Griechen-Pleite: «Zurück zur Drachme? Das wäre die Hölle»
Aktualisiert

Griechen-Pleite«Zurück zur Drachme? Das wäre die Hölle»

Griechenlands Wirtschaftsaussichten sind auch 2012 schlecht. Ein Teil der Bevölkerung will daher den Euro nicht mehr. Laut der griechischen Nationalbank wäre dies allerdings verheerend.

von
Sandro Spaeth
Noch hält Griechenland am Euro fest. Verschiedene Notenbanken haben Athens Euro-Ausstieg aber längst durchgerechnet.

Noch hält Griechenland am Euro fest. Verschiedene Notenbanken haben Athens Euro-Ausstieg aber längst durchgerechnet.

Neues Jahr, neues Glück: nicht aber für Griechenland. Dort sind die Probleme dieselben geblieben. Die Wirtschaft darbt unter den massiven Sparbemühungen der Regierung, die Bevölkerung droht mit Streiks und mindestens ein Viertel der Einwohner fordert die Abkehr vom Euro.

Für den Zentralbank-Chef George Provopoulos ist dies ein Horror-Szenario: «Die Wiedereinführung der Drachme würde eine richtige Hölle bedeuten, jedenfalls in den ersten Jahren», sagte der Notenbanker gegenüber der Zeitung «Kathimerini». Provopoulos geht davon aus, dass der Lebensstandard als Folge der Abwertung der neuen Währung um bis zu 70 Prozent sinken würde.

Andere Ökonomen, wie beispielsweise Hans-Werner Sinn – Chef des Münchner Ifo-Instituts – betonen hingegen immer wieder, dass der Euro-Austritt das kleinere Übel sei. Wäre Athen nämlich den Euro los, könnte das Land seine Währung abwerten. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und Griechenlands Produkte auf dem Weltmarkt vergünstigen.

Regierung warnt vor Panik

Wenig Freude an den Äusserungen des Notenbankpräsidenten hat die griechische Regierung: «Es gibt keinen Grund, Panik zu stiften, indem man sagt, wir werden zur Drachme zurückkehren», sagte Regierungssprecher Pantelis Kapsis. Man könne den Euro-Austritt mit ernsthafter und systematischer Arbeit vermeiden.

Die Regierung in Athen räumte allerdings ein, dass das Land noch lange nicht über den Berg sei. «Die Verhandlungen mit der Troika gestalten sich schwierig, die Wirtschaft ist in einer wirklich schlechten Verfassung und Strukturreformen sind unausweichlich», so Regierungssprecher Kapsis.

Gefahr eines Banken-Runs

Noch steht die Mehrheit der Griechen hinter dem Euro: In einer Umfrage sprachen sich kürzlich mehr als drei Viertel der Bevölkerung dafür aus, dass die Regierung alles für einen Erhalt des Euro unternehmen müsse.

Das verbleibend Viertel – das die Rückkehr zur Drachme für die bessere Variante hält – lässt hingegen einen wichtigen Aspekt aussen vor. Würde Griechenland tatsächlich zur Drachme zurückkehren wollen, die Sparer aber davon Wind bekommen, wäre ein Bank-Run unvermeidlich. Die Bevölkerung dürfte die Banken stürmen und massenweise Bargeld abheben, was zumindest das griechische Bankensystem nicht überleben würde: Die Finanzinstitute wären Pleite – und der griechische bzw. der europäische Steuerzahler müsste wohl auch dafür aufkommen.

Weitere Milliardensprizten notwendig

Ohne neue Milliardenspritzen von EU und IWF fürchtet Griechenland das Aus für seine Euro-Mitgliedschaft. «Die Vereinbarung über Rettungshilfen muss unterzeichnet werden, andernfalls sind wir von den Märkten abgeschnitten und raus aus dem Euro», erklärte Regierungssprecher Kapsis am Dienstag im Fernsehen. Bislang galt ein Euro-Austritt in Athen als Tabu.

Um die Pleite abzuwenden hofft Griechenland auf Finanzhilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro. Mitte Januar reisen Vertreter aus Internationalem Währungsfonds (IWF), der EZB und der EU-Kommission nach Athen, um über weitere Einsparungen im Rahmen des europäischen Rettungspakets zu verhandeln. Zu den Auflagen der Troika gehören neben einer Steuereform auch äusserst unpopuläre Rentenkürzungen. Diese dürften aber nur schwer durchzusetzen sein.

Austritt rechtlich nicht möglich

Ein Austritt Griechenlands galt in der Euro-Zone lange als undenkbar. EZB-Chef Mario Draghi hält ihn unter den EU-Verträgen rechtlich nicht für möglich. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble betrachtet die Währungsunion gar als Schicksalsgemeinschaft. Allerdings könne die EU niemanden zwingen, dabeizubleiben, betonte Schäuble jüngst in einem Zeitungsinterview. Das zweite Hilfsprogramm für Griechenland sieht im Gegensatz zum ersten Paket im Volumen von rund 110 Mrd. Euro vor, dass sich auch private Gläubiger über einen Forderungsverzicht an der Rettung des Ägäis-Landes beteiligen. Schäuble setzt darauf, dass die entsprechenden Verhandlungen bald zum Abschluss kommen. Als Teil der Massnahmen gegen die Schuldenkrise hat Griechenland Steuersündern und Korruption den Kampf angesagt. (sda)

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