Aktualisiert 25.08.2015 10:32

RSAZurich legt Milliarden-Kaufofferte vor

Die Zurich Versicherung will seinen britischen Konkurrenten für rund 8,2 Milliarden Franken übernehmen. Abgeschlossen sind die Verhandlungen aber noch nicht.

von
kko
Plant Milliardenübernahme: Martin Senn, CEO Zurich Insurance Group.

Plant Milliardenübernahme: Martin Senn, CEO Zurich Insurance Group.

Der Versicherungskonzern Zurich Insurance hat einen unverbindlichen Vorschlag für die Übernahme des englischen Konkurrenten RSA vorgelegt. Darin nennt Zurich das Angebot von 550 Pence pro RSA-Aktie. Ob der Konzern eine solche Kaufofferte tatsächlich unterbreiten wird, ist allerdings noch nicht sicher.

Zuerst werden nun die Bücher der Konkurrentin geprüft. Nur wenn diese zufriedenstellend sind und man sich zudem in weiteren Punkten einigen kann, wird eine Kaufofferte gemacht. Dies teilte die Zurich-Versicherung am Dienstag mit.

8,2 Milliarden Franken

Zurich hält gemäss letzten Angaben bereits rund 15 Prozent an RSA. Sollte sie für die übrigen Aktien tatsächlich 550 Pence bieten, entspräche das einer Bewertung der Konkurrentin von gut 5,5 Milliarden Pfund oder umgerechnet etwa 8,2 Milliarden Franken. Dies sagte ein Zurich-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

RSA scheint mit dieser Bewertung grundsätzlich einverstanden zu sein: «Es gibt ein gemeinsames Verständnis der beiden Unternehmen bezüglich der Bewertung», sagte ein Zurich-Sprecher gegenüber Reuters.

Laut der Mitteilung von Zurich liess der Verwaltungsrat von RSA zudem verlauten, dass er den Aktionären empfehlen würde, eine Kaufofferte in dieser Höhe anzunehmen. Bedingung dafür wäre aber «eine zufriedenstellende Einigung über die weiteren Konditionen».

Spekulationen

Über ein Angebot in der nun genannten Höhe war an der britischen Börse bereits Ende Juli spekuliert worden. Damals hatte Zurich noch nicht einmal publik gemacht, dass sie am englischen Versicherer interessiert ist. Da die Spekulationen den Aktienkurs der RSA in die Höhe trieben, sah sie sich jedoch genötigt, das Interesse zu bestätigen.

Nun bleibt der Zurich vorerst rund ein Monat, um die Bücher der Konkurrentin zu prüfen und weiterzuverhandeln. Dann muss ein Entscheid fallen: Gemäss britischem Börsengesetz ist die Schweizer Versicherung verpflichtet, bis am 22. September um 17 Uhr Klarheit zu schaffen.

Bis dann muss sie entweder eine feste Kaufabsicht bekunden, eine Kaufofferte unterbreiten oder mitteilen, dass sie eine solche nicht vorlegen wird. Dies besagt die sogenannte «Put up or shut up«-Regel.

Ursprünglich hätte sich Zurich schon bis heute Dienstag äussern müssen. RSA ersuchte aber um eine Verlängerung der Frist, was genehmigt wurde. Dies erlaube es den Parteien, die laufenden Gespräche weiterzuführen, teilte Zurich mit. Die neue Frist bis zum 22. September könnte allenfalls nochmals verlängert werden.

Kurswechsel

Das Übernahmeinteresse der Zurich am zweitgrössten britischen Allversicherungs-Unternehmen stellt einen Kurswechsel dar. Noch im Mai hatte Zurich Zukäufen eine Absage erteilt. Firmenchef Martin Senn war vor allem mit Verkäufen aufgefallen. Investoren hatten Senn in den vergangenen Monaten allerdings für das fehlende Wachstum kritisiert.

Dass das Interesse an RSA nun konkretisiert wurde, veranlasste die Anleger jedoch nicht zu Enthusiasmus: Zwar verteuerten sich die Aktien der Zurich im Verlauf des Vormittags um knapp 2,5 Prozent. Gleichzeitig erholte sich der Gesamtmarkt gemessen am SMI aber um fast 3 Prozent von dem zuletzt erlittenen Einbruch.

Der Preis der RSA-Aktien stieg derweil in Richtung der von Zurich genannten Preisvorstellungen: Kurz vor 12 wurden die Titel zu 518 Pence gehandelt, was einem Plus von rund 4,7 Prozent entspricht.

Von der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Analysten meinten, ob der genannte Preis angemessen sei oder doch zu hoch, hänge insbesondere vom Synergiepotenzial ab. Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, sagte, das Synergiepotenzial müsste umgerechnet mindestens 590 Millionen Franken erreichen. Analysten der UBS glaubten, dass Synergien im Umfang von umgerechnet 190 bis 280 Millionen Dollar die Übernahme für die Zurich ermöglichen dürften. (kko/sda)

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