Explosion in den Philippinen: «Zustand der Gesetzeslosigkeit»

Aktualisiert

Explosion in den Philippinen«Zustand der Gesetzeslosigkeit»

Nach eigenen Angaben stecken die Extremisten von Abu Sayyaf hinter dem Bombenanschlag im Süden des Landes. Präsident Duterte hat entschiedene Massnahmen angekündigt.

von
foa

Nach einem mutmasslichen Bombenanschlag im Süden der Philippinen hat Präsident Rodrigo Duterte entschiedene Massnahmen angekündigt. Bei einem Besuch am Schauplatz in seiner Heimatstadt Davao sprach der Staatschef von einem «Zustand der Rechtlosigkeit», der die Entsendung von Truppen in urbane Zentren zur Unterstützung der Polizei nötig mache. Die Soldaten sollten unter anderem bei der Errichtung von Kontrollposten und verstärkten Patrouillen helfen. Seine Erklärung, die für die gesamte Region Mindanao gilt, komme aber nicht der Verhängung des Kriegsrechts gleich, betonte Duterte am späten Freitagabend vor Reportern.

Zuvor übernahm ein Sprecher der Extremistengruppe Abu Sayyaf die Verantwortung für Explosion in der Nähe einer von Jesuiten geführten Universität und eines Luxushotels in Davao. Duterte erklärte indes, Ermittler prüften auch eine mögliche Täterschaft von Drogenkartellen. Diese hat der Staatschef seit seinem Amtsantritt verstärkt ins Visier genommen.

«Vergeltungsmassnahme» der Islamisten

Die Bürgermeisterin von Davao, Dutertes Tochter Sara, macht die Islamistengruppe Abu Sayyaf für die Bluttat verantwortlich. Es handele sich nach Einschätzung der Regierung um eine «Vergeltungsmassnahme» der Islamisten, sagte Sara Duterte am Samstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Ähnlich äusserte sich Verteidigungsminister Delfin Lorenzana. Bei dem Anschlag auf einen Markt in der Millionenstadt Davao waren am Freitagabend nach Polizeiangaben mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt worden. Nach Angaben der Regierung explodierte auf dem Markt ein selbstgebauter Sprengsatz.

Mehr als 120 000 Tote

Duterte war mehrere Jahre selbst Bürgermeister von Davao, bevor er im Mai zum Staatschef gewählt wurde. Er übernahm das Präsidentenamt mit dem Versprechen, einen gnadenlosen Feldzug gegen Drogenhändler und andere Straftäter zu führen. Seither wurden Polizeistatistiken zufolge bereits fast 2000 Menschen getötet.

Davao ist mit rund zwei Millionen Einwohnern die grösste Stadt im Süden der Philippinen. Sie gehört zur Region Mindanao, wo Islamisten seit Jahrzehnten gegen die Regierung kämpfen. Mehr als 120 000 Menschen wurden in dem Konflikt bislang getötet.

Offensive gegen Abu Sayyaf

Das philippinische Militär befindet sich zurzeit in Alarmbereitschaft, weil in der südlichen Provinz Sulu eine Offensive gegen die Extremistengruppe Abu Sayyaf läuft. Auch Davao liegt im Süden der Philippinen.

Der Kampf gegen Abu Sayyaf hat abermals an Intensität zugenommen, seit die Extremisten in der vergangenen Woche einen entführten jungen Dorfbewohner geköpft haben. Die Gruppe drohte mit einem Angriff, nachdem nach Militärangaben 30 Aufständische im Zuge der Offensive getötet worden waren. (foa/sda)

Deine Meinung