Reaktion auf Umfrageresultate: «Zuwanderung bewegt – noch ist alles möglich»
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Reaktion auf Umfrageresultate«Zuwanderung bewegt – noch ist alles möglich»

Obwohl die Umfragen auf eine klare Niederlage von Ecopop hindeuten, sind die Reaktionen beider Lager verhalten. Niemand schliesst aus, dass die Stimmung im Volk noch kippt.

von
J. Büchi
Hunderte Menschen demonstrieren am 1. November gegen die Ecopop-Initiative. Die Zuwanderungsthematik bewegt beide Lager.

Hunderte Menschen demonstrieren am 1. November gegen die Ecopop-Initiative. Die Zuwanderungsthematik bewegt beide Lager.

Eigentlich scheint der Fall klar zu sein: Gemäss einer gewichteten Umfrage von 20 Minuten wollen nur 36 Prozent die Ecopop-Initiative annehmen, das Forschungsinstitut Gfs Bern kommt auf 39 Prozent Zustimmung. Man könnte meinen, die Gegner würden aufatmen – die Befürworter seien ernüchtert. Gespräche mit Vertretern beider Lager zeigen aber: Nichts dergleichen ist der Fall. Grund dafür ist der 9. Februar, an dem die Masseneinwanderungsinitiative trotz anderslautender Umfrageergebnisse angenommen worden war.

Vor diesem Hintergrund sei es schwierig, sich vorbehaltlos über die Umfrageresultate zu freuen, sagt Oliver Steimann, Kampagnenleiter beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der die Initiative vehement bekämpft. «Wenn man merkt, wie stark die Zuwanderung viele Menschen bewegt, ist noch nichts entschieden.» Zuversichtlich stimme ihn, dass die Initiative diesmal von einer extrem breiten Allianz bekämpft werde: «Nicht nur alle Parteien, sondern auch fast alle Organisationen der Zivilgesellschaft bekämpfen das radikale Anliegen.» Es sei den Initiativgegnern gelungen, die breite Allianz sichtbar zu machen. «Ich glaube, das hat bereits eine gewisse Wirkung entfaltet.»

«Irreführende Kampagne der Gegner»

Das glaubt auch Ecopop-Mitinitiant Benno Büeler. «Angesichts einer unglaublich heftigen und bewusst irreführenden Kampagne seitens der Gegner ist es beeindruckend, dass es so viele mutige und langfristig denkende Leute gibt.» Und auch er hat den 9. Februar im Kopf, wenn er sagt: «Es ist noch alles möglich – wir glauben an einen Sieg an der Urne!» Das Initiativkomitee fordere alle Leute dazu auf, sich die Argumente von Ecopop anzuschauen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und an die Urne zu gehen. «Eines ist sicher: Hätten wir die gleichen Mittel wie die Gegner, um unsere Argumente unters Volk zu bringen, würden wir an der Urne problemlos eine Mehrheit gewinnen.»

Economiesuisse-Kampagnenleiter Steimann widerspricht: «Wir setzen ein viel kleineres Kampagnenbudget ein als vor dem 9. Februar. Dass wir derzeit so sichtbar sind, hängt mit der enormen Breite der Gegnerschaft zusammen.» In den letzten zehn Tagen bis zur Abstimmung wollen die Gegner der Initiative denn auch nochmals Gas geben: «Mit Strassenaktionen, Aktivitäten von Jugendorganisationen und einem Openair in Aarau werden wir versuchen, noch einmal alle Zielgruppen von der Schädlichkeit dieser Initiative zu überzeugen.»

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