Aktualisiert 23.06.2015 18:19

PersonenfreizügigkeitZuwanderung erzeugt Druck in Randregionen

73'000 Ausländerinnen und Ausländer sind letztes Jahr in die Schweiz eingewandert. Eine Studie ortet nur für einzelne Regionen und Berufe Gefahren.

Seit der Frankenaufwertung ist die Arbeit in der Schweiz noch attraktiver geworden: Grenzwächter am Grenzübergang St. Gingolph VS. (9. April 2015)

Seit der Frankenaufwertung ist die Arbeit in der Schweiz noch attraktiver geworden: Grenzwächter am Grenzübergang St. Gingolph VS. (9. April 2015)

Innerhalb eines Jahres zählte die Schweiz 73'000 Ausländer mehr. 50'600 davon kamen aus EU-/Efta-Ländern. Die Zuwanderung hatte jedoch kaum negative Auswirkungen auf Löhne, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Zu diesem Schluss kommt das Observatorium zum Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU in einem Bericht, der heute veröffentlicht worden ist. Die Zuwanderung im Rahmen der Personenfreizügigkeit habe das Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum hierzulande genährt, heisst es.

Die meisten Zuwanderer kommen zum Arbeiten in die Schweiz. Bei den EU-/Efta-Bürgern macht der Anteil rund 60 Prozent aus. Das Gesundheits- und Sozialwesen sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen zogen besonders viele Arbeitskräfte an. In beiden Bereichen hätten auch Schweizerinnen und Schweizer ihre Erwerbstätigkeit ausbauen können, heisst es im Bericht.

Der Anteil von Personen aus Portugal, Italien und Spanien stieg wegen der ungleichen Wirtschaftsentwicklung in Europa in den letzten Jahren markant an. Auch die Zuwanderung aus den zehn osteuropäischen Staaten nahm aufgrund der schrittweisen Öffnung des Arbeitsmarkts zu. Die Zahl der Deutschen, die in der Schweiz arbeiten, stieg hingegen nur um 6800 Personen – gegenüber 29'000 im Jahr 2008.

Mehr als die Hälfte mit Uni-Abschluss

Gemäss dem Bericht hat sich die Qualifikationsstruktur der zugewanderten Arbeitskräfte aber kaum verändert: Nach wie vor haben mehr als die Hälfte der Zuwanderer aus EU-/Efta-Ländern einen Universitätsabschluss oder eine andere tertiäre Ausbildung. Auch stieg die Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftskrise kaum an. Nur Norwegen hat im EU-/Efta-Raum eine noch tiefere Erwerbslosenquote.

Trotz dieser an sich günstigen Entwicklung bleibt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wachsam: Die nach wie vor starke Zuwanderung und die eingetrübten Konjunkturaussichten machten die fortlaufende Beobachtung der Arbeitsmarktentwicklung nötig, heisst es in einer Mitteilung. Sehr hohe Priorität habe auch die Kontrolle und Durchsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Rahmen der Flankierenden Massnahmen.

Ein besonderes Augenmerk legt das Seco dabei auf die Grenzregionen in der Romandie und im Tessin. Trotz der insgesamt erfreulichen Arbeitsmarktentwicklung könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Konkurrenz für die Ansässigen in einzelnen Regionen und Arbeitsmarktsegmenten stärker geworden sei.

Die Aufwertung des Frankens hat den Schweizer Arbeitsmarkt für Zuwanderer und Grenzgänger noch attraktiver gemacht. Im Tessin seien heute mehr als ein Viertel, in Basel-Stadt und Genf je knapp ein Fünftel aller Erwerbstätigen Grenzgänger, schreibt das Seco. Das könnte sich auch auf die Löhne und die Erwerbslosenquote ausgewirkt haben.

(SDA)

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