Deutschland: Zwangsweihnachten wegen der Krise
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DeutschlandZwangsweihnachten wegen der Krise

Die Rezession schlägt auf immer mehr deutsche Industrieunternehmen durch. Volkswagen, Porsche und die ThyssenKrupp-Sparte Edelstahl kündigten Produktionsstopps und längere Werksferien an oder erwägen diese.

Deutschlands grösster Stahlproduzent ThyssenKrupp plant wegen des Nachfrageeinbruchs bei Edelstahl Werksferien von vier Wochen. Der lange Zeit von der Autokrise unberührte Volkswagen-Konzern erwägt eine deutlich längere Produktionspause zu Weihnachten. Und die Sportwagenschmiede Porsche drosselt die Produktion stoppt für sieben Tage die Bände und nimmt die Absatzprognose zurück.

Ein Sprecher von ThyssenKrupp-Stainless sagte am Dienstag, in den Nirosta-Werken Düsseldorf Benrath, Bochum und Krefeld, stünden die Bänder zwei Wochen länger als sonst still. Auf Gehalt müssten die Mitarbeiter wegen der Werksferien von 15. Dezember bis 11. Januar aber nicht verzichten. Der Produktionsstopp werde mit Resturlaub und Überstunden verrechnet, sagte der Sprecher. In der Vergangenheit hatte ThyssenKrupp bereits angekündigt, die Produktion von Flachprodukten zu drosseln.

Bei Volkswagen ist nach Angaben eines Sprechers eine Pause vom 18. Dezember bis zum 11. Januar im Hauptwerk Wolfsburg im Gespräch. Bisher waren nur wenige Tage Arbeitsruhe um Weihnachten geplant. Falls es zu einem Stopp der Bänder in Wolfsburg kommt, müssten aller Voraussicht nach auch die Zulieferwerke, etwa in Kassel oder Salzgitter, nachziehen.

Porsche stoppte wegen der weltweiten Absatzschwäche im Stammwerk Zuffenhausen erstmals am vergangenen Freitag die Bänder. Bis Ende Januar 2009 werde es darüber hinaus sieben weitere Ausfalltage geben. Porsche geht zudem nicht mehr davon aus, den hohen Gesamtabsatz des Vorjahres (98.652 Fahrzeuge) im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 zu erreichen.

Vier Wochen Weihnachtspause an 14 Standorten

Wegen der Krise in der Automobilindustrie haben bereits viele Autobauer und Zulieferer ihre Schichten heruntergefahren und die Werksferien verlängert. Der Autokonzern Daimler schickt die rund 150.000 Beschäftigten in Deutschland an den 14 Standorten in eine bis zu vierwöchige Weihnachtspause. BMW will in mehreren Werken Produktionspausen einlegen.

Auch Verwaltungsmitarbeiter und Ingenieure sollen in diesem Jahr eine weitgehende dreiwöchige Weihnachtspause einlegen. Sprecher Marc Hassinger bestätigte einen Bericht der Online-Ausgabe von «Focus», dass auch ihnen nahegelegt worden sei, nach Möglichkeit vom 15. Dezember bis zum 6. Januar frei zu nehmen. Allerdings gelte das nicht für alle Mitarbeiter. So würden wichtige Projekte weiter verfolgt. Audi will seine Weihnachtsferien früheren Angaben zufolge ebenfalls ausdehnen. Geplant sind Produktionskürzungen an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm.

Continental will das Arbeitsvolumen der weltweit 146.500 Mitarbeiter reduzieren. Vor allem in den drei Nicht-Reifen-Sparten will der Zulieferer am Jahreswechsel die Werksferien ausweiten. Der angeschlagene Autobauer Opel erwägt sogar die Einführung einer 30-Stunden-Woche. (dapd)

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