. Ischag wurde deshalb zu 100 Peitschenhieben verurteilt.

«Brutale und widerliche Entstellung des Glaubens»

Zuvor hatten sich der britische Premierminister David Cameron und sein Vorgänger Tony Blair empört über das religiös motivierte Todesurteil gegen eine Christin im Sudan gezeigt. Die Behandlung der Frau sei «barbarisch» und habe «keinen Platz in der heutigen Welt», sagte Cameron laut einem Bericht der Zeitung «The Times» vom Samstag.

Blair nannte den Vorfall eine «brutale und widerliche Entstellung des Glaubens». Cameron sagte, Grossbritannien mache Druck auf den Sudan, das Urteil für ungültig zu erklären. (woz/sda)

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