Aktualisiert 21.12.2009 13:35

Trauer um RegimekritikerZusammenstösse bei Beerdigung Montaseris

Am Rande des Trauerzugs für den verstorbenen iranischen Reformpolitiker und Grossayatollah Hussein Ali Montaseri hat es nach Angaben der Opposition heftige Auseinandersetzungen gegeben. Hunderttausende sind in die heilige Stadt Ghom geströmt.

Trotz der massiv eingeschränkten Kommunikationsmittel gelang es der Oppositon, auf ihren Websites von den Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften zu berichten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Ausländische Medien dürfen von der Veranstaltung in der Stadt Ghom nicht berichten. Zudem waren die Internetverbindungen im Land seit Sonntagabend schwer gestört. Dennoch wurden auf YouTube bereits zahlreiche Videos der Trauerkundgebung hochgeladen.

Trauerfeier als Demonstration der Stärke

«Die Menge, die an der Prozession teilnimmt, wird auf Hunderttausende geschätzt», hiess es am Montag auf der Reformer-Internetseite Jaras. «Sie skandieren Slogans zur Unterstützung Montaseris und zur Unterstützung von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi.» Unter den Teilnehmern sollen auch die Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi sein. Damit entwickelte sich der Abschied von dem hochrangigen Geistlichen offenbar zu einer Demonstration der Stärke der Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Unklar war zunächst, ob auch die ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und Mohammed Chatami in Ghom, etwa 130 Kilometer südlich von Teheran, dabei waren.

Mitglieder der regierungsnahen Miliz Ansar Hisbollah haben nach Angaben einer oppositionellen Webseite versucht, Unruhe in den Trauerzug zu bringen. Mit Megaphonen versuchten sie demnach, die Sprechchöre der Menge zu stören. Dies habe einige «Konfrontationen» ausgelöst, hiess es auf der Website ohne nähere Angaben.

Einst als Chomeini-Nachfolger vorgesehen

Montaseri galt als der geistliche Vater der Reformbewegung und Inspiration der Opposition - insbesondere nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni. Damals warnte Montaseri die Behörden vor einer gewaltsamem Unterdrückung der Proteste. Er selbst hat den iranischen Staat immer wieder öffentlich kritisiert. Den regierenden Mullahs warf er vor, im Namen des Islams eine Diktatur errichtet zu haben, und forderte tiefgreifende demokratische Reformen.

Der Geistliche sollte eigentlich dem Gründer der islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Chomeini, nachfolgen. Beide zerstritten sich jedoch wenige Monate vor Chomeinis Tod im Juni 1989. Daraufhin folgte der theologisch rangniedere Ayatollah Ali Chamenei ins Amt des geistlichen Staatsoberhaupts.

Montaseri-Anhänger versammeln sich beim Leichnam des toten Grossayatollahs. (Video: YouTube) (sda)

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