Aktualisiert 03.06.2013 07:11

Gleichberechtigtes Militär

Zustimmung für Frauen-Dienstpflicht steigt

Als Avenir Suisse Anfang Jahr die Dienstpflicht für alle forderte, winkten viele Politiker ab. Nun zeigt eine neue Studie: Im Volk findet die Idee immer mehr Zuspruch.

von
J. Pfister
Eine Dienstpflicht für alle - das Volk findet das gerecht.

Eine Dienstpflicht für alle - das Volk findet das gerecht.

Verteidigungsminister Ueli Maurer hatte vor rund einem Jahr schon mit dem Gedanken gespielt, im Januar griff der liberale Think Thank Avenir Suisse die Idee auf und forderte, die Dienstpflicht auch auf Frauen und Ausländer auszudehnen. Damit scheint Avenir Suisse zumindest die Stimmung im Volk richtig gedeutet zu haben. Wie die am Freitag in Bern präsentierte Studie «Sicherheit 2013» der Militärakademie der ETH Zürich aufzeigt, finden alternative Dienstmodelle immer mehr Zuspruch.

So befürwortet die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer (59 Prozent) eine obligatorische Dienstpflicht für Männer und Frauen. Im Vergleich zur letzten Umfrage von 2011 ist die Unterstützung um 7 Prozent gestiegen. Deutlich über dem Schnitt billigen Personen mit einer linken politischen Einstellung (66 Prozent) wie auch in geringerem Masse die männlichen Befragten (62 Prozent) diese Forderung.

Zugenommen hat auch die Zustimmung für eine Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht auf Frauen. Die Studienautoren intepretieren die Ergebnisse dahingehend, dass das Volk zunehmend der Auffassung sei, dass alle einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten sollten.

«Die Armee ist sowieso schon zu gross»

Im Gegensatz zum Volk tut sich die Politik hingegen weiter schwer mit der Idee einer allgemeinen Dienstpflicht. Zwar haben die Kantone Genf, Basel und Aargau ihre Sympathien für die Idee bekundigt, doch nationale Politiker halten dagegen. Selbst bei der SP - der Verfechterin der Gleichstellung - hält man sich zurück. «Ich habe durchaus Verständnis für das Anliegen, doch dann würden Frauen am Arbeitsplatz und in der Kinderbetreuung fehlen», sagt Chantal Galladé, Präsident der sicherheitspolitischen Kommission.

Viel mehr Sinn würde laut Galladé deshalb das System einer freiwilligen Miliz machen, wie es auch die GSoA in ihrer Initiative für eine Abschaffung der Wehrpflicht fordere. «Dann hätten wir auch die Geschlechtergerechtigkeit wieder hergestellt.» Dieser Meinung ist auch der grüne Sicherheitspolitiker Balthasar Glättli. «Bei einer freiwilligen Dienstpflicht könnten Frauen auch selbst auswählen, ob sie ins Militär wollen oder ihren Dienst an die Gesellschaft in der Pflege oder anderen Bereichen leisten wollen.»

«Frauen haben genug Nachteile»

Allerdings zeigt die ETH-Studie auch, dass die obligatorische Dienstpflicht für Männer konstant von 70 Prozent der Bevölkerung unterstützt wird. FDP-Nationalrat Daniel Stolz sieht sich in seiner Haltung gegen die Abschaffung der Wehrpflicht bestätigt. «Ich bin kein Armeefreund aber eine Milizarmee garantiert eine gute Durchmischung, was ich als besonders wichtig empfinde», sagt Stolz. Er habe überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen Militärdienst leisten wollten, doch eine Pflicht geht ihm zu weit. «Frauen haben schon genug mit anderen Nachteilen zu kämpfen, da wäre das Argument der Gerechtigkeit völlig verfehlt.»

Hooligans härter anpacken

Eine grosse Mehrheit unterstützt auch die Kontrolle des Ausländeranteils und den Einsatz der Armee zur Sicherung von Ruhe und Ordnung.

In der Umfrage der ETH Zürich sprachen sich 85 Prozent dafür aus, gewaltbereite Besucher von Sportveranstaltungen härter anzupacken. Gegenüber dem Vorjahr sank die nach wie vor hohe Zustimmung allerdings um 4 Prozent.

Tibor Szvircsev Tresch, Mitherausgeber der Studie «Sicherheit 2013», sieht einen möglichen Grund dafür in der aktuellen Debatte über das Hooligan-Konkordat, die manche Stimmberechtigten in der Meinungsbildung sensibilisiert habe.sda

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