Lohnrunde 2013: Zwei Drittel der Angestellten unzufrieden

Aktualisiert

Lohnrunde 2013Zwei Drittel der Angestellten unzufrieden

Die Lohnrunde 2013 kommt in die heisse Phase: Mehr als die Hälfte der Angestellten ist unzufrieden mit dem Gehalt und wird versuchen, für 2013 mehr Geld zu fordern.

von
Elisabeth Rizzi
Mehr als die Hälfte der Angestellten will beim Chef anklopfen und für 2013 mehr Lohn fordern.

Mehr als die Hälfte der Angestellten will beim Chef anklopfen und für 2013 mehr Lohn fordern.

In den nächsten Monaten müssen sich die Arbeitgeber warm anziehen. Denn Herbst ist die alljährliche Zeit der Lohngespräche. Trotz eingetrübter Wirtschaftsaussichten, werden die Chefs heuer nicht geschont.

Laut einer von 20 Minuten bei Marketagent in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage sind 62 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz unzufrieden mit ihrem Lohn. Sie finden, dass sie zu wenig verdienen für das, was sie an ihrem Arbeitsplatz leisten.

Die Hälfte hat verglichen

Diese Aussage ist kein unqualifizierter Stammtisch-Frust. Die Befragten wissen sehr genau, wie viel sie verdienen könnten. 51 Prozent von ihnen haben im letzten Jahr ihr eigenes Salär mit den Löhnen derselben Branche, Funktionsstufe und gleicher Qualifikation verglichen etwa auf dem Lohnrechner des Bundes.

Entsprechend vehement werden sie heuer in den Lohngesprächen auftreten. 58 Prozent der Befragten geben an, eher (38 Prozent) bzw. auf jeden Fall (21 Prozent) für 2013 aktiv mehr Lohn zu fordern.

Absicherung-Massnahme

Für Matthias Mölleney, Leiter des Center for Human Resources Management & Leadership an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) ist das nicht erstaunlich: «Gerade in wirtschaftlich schwierigen oder unsicheren Zeiten bekommt der Lohn eine höhere Bedeutung», sagt er. Das gelte vor allem im Sinn einer Absicherung gegen drohende Einschnitte.

Dafür spreche auch die aktive Beschäftigung mit Vergleichslöhnen. «Es geht vielen Angestellten dabei auch um eine berufliche Standortbestimmung und darum abzuschätzen, wie gut ihre Chancen sind, bei allfälligen Problemen der Arbeitgeber wechseln zu können», so Mölleney.

«Grosser Unzufriedenmacher»

Für Norbert Thom, emeritierten Personalprofessor der Uni Bern, ist die Vergleicherei ein Warnschuss für die Arbeitgeber. Fast jeder, der sich mit anderen vergleiche, habe das Gefühl, der eigene Lohn sollte höher sein. «Wenn der Lohn aber nicht stimmt, ist das ein grosser Unzufriedenmacher», sagt er. Könne ein Betrieb keine Lohnerhöhung zahlen, sollten deshalb andere Anreize gesucht werden, um die Unzufriedenheit zu kompensieren, zumal Lohn allein selten die Bschäftigten zufrieden mache.

Thom nennt als Alternative etwa ein gutes Betriebsklima mit anständigem Verhalten von Vorgesetzten und Kollegen, Weiterbildungsmöglichkeiten, günstige Arbeitszeitregelungen oder auch General-Abo, Rabatte, Handykosten-Übernahme etc.

Solche Anreize können auch die Motivation jener steigern, die nicht für mehr Lohn kämpfen werden. Nannten doch die Unzufriedenen als zweitwichtigstes Argument (nach keine Begründung gefunden) die schlechte wirtschaftliche Situation ihrer Arbeitsstelle als Grund für einen Verzicht auf höhere Lohnforderungen.

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