Aktualisiert 08.12.2008 16:55

BildungZwei Drittel brauchen Nachhilfe

Der Druck in den Schweizer Schulstuben nimmt zu. Da gehen viele Schweizer Eltern auf Nummer sicher und zücken das Portmonee: 63 Prozent der Schüler nehmen Nachhilfestunden. Brisant: Es kommen hauptsächlich die Sprösslinge der einkommensstarken Schichten in den Genuss von Nachhilfestunden

Pisa-Tests und Notenstress führen zu einem Boom der privaten Nachhilfe. Das berichtet heute die Zeitung «Sonntag». Vor allem einkommensstarke Eltern schicken ihren Nachwuchs in dem Privatunterricht. Das zeigt die landesweit erste Studie zum Thema Nachhilfe, die der Zeitung «Sonntag» vorliegt. Daraus geht hervor: Zwei von drei Schüler drücken nach Unterrichtsschluss die Schulbank. 63 Prozent der Eltern greifen ins Portemonnaie, um ihre Kinder fit zu trimmen.

Käufliche Bildung

Bei jenen, die ohne Noten-Doping auskommen müssen, gibt es überdurchschnittlich viele Kinder aus Familien mit einem Einkommen von weniger als 5000 Franken pro Monat. Zu diesem Resultat kommt die Forschungsstelle für Bildungsökonomie der Universität Bern aufgrund einer repräsentativen Befragung von über 2000 Schweizerinnen und Schweizer. Experten sind alarmiert: «Das Einkommen entscheidet, ob ein Kind Nachhilfe bekommt oder nicht», sagt Studienautor Stefan Wolter: «Ein Teil der Bildung ist käuflich.»

Bei der Studie wurden ausschliesslich Schweizer Eltern befragt. Stefan Wolter ist überzeugt, dass unter Einbezug der Ausländerkinder die Chancenungleichheit noch krasser ausfallen würde. Immerhin: die Studie zeigt, dass die Schulbildung der Eltern keinen Einfluss darauf hat, ob der Nachwuchs zusätzlichen Förderunterricht braucht oder nicht.

Mit der Chancengleichheit ist es vorbei

Vor allem beim Übertritt ans Gymnasium boomt die Nachhilfe. Am Realgymnasium Rämibühl in Zürich bereiten sich inzwischen zwei Drittel aller Primarschüler mit privaten Kursen auf die Aufnahmeprüfung vor. 20 Prozent nehmen während der Probezeit Nachhilfe. Prorektor Balz Bürgisser: «Die Chancengleichheit ist nicht mehr gewährleistet.»

Quelle: «Sonntag»

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