Neues Vergütungsmodell: Zurich-Mitarbeiter klagen über weniger Lohn
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Neues VergütungsmodellZurich-Mitarbeiter klagen über weniger Lohn

Der Versicherer Zurich hat ein neues Lohnmodell eingeführt. Das führe zu einem Einkommens-Minus von bis zu 15 Prozent, monieren Angestellte.

von
V. Blank
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Bei der Zurich ist ein neues Vergütungsmodell eingeführt worden. Das stösst vielen Angestellten sauer auf.

Bei der Zurich ist ein neues Vergütungsmodell eingeführt worden. Das stösst vielen Angestellten sauer auf.

Keystone/Walter Bieri
Der Versicherer hat sich ein umfassendes Sparprogramm verordnet: Bis 2018 will die Zurich eine Milliarde Dollar sparen. Rund 750 Stellen in der Schweiz sind davon betroffen.

Der Versicherer hat sich ein umfassendes Sparprogramm verordnet: Bis 2018 will die Zurich eine Milliarde Dollar sparen. Rund 750 Stellen in der Schweiz sind davon betroffen.

Keystone/Steffen Schmidt
Dies gab Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan Anfang 2016 anlässlich der Bilanzmedienkonferenz bekannt.

Dies gab Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan Anfang 2016 anlässlich der Bilanzmedienkonferenz bekannt.

Keystone/Walter Bieri

Bei der Zurich-Versicherung gibt es ein neues Vergütungsmodell – und das ärgert viele Mitarbeiter. Ein Kundenberater in einer Zurich-Generalagentur, der anonym bleiben möchte, sagt zu 20 Minuten: «Mit der neuen Art der Entschädigung verdienen wir bis zu 15 Prozent weniger.»

Zurich-Sprecher Franco Tonozzi bestätigt, dass die selbstständigen Generalagenturen von Zurich Schweiz für ihre Kundenberater am 1. Januar 2016 einen neuen Vertrag mit einem neuen Entschädigungsmodell eingeführt haben. Den Vorwurf der Zurich-Kundenberater, ihr Lohn sei dadurch gekürzt worden, weist er aber von sich. «Vielmehr sind die Schwerpunkte bei der Entlöhnung anders gesetzt worden», so Tonozzi.

Fixer Lohnanteil wird höher

In der Versicherungsbranche ist es üblich, dass nur ein Teil des Salärs als Fixlohn ausbezahlt wird. Der Rest ist variabel und setzt sich aus den Provisionen zusammen, die ein Kundenberater beim Abschluss von Versicherungspolicen erhält. Beim neuen Vergütungsmodell der Zurich wurde der fixe Anteil des Lohnes erhöht und, wie Tonozzi sagt, «in Bezug zur Qualifikation der Kundenberater gesetzt».

Dass diese Verschiebung Konsequenzen auf die eventuelle Lohnhöhe hat, räumt der Sprecher ein: bedingt durch die Umstellung könne das für einen Kundenberater vorübergehend ein tieferes Gesamteinkommen bedeuten.

Auch mehr Lohn möglich

Mit dem neuen Lohnsystem will die Zurich-Versicherung erreichen, dass sich die Berater stärker auf die schon bestehenden Kunden fokussieren und dieses Geschäft ausbauen – sprich, dass sie einem bestehenden Kunden neben seiner Hausratsversicherung beispielsweise noch eine Lebensversicherung verkaufen. «Die Berater, die sich konsequent darauf ausrichten, können ein höheres Einkommen als früher erzielen», betont Tonozzi.

Das Anwerben neuer Klienten wird im Gegenzug weniger gewichtet – genau das Geschäft, das den Beratern bisher die besten Provisionen in die Kasse spülte. Dementsprechend verärgert äussert sich ein weiterer Zurich-Angestellter: «Der verlangte Ausbau des Geschäfts mit bestehenden Kunden ist in der Praxis kaum umzusetzen.» Der Schweizer Versicherungsmarkt sei gesättigt, viele Kunden seien nicht bereit, sich noch weitere Policen verkaufen zu lassen. «Das neue Lohnmodell klingt zwar gut auf dem Papier, geht aber zulasten der Arbeitnehmer», so der Mitarbeiter.

Ein «Kulturschock» für Berater

Dem neuen Lohnsystem mehr abgewinnen kann Felix Schneuwly, Versicherungsexperte beim Vergleichsdienst Comparis. Es sei ein Trend in der gesamten Versicherungsbranche, sich verstärkt auf die bestehenden Kunden zu konzentrieren – und das sei gut so: «Die Versicherungen haben gemerkt, dass es ihnen wenig bringt, wenn ihre Berater auf Biegen und Brechen neue Kunden akquirieren, um möglichst viel Provisionen zu bekommen.»

Obwohl die Umstellung für viele Berater wohl ein «Kulturschock» sei, mache sie Sinn. Es bringe den Versicherungen mehr, langfristig in zufriedene und treue Kunden zu investieren. «Wer alten und neuen Kunden etwas aufdrängt, was sie eigentlich nicht wollen, verliert diese rasch wieder», so Schneuwly.

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