Zwei Fremdsprachen und obligatorischer Chindsgi
Aktualisiert

Zwei Fremdsprachen und obligatorischer Chindsgi

Der Zürcher Kantonsrat hat einen neuen Anlauf genommen, um das Volksschulgesetz von 1899 zu revidieren.

An den wichtigsten Punkten der 2002 vom Volk abgelehnten Vorlage dürfte festgehalten werden - mit Ausnahme der Grundstufe.

«Das Gesetz bringt nichts, was wir nicht schon kennen», sagte Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) am Montag in der Eintretensdebatte. Es gebe bloss eine gesetzliche Regelung, die für alle Schulgemeinden gelte.

Die meisten der 40 - hauptsächlich von SVP und EVP gestellten - Minderheitsanträge dürften keine Mehrheit finden, wie die Eintretensdebatte am Montagmorgen erwarten liess.

Umstritten sind - neben der Ausgestaltung des Kindergartens -die Einführung einer zweiten Fremdsprache in der Primarschule und die Schulaufsicht. Unbestritten ist dagegen die definitive Einführung von geleiteten Schulen.

Auf den Stolperstein der letzten Schulreformvorlage, die Grundstufe als Kombination von Kindergarten und 1. Primarklasse wurde verzichtet. Viele Projekte werden geregelt, die heute als Versuche an einzelnen Schulen bereits eingeführt wurden.

Heutiges Gesetz völlig veraltet

Das geltende Volksschulgesetz werde der heutigen Schulrealität nicht mehr gerecht, meinte Kommissionspräsidentin Brigitta Johner (FDP, Urdorf). Mit dem Vorschlag der Kommission sei «ein ausgewogener Kompromiss zwischen den beiden bildungspolitischen Lagern» gelungen.

Es sei ein schlankes, leicht lesbares und gut umsetzbares Gesetz geschaffen worden, das den Gemeinden «Spielraum für situationsgerechtes Handeln» lasse. Vor allem durch den Wegfall der Grundstufe seien die Kosten des neuen Volksschulgesetzes deutlich geringer als gemäss der vom Volk abgelehnten Vorlage.

Kindergarten wird aufgewertet

Im Rahmen der Detailberatung entschied der Rat mit 104 zu 51 Stimmen den Kindergarten, für den bisher die Gemeinden zuständig waren, zu kantonalisieren. Dieser wird dadurch obligatorisch, als eigene Stufe erfährt er eine Aufwertung und wird zum Bestandteil der Volksschule.

Durch die Kantonalisierung steigt die Schulpflicht im Kanton Zürich von neun auf elf Jahre. Das bisher geltende Verbot für Lesen, Schreiben und Rechnen im Kindergarten wird aufgehoben. Keine Chance hatte ein Minderheitsantrag der SVP, wonach der Besuch des Kindergartens im ersten Jahr freiwillig sein sollte.

(sda)

Kein Schulsilvester mehr

Erstmals findet in diesem Jahr anstelle des Schulsilvesters nur ein «Schulausklang» statt. Jeder Lehrer soll zusammen mit seiner Klasse frei entscheiden, wie er den letzten Schultag des Kalenderjahrs (dieses Jahr am 22. Dezember) gestalten will.

Auf Aktivitäten bereits am Vorabend oder vor dem Unterricht wird verzichtet. Dies, nachdem sich der Stadtrat gegen die Fortführung des traditionellen Schulsilvesters ausgesprochen hatte, an dem es wiederholt zu grösseren Sachbeschädigungen gekommen war. «Eine Umfrage ergab, dass Spiele sowie festliche und besinnliche Aktivitäten gewünscht sind», sagt Peter Enz vom Schuldepartement der Stadt Zürich.

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