Brand von Laufenburg: «Zwei Frauen wollten aus dem Fenster springen»

Aktualisiert

Brand von Laufenburg«Zwei Frauen wollten aus dem Fenster springen»

Der Brandstifter von Laufenburg AG brachte Menschen in Lebensgefahr. Zwei Frauen fürchteten um ihr Leben und wollten aus dem Fenster springen.

von
David Frische
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Das ehemalige Hotel Schützen in Laufenburg AG hat am Montagabend gebrannt. Dabei wurden sieben Personen verletzt.

Das ehemalige Hotel Schützen in Laufenburg AG hat am Montagabend gebrannt. Dabei wurden sieben Personen verletzt.

Leser-Reporter
Rund um das Haus spielten sich dramatische Szenen ab. Zwei Frauen hätten vor dem Eintreffen der Feuerwehr aus dem Fenster auf eine Matte springen wollen, berichtet ein Leser-Reporter.

Rund um das Haus spielten sich dramatische Szenen ab. Zwei Frauen hätten vor dem Eintreffen der Feuerwehr aus dem Fenster auf eine Matte springen wollen, berichtet ein Leser-Reporter.

Leser-Reporter
Sie konnten schliesslich von der Feuerwehr mit der Leiter gerettet werden.

Sie konnten schliesslich von der Feuerwehr mit der Leiter gerettet werden.

Leser-Reporter

Am Montagabend spielten sich in Laufenburg dramatische Szenen ab: Das ehemalige Hotel Schützen brannte, sieben Personen erlitten zum Teil schwere Rauchgasvergiftungen. Sie wurden in diverse Spitäler überführt.

Ein Leser-Reporter berichtet gegenüber 20 Minuten, dass zwei Frauen, stark hustend, aus einem Fenster springen wollten. Eine der Frauen sass vor Eintreffen der Feuerwehr bereits auf dem Fenstersims im zweiten Stock des brennenden Hauses, berichtet der Augenzeuge weiter. Unterhalb des Fensters war eine Matte plaziert. «Die Feuerwehr konnte sie schliesslich mit einer Leiter retten», so der Leser-Reporter. Im Einsatz standen zwei Helikopter, sechs Ambulanzen sowie 115 Feuerwehrleute aus Laufenburg, Frick, Kaisten und Laufenburg/D.

Ein 24-jähriger Schweizer steht in dringendem Verdacht, den Brand am Montag vorsätzlich gelegt zu haben. Das Haus, in dem sich heute Sozialwohnungen befinden, ist zurzeit nicht bewohnbar.

Er werde «Gebäude in die Luft sprengen»

Die Aargauer Staatsanwaltschaft teilte am Dienstagnachmittag mit, dass der Beschuldigte am letzten Freitag per anonymen Anruf bei der Notrufzentrale gedroht habe, das Gebäude «in die Luft zu sprengen». Er sei daraufhin vorübergehend festgenommen und befragt worden, ehe man ihn wieder auf freien Fuss setzte. Nach dem Brand vom Montagabend wird die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg für den Tatverdächtigen drei Monate Untersuchungshaft beantragen.

In der Befragung vom Samstag habe der 24-Jährige glaubhaft dargelegt, den Anruf aus Frustration über einen Konflikt um Geld mit der lokalen Behörde abgesetzt und die Drohung nicht ernst gemeint zu haben. Bei der anschliessenden von der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg angeordneten Hausdurchsuchung habe nichts Verdächtiges festgestellt werden können. Der Beschuldigte sei daher aus der Haft entlassen worden.

«Hatte eine schwere Jugendzeit»

Der mutmassliche Brandstifter wohnte ebenfalls in einer der Sozialwohnungen. Ein Gastronome, der den Tatverdächtigen kennt, berichtet gegenüber 20 Minuten, dass der 24-Jährige von anderen Hausbewohnern und deren Bekannten regelmässig schikaniert worden sei. «Sie gingen auf ihn los, brachen in seine Wohnung ein und pinkelten ihm vor die Haustür.» Er habe es insgesamt nicht einfach gehabt, so der Bekannte. «Mit den Eltern hat er wenig bis gar keinen Kontakt, und er hat eine schwere Jugendzeit hinter sich.»

«Er konnte nirgends hin, ausser zu mir»

Der Gastronome berichtet von psychischen Schwierigkeiten, die den Tatverdächtigen plagen. So leide er unter Aggressionsstörungen, habe sich teilweise nicht im Griff. In Laufenburg sei bekannt, dass sich der junge Mann immer wieder prügle und auch Dinge in Läden und am Kiosk stehle. Bei einigen Läden hat der Tatverdächtige schon seit geraumer Zeit Hausverbot hat – «weil er bei mir schon klaute und rumpöbelte», berichtet eine Verkäuferin.

«Er konnte nirgends mehr hin, ausser zu mir», berichtet der Gastronome. Trotz allem hätten er und auch seine Gäste stets Mitleid mit dem jungen Mann gehabt, der keine Freunde und auch kein Geld hatte, um sich eine stabile Lebensgrundlage zu schaffen. «Er hat mal da und mal dort gearbeitet, aber das ging jeweils nicht lange gut», berichtet sein Bekannter. Er selbst habe ihm auch eine Stelle gegeben, ohne bleibenden Erfolg.

Brachte ihn den Rauswurf zum Explodieren?

Der Beschuldigte soll auch mit Drogen gedealt haben. Seit Weihnachten habe sich seine Situation zugespitzt: «Er kam immer wieder mit einem blauen Auge bei mir vorbei und erzählte, er habe sich wieder geprügelt. Und schliesslich fragte er bei mir nach einer Bleibe, denn sein Vermieter wollte ihn aus der Wohnung werfen», berichtet der Gastronome.

Er und auch seine Gäste hätten begonnen, Kleider und Pflegeartikel für ihn zu sammeln. Dem jungen Mann ging es offenbar zunehmend schlechter, das zeigte sich in vielen Belangen. Die Staatsanwaltschaft wird beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben.

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