Aktualisiert 05.07.2012 17:58

Presserat zu 20 MinutenZuspitzung einer Umfrage war zulässig

Nach einer Intervention der Katholischen Kirche rügt der Presserat 20 Minuten: Eine Online-Umfrage sei missverständlich gewesen. Die Beschwerde der Kirche wies er jedoch ab.

Der Presserat rügt 20 Minuten. Die Zeitung habe in der Ausgabe vom 30. November 2011 bei einem Bericht zum Thema Abtreibung und katholische Kirche in Zürich eine missverständliche Umfrage gestartet. Hingegen war das Korrigendum vom nächsten Tag korrekt.

Inhalt des Artikels war die finanzielle Unterstützung der katholischen Landeskirche Zürich an die Beratungsstelle Appella, die auch über Abtreibungen informiert. Gemäss Artikel sorgten die Zahlungen deshalb im Bistum Chur für Kritik. Zusätzlich wies der Artikel auf eine Umfrage auf dem Onlineportal hin mit der Frage: «Was halten Sie davon, dass die Kirche Abtreibung unterstützt?»

Auf Intervention des Generalvikars der Katholischen Kirche im Kanton Zürich veröffentlichte 20 Minuten am nächsten Tag ein Korrigendum. Darin stand, dass die Frage unglücklich formuliert gewesen sei und folgendermassen hätte lauten sollen: «Was halten Sie davon, dass die katholische Landeskirche die Beratung über Abtreibung unterstützt?»

Beschwerde teilweise gutgeheissen

Für das Generalvikariat der Katholischen Kirche war das Korrigendum aber nicht ausreichend. Es wandte sich deshalb am 8. Dezember an den Presserat, der die Beschwerde nun teilweise guthiess, wie er am Donnerstag mitteilte.

Das Generalvikariat machte geltend, dass die Kirche die Beratungsstelle nur in finanziell bescheidenem Rahmen und im Zusammenhang mit anderen Projekten unterstützt habe. Zudem betreibe Appella keine «Beratung über Abtreibung», sondern sei dem Leben verpflichtet. Gemäss 20 Minuten gehört bei Appella hingegen bei einer umfassenden Beratung auf Wunsch auch die Auskunft über Abtreibung dazu.

Der Presserat könne nicht entscheiden, welche der beiden Darstellungen korrekt sei. Immerhin sei aber festzustellen, dass auf der Website appella.ch auch Informationen zu ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungsmethoden zu finden seien. Unter diesen Umständen sei die Aussage, dass die katholische Kirche die «Beratung über Abtreibung» unterstütze, eine zulässige Zuspitzung. Die Fragestellung bezeichnete der Presserat hingegen als «zumindest missverständlich interpretierbar». Darüber hinausgehend wurde die Beschwerde abgewiesen. (sda)

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