Aktualisiert 05.03.2015 15:06

Unternehmen

Zwei Berner werden zu Scheidungsmanagern

Verliert man bei der Trennung den Überblick, helfen zwei Berner weiter. Sie sind die ersten Schweizer Scheidungsmanager.

von
Mira Weingartner
Lilly Toriola und Sebastian Rufer sind die ersten Scheidungsmanager der Schweiz.

Lilly Toriola und Sebastian Rufer sind die ersten Scheidungsmanager der Schweiz.

Bei der Geburt wendet man sich an eine Hebamme, im Falle einer Hochzeit bieten Weddingplaner ihre Dienste an, bei einem Todesfall kreuzt der Bestatter auf. Wer aber hilft, wenn sich Paare scheiden oder trennen lassen wollen?

Die zwei 32-jährigen Berner Lilly Toriola und Sebastian Rufer stehen Getrennten seit dieser Woche in solchen Fällen zur Seite, versuchen dabei den gescheiterten Paaren den Herzschmerz zu nehmen und übernehmen gleichzeitig den Bürokratie-Krieg: Die Medienwissenschaftlerin und der Betriebswirt haben die erste Scheidungsagentur der Schweiz eröffnet.

«Scheidung ist eine Extremsituation»

Dass eine Nachfrage für eine solche Dienstleistung besteht, hat Toriola vor vier Jahren gemerkt, als sich eine enge Freundin scheiden liess. So erzählt die heutige Scheidungsmanagerin gegenüber dem «Thuner Tagblatt»: «Obwohl meine Freundin eine selbstbewusste Frau ist, die mit beiden Beinen im Leben steht, wurde ihr der ganze bürokratische und juristische Kram zu viel.»

Das Ende einer Ehe hätte Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, auch sei es eine emotionale Extremsituation: «Eine neue Wohnung muss gefunden werden, Unterlagen werden verlangt und neue Versicherungen müssen abgeschlossen werden – dies alles unter Zeitdruck.» Hierfür stellt die Agentur ihren Kunden psychologische und juristische Hilfe zur Verfügung. Für die Koordination und die administrativen Angelegenheiten sind die beiden Firmengründer zuständig.

Die Kunden können aus verschiedenen Angeboten auswählen: So gibt es bereits für 29 Franken ein Infopaket – eine juristische Anleitung zum Ausdrucken. Die betreute Scheidung gibt es ab 1500 Franken. Möchte man für die Auflösung der Ehe gar keinen Finger krümmen, stehen die Scheidungsmanager im Stundenlohn zur Verfügung: «Wir übernehmen die Wohnungssuche, organisieren Zügelmänner und richten die neue Bleibe mit Möbeln ein. Rechtsexperten kümmern sich daneben um die juristischen Angelegenheiten, eine Psychologin sorgt fürs Wohlergehen», so Toriola. Einen Scheidungs-Crash-Kurs offerieren die beiden Manager gar kostenlos.

Das meint der Paartherapeut

«Menschen in einer solchen Situation haben ein grosses Bedürfnis nach Informationen, oft stehen sie unter einem gewissen Schock», sagt der Berner Paartherapeut Patrick Brayenovitch. So sei eine solche Institution durchaus sinnvoll und in einer Zeit, in der der ganze Scheidungsbereich zum Business werde, sicherlich berechtigt. «Eine Scheidung auf diese Weise erledigen zu lassen, hinterlässt für mich als Paartherapeut trotzdem einen faden Nachgeschmack.»

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