20.06.2020 19:06

«Bestes Beispiel aus der realen Welt»

Zwei Coiffeure stecken trotz Corona-Infektion weder Kunden noch Kollegen an

Masken bringen nichts? Ein Vorfall aus den USA deutet darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Mit dem Schrecken davongekommen dürften 140 Kunden des Great-Clips-Coiffeursalons sein: Sie waren von einem der beiden mit dem Coronavirus infizierten Hairstylisten frisiert worden.

Mit dem Schrecken davongekommen dürften 140 Kunden des Great-Clips-Coiffeursalons sein: Sie waren von einem der beiden mit dem Coronavirus infizierten Hairstylisten frisiert worden.

Screenshot: Google Maps
Dass es trotz des teilweise geringen Abstands nicht zu einer Übertragung des Virus kam, ist laut den lokalen Behörden den vom Salon getroffenen Massnahmen zu verdanken. So gilt dort unter anderem Maskenpflicht.

Dass es trotz des teilweise geringen Abstands nicht zu einer Übertragung des Virus kam, ist laut den lokalen Behörden den vom Salon getroffenen Massnahmen zu verdanken. So gilt dort unter anderem Maskenpflicht.

Getty Images
Es wird angenommen, dass die beiden infizierten Mitarbeiter ihre Symptome nicht als solche erkannt haben, die auf Covid-19 hinweisen. Das kann immer wieder passieren, schliesslich sind die Anzeichen für die Krankheit vielfältig und nicht immer eindeutig, wie die folgenden Bilder zeigen.

Es wird angenommen, dass die beiden infizierten Mitarbeiter ihre Symptome nicht als solche erkannt haben, die auf Covid-19 hinweisen. Das kann immer wieder passieren, schliesslich sind die Anzeichen für die Krankheit vielfältig und nicht immer eindeutig, wie die folgenden Bilder zeigen.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In den USA haben zwei an Covid-19 erkrankte Hairstylisten 140 Personen frisiert.
  • Das hätte zu einem grossen Ausbruch führen können, tat es aber nicht.
  • Grund waren die vom Coiffeursalon getroffenen Massnahmen.

Weltweit haben sich – Stand 18. Juni 2020 – 8’383’277 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Zumindest offiziell. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Denn nicht wenige Infektionen verlaufen vollkommen asymptomatisch. Laut der Heinsberg-Studie (siehe Box) trifft das auf mehr als jede fünfte Infektion zu (22,2 Prozent). Weil sie nichts von ihrer Erkrankung wissen, sind sie es, die die Pandemie am stärksten vorantreiben.

Die Heinsberg-Studie

Es ist die erste Untersuchung ihrer Art: Mit der Heinsberg-Studie wurde erstmals ein Ausbruch in einem Coronavirus-Hotspot detailliert untersucht. Die Daten von rund 1000 Personen sind in die Studie mit eingeflossen. Sie liefert Einblicke in die Dunkelziffer, die Gefährlichkeit des Virus und das Ansteckungsrisiko in Haushalten. Eine Erkenntnis war etwa, dass Personen, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind, unter einem mehrtägigen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns leiden.

Zwei Coiffeure aus Springfield im US-Bundesstaat Missouri bemerkten zwar, dass sie nicht ganz fit waren, identifizierten ihre Symptome aber offenbar nicht als solche, die auf Covid-19 hinweisen. Entsprechend begaben sie sich auch nicht in Quarantäne, sondern gingen laut Livescience.com weiter ihrer Arbeit im Salon nach.

Der Ausbruch, der ausblieb

Bevor die beiden nach acht Tagen von ihrer Infektion erfuhren, frisierten sie gesamthaft 140 Kunden im Salon. Ein Hairstylist hatte zu diesem Zeitpunkt 56 Personen betreut, der andere 84, berichtete Cnn.com. Zudem waren noch sieben weitere Kollegen vor Ort. Alles potenzielle Kandidaten für Neuinfektionen.

Doch nichts passierte, wie es in einer Mitteilung der lokalen Gesundheitsbehörde heisst. Kein einziger Corona-Fall sei mit den Hairstylisten in Verbindung gebracht worden (siehe Box). Dass der Ausbruch ausblieb, sei ohne Zweifel auf die verschiedenen Sicherheitsmassnahmen des Salons zurückzuführen.

Damit sich die Kunden nicht gegenseitig anstecken können, werden dort etwa die Termine gestaffelt vergeben. Zudem haben die Mitarbeiter die Friseurstühle auseinandergerückt. Auch sie selbst halten Abstand zu den Kunden, soweit dies möglich ist, rund zwei Meter, wenn sie nicht gerade schneiden oder färben. Zudem müssen alle Personen im Salon Masken tragen.

Tests, Quarantäne und eine Einschränkung

Nachdem die beiden Coiffeure von ihrer Erkrankung erfahren hatten, wurden alle Kontaktpersonen für die Dauer der Inkubationszeit in Quarantäne geschickt. Etwa ein Drittel von ihnen (46) wurde auf Sars-CoV-2 getestet, wobei bei allen der Test negativ ausfiel. Die anderen potenziell Infizierten erhielten zweimal täglich einen Anruf von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes. Auch bei ihnen stellten sich bis zum Ablauf der Frist keine Symptome ein.

Die Gesundheitsbehörde von Springfield räumt ein, dass man nicht ausschliessen könne, dass einige der nicht getesteten Coiffeurbesucher asymptomatisch erkrankt seinen. Dennoch sei das Ergebnis ermutigend und zeige, wie gut Schutzmassnahmen wirkten. «Das sind aufregende Neuigkeiten über die Wichtigkeit von Masken zur Verhinderung von Covid-19», zitiert Cnn.com Clay Goddard, der Direktor der Behörde. Man wolle nun noch die weiteren Einzelheiten untersuchen, einschliesslich der Frage, welche Arten von Masken getragen worden seien.

«Eines der deutlichsten Beispiele aus der realen Welt»

Die «Washington Post» bezeichnet den Fall als «eines der deutlichsten Beispiele aus der realen Welt dafür, dass Masken die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aufhalten können». Und das selbst auf kurze Distanz (siehe Box).

Wie wichtig Masken in dieser Pandemie sind, ist nicht der einzige Erkenntnisgewinn, der aus diesem Fall gezogen werden kann, hält Cnn.com fest: Die Vorkommnisse aus Springfield machten auch deutlich, wie wichtig Contact-Tracing und Isolierung nach der Exposition sind, um die Weiterverbreitung des Virus zu stoppen.

Kombination von Massnahmen

Für eine Kombination von Massnahmen – wenn auch anderer Art – sprechen sich auch Forscher um Holger J. Schünemann von der kanadischen McMaster University aus. Das Team hatte für seine im Fachjournal «The Lancet» publizierten Studie 172 bereits existierende Arbeiten ausgewertet.

Ergebnis: Abstandhalten senkt das Infektions- und Übertragungsrisiko von 12,8 Prozent auf 2,6 Prozent, das Tragen einer Maske reduziert es von 17,4 Prozent auf 3,1 Prozent und das Aufsetzen eines Faceshields von 16 Prozent auf 5,5 Prozent. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Sicherheit der Beweise für die beiden letztgenannten zwar gering sei, allerdings dürfte die Kombination der Massnahmen «der beste Weg sein, um die Wahrscheinlichkeit einer Virusinfektion oder Übertragung von Sars-CoV-2 zu verringern». Auch das bestätigt der Fall aus dem Coiffeursalon.

Stoff aus der Schweiz zerstört Coronaviren

Ein Maskenstoff, der Viren nicht nur abhält, sondern auch unschädlich macht? Das gibt es, wie Forscher der Freien Universität Berlin und der RWTH Aachen in einer von der EU geförderten Studie nachgewiesen haben: Masken der Schweizer Firma Livinguard reduzieren demnach bis zu 99,9 Prozent der ausgeatmeten Sars-CoV-2-Partikel. Dafür wird der Stoff mit einer starken positiven Ladung versehen. Wenn Bakterien und Viren mit diesem in Kontakt kommen, wird die negativ geladene Zelle zerstört und der Erreger vernichtet. «Im Gegensatz zu alternativen Lösungen auf Metallbasis wie Silber, Zink oder Kupfer hat sich unsere Technologie als sicher für Haut und Lunge erwiesen», erklärt Linvinguard-Geschäftsführer Saanjev Swamy in einer Mitteilung.

Weiterer Vorteil laut Studie: Die Maske kann bis zu 200-mal wiederverwendet werden, ohne dass die Wirksamkeit beeinträchtigt wird. Keine Selbstverständlichkeit bei Textil-Masken.

Die selbst desinfizierende Technologie kann auf alle Textilien und an einer Vielzahl von Oberflächen angewendet werden. Damit «können beispielsweise Fluggesellschaften ihre Sitze und Klapptische behandeln und so sicherstellen, dass Viren und Bakterien kontinuierlich abgetötet und an der Ausbreitung gehindert werden», so Swamy.

Die Maske unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Produkten.

Die Maske unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Produkten.

Livinguard

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199 Kommentare
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LearningPal

21.06.2020, 14:13

Das beweist nicht die Wirksamkeit von Masken. Natürlich schützen Masken. Die beiden hatten angeblich keine klaren Corona Symptome, heisst sie husteten verm. auch nicht (oft). Ich bin ganz sicher Husten ist am gefährlichsten. Hat einer den anderen angesteckt? Da sie keine typischen Symptome hatten, warum wurde getestet?

Mirco

21.06.2020, 12:48

Eben jetzt wird man animiert Masken zu benutzen, unsere Bundesräte benutzen die aber nicht?Natürlich eine Ablenkung, damit keiner erkennt das die meisten in der Schweiz kaum mehr sich schützten! Ferien werden geplant, sowie Party Stimmung in der Schweiz! Doch eigentlich ist die Gefahr gar nicht gebannt! Scheiss drauf Mentalität Dies müsste Diskussionswürdig sein !

John Doe

21.06.2020, 11:38

Wir können uns einsperren, Masken tragen, Abstand halten soviel wir möchten. Das ändert nichts an der Tatsache, dass eine amerikanische Firma vor 3 jahren eine Prognose für 2025 gemacht hat, wo die Bevölkerung der Schweiz nur noch bei 4.5 Mio sein wird. Vor drei Jahren musste ich noch lachen, die nächsten 5 Jahre werden es zeigen. Vielleicht ist unser Schicksal schon besiegelt. Ja ja Verschwörungstheorie bla bla. Mehr könnt ihr nicht dazu sagen. Stay save and alife