Aktualisiert 13.06.2017 17:41

Drohender Verkehrskollaps«Zur Rushhour sofort den Pannenstreifen freigeben»

Der Verkehr auf unseren Autobahnen nimmt ungebremst zu. Wie wollen Politiker den Kollaps verhindern?

von
daw
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Geht es nach bürgerlichen Verkehrspolitikern, soll der Pannenstreifen vermehrt zur Fahrspur werden.

Geht es nach bürgerlichen Verkehrspolitikern, soll der Pannenstreifen vermehrt zur Fahrspur werden.

Keystone/Laurent Gillieron
Engpässe im Strassennetz sollen möglichst rasch beseitigt werden, fordert TCS-Vize Thierry Burkart. Auch Verkehrsministerin Doris Leuthard setzt sich dafür ein.

Engpässe im Strassennetz sollen möglichst rasch beseitigt werden, fordert TCS-Vize Thierry Burkart. Auch Verkehrsministerin Doris Leuthard setzt sich dafür ein.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Unsere Strassen sind unregelmässig ausgelastet - am Morgen und am Abend gibt es starke Spitzen, wie die Grafik am Beispiel des Werktagsverkehrs auf der A1 zeigt. Laut Grünen-Nationalrat Bastien Girod würde Mobility Pricing Abhilfe schaffen.

Unsere Strassen sind unregelmässig ausgelastet - am Morgen und am Abend gibt es starke Spitzen, wie die Grafik am Beispiel des Werktagsverkehrs auf der A1 zeigt. Laut Grünen-Nationalrat Bastien Girod würde Mobility Pricing Abhilfe schaffen.

UVEK

Schweizer Autobahnen sind so voll wie nie. Auf den fünf meistbefahrenen Abschnitten wurde letztes Jahr laut den Zahlen des Bundesamts für Strassen eine Rekordzahl von Fahrzeugen registriert. Auch Staus nehmen seit Jahren zu: Seit 2008 hat sich die Zahl der Staustunden auf über 22'000 verdoppelt.

Prognosen zufolge dürfte der Verkehr auch künftig wachsen. Doch wie lässt sich ein Verkehrskollaps abwenden? 20 Minuten hat Politiker nach ihren Rezepten befragt.

6 Massnahmen gegen den Stau

Pannenstreifen freigeben: Als Sofortmassnahme fordert SVP-Nationalrat Walter Wobmann, dass zu Spitzenzeiten der Pannenstreifen für den Verkehr freigegeben wird, um Stau zu vermeiden. «Obwohl der Pilotversuch in Morges-Ecublens erfolgreich war, geschieht die Freigabe viel zu zögerlich.» Leider würden Einsprachen etwa die geplante Umnutzung auf der A6 zwischen Wankdorf und Muri blockieren. Weitere Umnutzungen sind in den Regionen Aargau, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Winterthur und Zürich geplant.

Schnell ausbauen: Mit der Annahme des Strassen- und Agglomerationsfonds NAF liegt Geld für die Engpassbeseitigung bereit. Bis 2030 sollen rund 6,5 Milliarden Franken investiert werden. Geplant sind Verbesserungen etwa bei der Nordumfahrung Zürich oder zwischen Luterbach und Härkingen. FDP-Nationalrat und TCS-Vize Thierry Burkart verlangt, dass der Ausbau rasch angepackt wird: «Solange die Bevölkerung und der Wohlstand zunehmen, wächst auch der Verkehr. Wir müssen die Verkehrsinfrastruktur darauf ausrichten.» Heute dauere es aber viel zu lange, bis ein Projekt realisiert werden könne. «Die Beschwerdeverfahren müssen massiv verkürzt werden.»

Zuwanderung bremsen: Ein Grund für das Verkehrswachstum ist das Bevölkerungswachstum. Wobmann sagt, eine Beschränkung der «Masseneinwanderung» sei auch die wirksamste Verkehrspolitik. «In einer 10-Millionen-Schweiz wird sich das Stau-Problem vergrössern.»

Mobility Pricing: Grünen-Nationalrat Bastien Girod sieht die beste Lösung im Mobility Pricing. «Mit den Ausbauten wird der Stau nur verschoben. Das ist teuer und macht keinen Sinn. Wir sollten stattdessen den Markt spielen lassen.» Für die zurückgelegten Kilometer würde eine Gebühr erhoben, zu Stosszeiten und an neuralgischen Stellen wäre das Autofahren teurer. So könnten die Verkehrsspitzen gebrochen und die Strasse gleichmässiger ausgelastet werden. Der Bund prüft derzeit zusammen mit Kantonen und Gemeinden entsprechende Pilotprojekte.

Homeoffice und Fahrgemeinschaften: Laut FDP-Verkehrspolitiker Burkart kann Homeoffice langfristig einen Beitrag zur Entlastung der Strasse leisten. Allerdings brauche es Zeit, bis die Firmen ihre Mitarbeiter noch vermehrt von zu Hause aus arbeiten lassen – und ein flexibleres Arbeitsrecht. Ausserdem sehen Burkart und auch Wobmann Potenzial im Carsharing. «In der Agglomeration ist es sinnvoll, ein Auto zu teilen», so Wobmann. Auch dafür brauche es aber die nötige Infrastruktur – etwa Parkplätze bei Autobahnauffahrten, wo sich Fahrgemeinschaften treffen und das eigene Auto abstellen können.

Doppelstöckige Autobahn: Nachgedacht wird im Bundeshaus auch über kreative Ideen. So schlug SVP-Nationalrat und Fuhrhalter Ulrich Giezendanner schon vor gut zwei Jahren vor, die A1 mit einer zusätzlichen Spur zu überdachen – nach dem Vorbild von Highways in Los Angeles. Das Bundesamt für Strassen liess damals gegenüber der «Aargauer Zeitung» verlauten, dass eine solche Lösung enorm teuer sei.

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