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StudieZwangsprogramme für Arbeitslose taugen wenig

Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose sind laut einer vom Nationalfonds unterstützten Studie oft wenig wirksam und im Fall von jungen Erwachsenen sogar kontraproduktiv, da diese dabei oft mit Randständigen in Kontakt kommen.

Programme zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB) sollen die Teilnehmenden ermächtigen, wieder im Erwerbsleben Fuss fassen zu können. Ihr Zwangscharakter bewirke aber oft das Gegenteil, heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Studie. Die Forschenden der Fachhochschule St. Gallen empfehlen unter anderem, den Disziplinierungsansatz solcher Programme zu überdenken.

Motivation wird untergraben

Das Team des Soziologen Peter Schallberger nahm 15 Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose der Kantone Thurgau und St. Gallen unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass der Zwangscharakter der Programme oft kontraproduktive Wirkung hatte. Die Teilnehmenden erlebten die Zuweisung als staatliches Aufgebot. Dabei würden ihre Autonomie, ihre Selbstachtung und ihre Motivation untergraben. Umso wichtiger sei es, dass die Verantwortlichen der Programme eine Vertrauensbasis herstellen könnten.

Provokation von Protesten

Als wenig geeignet werden die Beschäftigungsprogramme für junge Erwachsene bezeichnet. Wenn diese in den Programmen auf sozial Randständige stiessen, wirke das zusätzlich demoralisierend. Komme noch der Disziplinierungsansatz hinzu, wirke sich das besonders verheerend aus. Proteste und Subversion würden provoziert. Und für manchen Jugendlichen bedeute dies den Anfang einer so genannten Ämterkarriere. Die Studie rät deshalb zum Ausbau von spezifischen Arbeitsintegrationsmassnahmen für junge Arbeitslose.

Als fragwürdig wird zudem die Auflage bezeichnet, dass Beschäftigungsprogramme privatwirtschaftliche Unternehmen nicht konkurrenzieren dürfen. Denn so fehle es für viele Betroffene am Sinn ihrer Tätigkeit. Die vom Nationalfonds und vom Kanton Thurgau unterstützte Studie stellte zudem fest, dass Arbeitslose offensichtlich in falsche Programme geschickt worden seien. Deshalb sollte auf die diagnostischen Fähigkeiten der zuständigen Mitarbeitenden der Sozialämter und der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) geachtet werden. (sda)

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