Zum Überleben braucht es mehr als Unzufriedenheit
Aktualisiert

Zum Überleben braucht es mehr als Unzufriedenheit

Unzufriedenheit mit dem Kurs der Mutterpartei und starke Führungspersönlichkeiten genügen nicht, einer abgespaltenen Partei längerfristig das Überleben zu sichern.

Abtrünnige Parteien müssen eine Parteistruktur und ein eigenes Profil aufbauen, um sich ein längerfristiges Überleben - über die Gründergeneration hinaus - zu sichern, sagte der Politologe Werner Seitz gegenüber der SDA.

Bei der EDU etwa gelang dies. Sie konnte erfolgreich eine Nische (das evangelikale Wählersegment) besetzen. Bei der DSP dagegen erlahmte der anfängliche Schwung.

Für den Politologen Georg Lutz von der Uni Lausanne braucht es für die Etablierung einer Partei ein klares politisches Projekt, finanzielle und personelle Ressourcen, sowie ein günstiges politisches Umfeld, etwa ein Wahlsystem mit tiefen Wahlhürden, das auch kleinen Parteien eine Chance gibt.

Die SP-Abspaltungen etwa hatten kein eigenes überzeugendes Projekt. Auch fehlt es den meisten «Spalt-Parteien» an Geld und Personal, um längerfristig durchhalten zu können. Der Aufbau einer tragfähigen Partei-Infrastruktur dauert Jahre.

Bei den Grünliberalen ist das Projekt nach Einschätzung von Lutz noch unklar. Laut Seitz müssen sie langfristig eine Nachfrage (von Wählenden) finden. «Sie müssen sich als notwendige politische Kraft mit besonderem Profil etabieren» - nur so sei längerfristiger Erfolg garantiert.

Eher skeptisch beurteilen die Politologen die Chancen einer möglichen SVP-Abspaltung. In Bern handle es sich um den Protest einer Elite; starke Wurzeln für eine eigene Partei sieht Seitz nicht. Und Lutz sieht kein eigenständiges politisches Projekt bei einer «dissidenten» SVP.

(sda)

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