Umfrage - Zwei Drittel wollen die «Ehe für alle»
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UmfrageZwei Drittel wollen die «Ehe für alle»

Die neue 20-Minuten-Abstimmungsumfrage zeigt: Ausser bei der SVP geniesst die «Ehe für alle» viel Zuspruch. Zurzeit sagen 66 Prozent Ja.

von
Pascal Michel
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Das Parlament wollte die gesetzliche Grundlage für die «Ehe für alle» schaffen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen.

Das Parlament wollte die gesetzliche Grundlage für die «Ehe für alle» schaffen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen.

Operation Libero
Deshalb kommt die Vorlage am 26. September an die Urne.

Deshalb kommt die Vorlage am 26. September an die Urne.

Die 20-Minuten-Umfrage zeigt, dass die «Ehe für alle» bei den Stimmberechtigten auf viel Zuspruch stösst.

Die 20-Minuten-Umfrage zeigt, dass die «Ehe für alle» bei den Stimmberechtigten auf viel Zuspruch stösst.

20min/ Astrid Winiker

Darum gehts

  • «Ehe für alle» auf der Zielgeraden, schwerer Stand für die Juso-Initiative: Das sind die Ergebnisse der neuen 20-Minuten- /Tamedia-Abstimmungsumfrage.

Die «Ehe für alle» biegt auf der Zielgeraden ein: Nachdem gegen das Gesetzesprojekt des Parlaments rechtskonservative Kreise das Referendum ergriffen, haben die Stimmberechtigten am 26. September das letzte Wort.

Nun zeigt die 20-Minuten-Abstimmungsumfrage breite Zustimmung zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Ausserdem erhielten verheiratete Frauenpaare Zugang zur gesetzlich geregelten Samenspende.

Laut der Umfrage geben vier Wochen vor der Abstimmung 66 Prozent der Stimmberechtigten an, ein Ja oder eher Ja in die Urne zu legen. 33 Prozent sind dagegen. Die Meinungen scheinen gemacht: Nur noch ein Prozent der Befragten sind noch unentschlossen.

73 Prozent der Frauen sagen Ja

Besonders bei Frauen geniesst die «Ehe für alle» viele Sympathien: 73 Prozent der weiblichen Stimmberechtigten wollen Ja oder eher Ja stimmen. Bei den Männern sind es 58 Prozent. Ein Graben tut sich auch zwischen den Generationen auf: Bei den 18- bis 34-Jährigen unterstützen 76 Prozent die «Ehe für alle», mit steigendem Alter nimmt die Zustimmung ab.

Maria von Känel, Co-Präsidentin des Ja-Komitees, führt dies darauf zurück, dass sich jüngere Menschen und Frauen generell mehr gegen Diskriminierung und für Menschenrechte einsetzen. Andererseits spiele die Samenspende für lesbische Paare, die bei einem Ja ebenfalls möglich wird, eine Rolle bei der Mobilisierung der Frauen.

Von Känel hofft nicht nur auf ein Ja am 26. September, sondern erwartet ein «starkes Signal»: «Ein grosser Ja-Anteil würde die soziale Akzeptanz der LGBTIQ-Bewegung, die Institution Ehe und das Wohlbefinden aller stärken.» Sie ist überzeugt: «Die Zeit ist reif». Dies spüre sie bei Auftritten in bürgerlichen Kreisen. Die 20-Minuten-Umfrage zeigt hier: Nur bei Wählerinnen und Wählern der SVP fällt die Vorlage durch. Bei der Mitte-Partei etwa sagen 61 Prozent Ja.

Daniel Frischknecht, EDU-Parteipräsident und Co-Präsident des Nein-Komitees, ist weiterhin zuversichtlich. «Bereits bei der Frage, ob wir das Referendum zustande bringen, wurden wir belächelt und abgekanzelt. Trotz der Häme haben wir es geschafft.» Abgerechnet werde am Abstimmungssonntag, sagt er.

Frischknecht zeigt sich ernüchtert, dass die Argumente des Komitees in den Medien und der Öffentlichkeit nicht durchdringen. Kaum ein Journalist sei an der Pressekonferenz am Montag erschienen. Deshalb lieferte das Nein-Komitee seine «wissenschaftliche Evidenz» für ihr wichtigstes Argument, die Samenspende für lesbische Paare schade dem Kindswohl, per Mail nach. Bei der 20-Minuten-Umfrage ist dieses Argument bei den Gegnerinnen und Gegnern das Zweitwichtigste.

Frischknecht betont, man wolle in den verbleibenden vier Wochen «ganzheitlich» aufklären und fokussiere sich nicht auf eine bestimmte Gruppe wie Frauen oder Junge. In den vergangenen Wochen sparte das Komitee nicht mit Provokationen: Von «grenzenloser Regenbogen-Romantik» oder «Kindern auf Bestellung» war die Rede.

Noch 40 Prozent für Juso-Initiative

Stand heute hätten 40 Prozent der «99-Prozent-Initiative» der Juso zugestimmt. Diese will Kapitaleinkommen stärker besteuern. 55 Prozent hätten die Initiative abgelehnt. Damit ist die Ablehnung im Vergleich zur ersten Welle um sechs Prozentpunkte gestiegen. Fünf Prozent machten noch keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Die Polarisierung nach Parteisympathie hat sich verstärkt: Unterstützung für die Vorlage findet sich lediglich im linken Lager (SP 78 Prozent und GPS 79 Prozent), Wählerinnen und Wähler aller anderen Parteien lehnen das Anliegen deutlich ab.

Die beiden überzeugendsten Argumente für die Gegnerinnen und Gegner sind, dass eine stärkere Besteuerung von Kapitaleinkommen der Standortattraktivität der Schweiz und mittelfristig der gesamten Volkswirtschaft schade und dass die Schweiz bereits genügend umverteile. Die Befürworterinnen und Befürworter sind hauptsächlich der Meinung, dass die Vermögensschere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgehe und die Initiative mehr Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Normalverdienenden und den «Superreichen» schaffe.

Die Umfrage

15'583 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 26. und 27. August an der zweiten Welle der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmungen vom 26. September 2021 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten.

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