Bis zu 40'000 Franken: Zur Volljährigkeit gibt es einen Haufen Schulden
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Bis zu 40'000 FrankenZur Volljährigkeit gibt es einen Haufen Schulden

Viele Eltern bezahlen die Krankenkassenkosten über Jahre hinweg nicht – betrieben werden ab dem 18. Geburtstag allerdings die Kinder.

von
doz
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Wenn Eltern es versäumen, die Rechnungen ihrer Kinder zu begleichen, werden die Kinder bei Volljährigkeit selbst belangt.

Wenn Eltern es versäumen, die Rechnungen ihrer Kinder zu begleichen, werden die Kinder bei Volljährigkeit selbst belangt.

Keystone/Gaetan Bally
Dies findet SVP-Nationalrat und Santésuisse-Präsident Heinz Brand unangebracht.

Dies findet SVP-Nationalrat und Santésuisse-Präsident Heinz Brand unangebracht.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Auch Bea Heim (SP) hatte 2017 bereits eine Motion eingereicht, laut welcher Kinder nicht für die Versäumnisse ihrer Eltern belangt werden sollen.

Auch Bea Heim (SP) hatte 2017 bereits eine Motion eingereicht, laut welcher Kinder nicht für die Versäumnisse ihrer Eltern belangt werden sollen.

Keystone/Gaetan Bally

Immer wieder kommt es vor, dass jungen Erwachsenen bei der Suche nach der ersten eigenen Wohnung oder einem Job eine böse Überraschung widerfährt. Nichts ahnend wird ein Auszug aus dem Betreibungsregister angefordert – schliesslich hat man sich noch nichts zu Schulden kommen lassen. Doch dann der Schock: 40'000 Franken Schulden. Wie kann das sein?

Laut der «Schweiz am Wochenende» sind der Schuldenberatung Schweiz jährlich 70 bis 100 solcher Fälle bekannt. Meist kommen die Schulden daher, dass die Eltern Krankenkassenprämien ihrer Kinder über Jahre hinweg nicht bezahlt haben. Der Krankenkassendachverband Santésuisse geht davon aus, dass die Zahl von betroffenen Jugendlichen noch grösser ist, als jene, die sich bei der Schuldenberatung melden.

Schwerwiegende Folgen

Eltern sind eigentlich verpflichtet, ihre Kinder bis zur Volljährigkeit oder bis zum Abschluss einer Ausbildung finanziell zu versorgen. Es kommt laut Sébastien Mercier von Santésuisse aber immer wieder vor, dass Eltern dies versäumen. Sobald die Kinder schliesslich volljährig werden, lastet auf ihnen ein Schuldenberg zwischen 6000 und 15'000 Franken. Bei Studenten könne sich der Betrag sogar auf 40'000 Franken belaufen.

Für die jungen Erwachsenen kann der Eintrag im Betreibungsregister schwerwiegende Folgen haben. So ist beispielsweise ein Wechsel zu einer günstigeren Krankenkasse unmöglich. Auch die Wohnungssuche ist erschwert. Ausserdem weiss Mercier von einem Juristen, der aufgrund seiner Schulden nicht zur Anwaltsprüfung zugelassen wurde.

Geringe Chancen

Nationalrat Heinz Brand (SVP) will dem nun entgegenwirken. Er ist Präsident von Santésuisse und hat eine Motion eingereicht, laut welcher künftig die Eltern alleine für die versäumten Zahlungen aufkommen sollen. «Es darf nicht sein, dass Kinder bei Erreichen der Volljährigkeit für Versäumnisse ihrer Eltern aufkommen und mit schwierigen Bedingungen ins Erwachsenenleben starten müssen», sagt er. 19 weitere Nationalräte haben diese Motion unterzeichnet .

Die Chancen, dass ein solcher Vorstoss Gehör findet, sind aber gering. bereits im Mai 2017 hatte Nationalrätin Bea Heim (SP) einen solchen eingereicht. Der Bundesrat hat ihre Idee aber abgelehnt. Die Lage sei entschärft worden, da die Prämienverbilligung seit 2014 direkt an die Versicherer bezahlt wird. Ausserdem würden die Prämien für Kinder künftig sinken. Zusätzlich haften die Eltern nach Volljährigkeit ihrer Kinder noch immer solidarisch für die Schulden mit.

Ein Betreibungsverbot hält der Bundesrat daher für unangebracht: «Damit könnten auch junge Erwachsene, die über genügend finanzielle Mittel verfügen, nicht belangt werden.» Die Versicherungen seien bereits auf die Problematik sensibilisiert worden.

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