Start-up Mister Loo: Zwei Ex-Banker wollen ein asiatisches WC-Imperium aufbauen
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Start-up Mister LooZwei Ex-Banker wollen ein asiatisches WC-Imperium aufbauen

Geld verdienen mit Edel-WCs in Asien – das ist die Geschäftsidee von Mister Loo. Dahinter stehen zwei Jungunternehmer, die für ihren Traum die Schweiz verlassen haben.

von
Raphael Knecht
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Andreas Wanner (l.) und Dominik Schuler haben vor fünf Jahren Mister Loo gegründet.

Andreas Wanner (l.) und Dominik Schuler haben vor fünf Jahren Mister Loo gegründet.

Foto: Mister Loo
Sie betreiben in ostasiatischen Ländern öffentliche Toilettenanlagen nach Schweizer Hygienestandards.

Sie betreiben in ostasiatischen Ländern öffentliche Toilettenanlagen nach Schweizer Hygienestandards.

Foto: Mister Loo
Die beiden begannen in Thailand qualitativ hochstehende WC-Anlagen an hoch frequentierten Plätzen wie dem Königspalast oder an Food-Märkten aufzustellen.

Die beiden begannen in Thailand qualitativ hochstehende WC-Anlagen an hoch frequentierten Plätzen wie dem Königspalast oder an Food-Märkten aufzustellen.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Zwei Schweizer Ex-Banker bauen in Thailand öffentliche WCs mit hohem Hygieneanspruch.

  • Dort sind sie die Ersten mit dieser Geschäftsidee und werden in der Corona-Krise überrannt.

  • Nun wollen sie auch nach Indien und China expandieren.

Thailand ist seit der Corona-Krise komplett abgeriegelt, Touristen kommen nicht mehr ins Land. Es droht eine heftige Wirtschaftskrise. Doch für zwei Ex-Banker könnte die Pandemie zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein.

Die beiden Mittdreissiger Andreas Wanner und Dominik Schuler haben vor fünf Jahren das Start-up Mister Loo gegründet, das öffentliche Toilettenanlagen nach Schweizer Hygienestandards in ostasiatischen Ländern betreibt. «Wir wollen den Schweizer Qualitätsanspruch nach Asien bringen», sagt Schuler zu 20 Minuten.

Das kommt in der Krise gut an. «Wir profitieren davon, dass sich die Leute mit Hygienemassnahmen vor Corona schützen wollen», so Wanner. Und er ist überzeugt, dass Hygiene auch nach der Krise grossgeschrieben wird.

Das Konzept McClean nach Asien bringen

Auf die Idee für Mister Loo kam Wanner vor acht Jahren, als er mit Kollegen auf Asienreise war. Dort sei ihm aufgefallen, dass die Leute zwar bereit sind, für den Gang aufs Klo einen kleinen Betrag zu bezahlen, die Hygienestandards in den meisten öffentlichen WCs aber ungenügend sind.

Wanner war fasziniert davon, ein Konzept à la McClean, bekannt von Schweizer Bahnhöfen, nach Asien zu bringen. Allerdings wollte er nicht nur an Bahnhöfen mit einem hygienischen WC vertreten sein, sondern auch an Strassenmärkten, in Einkaufszentren, bei den Verkehrsknotenpunkten und an anderen hoch frequentierten Plätzen.

Wanner spannte mit Dominik Schuler zusammen, den er von der gemeinsamen Zeit bei der Grossbank UBS kennt. Während er noch für die Deutsche Bank in China arbeitete und mit seinem Lohn die Reisekosten finanzierte, stellte Schuler die nötigen Marktforschungen zum WC-Business an.

Luxusklo mit WLAN

Die beiden begannen in Thailand qualitativ hochstehende WC-Anlagen an hoch frequentierten Plätzen wie dem Königspalast oder an Food-Märkten aufzustellen. Der Eintritt kostet umgerechnet 15 Rappen. Für 30 Rappen gehts aufs Luxus-WC mit Wasserhähnen und Seifenspendern, die von Sensoren überwacht werden, damit die Kunden praktisch nichts anfassen müssen. Das stille Örtchen verfügt zudem über WLAN, Klimaanlage und Raumduft.

Eine Herausforderung war für die Jungunternehmer die asiatische Kultur. «Wir mussten alles neu kennen lernen», sagt Wanner.» Bei den ersten WC-Modulen legten sie noch selbst Hand an und standen auch schon knietief im Abwasser. «Ein WC war immer wieder verstopft, weil die Leute uns die Abwasserrohre stahlen. Als wir dann Metallrohre verbuddelten, kam einer mit dem Bagger und klaute ungeniert weiter», so Wanner.

Mister Loo will nach Indien, Indonesien und China expandieren

Mit lokalen Partnern folgten weitere WCs in Vietnam. Mittlerweile verfügt Mister Loo über 40 WC-Standorte und 90 festangestellte Mitarbeiter. «Seit Corona fragen uns immer mehr Inhaber von öffentlichen Toiletten an, ob wir ihre Standorte übernehmen wollen, weil sie ihren Kunden die gewünschten Hygienestandards nicht bieten können», sagt Schuler.

Das Kapital für das Wachstum müssen die beiden nicht mehr mit ihrem Ersparten finanzieren. Mittlerweile sind Schweizer und internationale Investoren am Start-up beteiligt. Als nächstes wollen sich die beiden Jungunternehmer auf neue Märkte wie Indien, Indonesien und China konzentrieren und deren wachsende Mittelschicht ansprechen. «Die Leute in Asien sind konsumfreudig und bereit, Geld für ein solches Toilettenerlebnis auszugeben. Das macht sie interessant für uns», sagt Schuler.

Auch Anfragen für Afrika hätten sie schon bekommen, was etwa für Franchise-Partner interessant sei. Für Europa sehen die Gründer hingegen kein Potenzial, weil der Markt bereits mit bestehenden Anbietern breit abgedeckt sei. In Asien hingegen seien sie die Ersten mit dieser Geschäftsidee.

Fast 4 Milliarden potenzielle Kunden

Ob Mister Loo schon bald von einem asiatischen Geschäftemacher kopiert wird? Darauf angesprochen, geben sich die beiden Firmengründer unbekümmert. «Damit müssen wir rechnen», sagt Wanner. Aber der asiatische Markt sei mit 3,9 Milliarden potenziellen Kunden genug gross für einen weiteren Player im WC-Business. Ausserdem verweist Wanner auf die eigenen Stärken. «Das Toilettengeschäft hört sich zwar einfach an. Aber wir haben die Prozesse institutionalisiert und verschiedenste Technologien und Software-Applikationen in unsere Anlagen integriert, die die Abläufe steuern und aufzeichnen», so Wanner. So sehen sie in Echtzeit vom Büro aus, an welchem Toilettenstandort wie viele Kunden sind oder wie viel Toilettenpapier und Seife noch vorhanden sind.

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