Nach Geiselnahme in Hällby (Swe) - «In schwedischen Gefängnissen fehlen bis zu 1500 Aufsichtspersonen»
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Nach Geiselnahme in Hällby«In schwedischen Gefängnissen fehlen bis zu 1500 Aufsichtspersonen»

In Schweden haben Schwerverbrecher eine Wärterin und einen Wärter der Haftanstalt in Hällby in ihre Gewalt gebracht. Der Vizepräsident der Gewerkschaft beklagt, dass es viel zu wenig Gefängnispersonal gebe und dieses schlecht ausgebildet sei.

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In diesem Gefängnis im schwedischen Hällby ist ein Geiseldrama am Laufen.

In diesem Gefängnis im schwedischen Hällby ist ein Geiseldrama am Laufen.

AFP
Wegen der Corona-Pandemie fehlt es in den Gefängnissen Schwedens an ausgebildetem Personal. «Wir konnten letztes Jahr überhaupt kein Training durchführen, und dieses Jahr haben klein angefangen.

Wegen der Corona-Pandemie fehlt es in den Gefängnissen Schwedens an ausgebildetem Personal. «Wir konnten letztes Jahr überhaupt kein Training durchführen, und dieses Jahr haben klein angefangen.

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Laut schwedischen Medien handelt es sich bei den Insassen um zwei wegen Mordes verurteilte Verbrecher: Isak D.  (30) und Haned Mahamed A. (24).

Laut schwedischen Medien handelt es sich bei den Insassen um zwei wegen Mordes verurteilte Verbrecher: Isak D. (30) und Haned Mahamed A. (24).

Screenshot Expressen

Darum gehts

  • Im Gefängnis Hällby gut 100 Kilometer westlich von Stockholm haben sich zwei Häftlinge verbarrikadiert und zwei Wärter als Geiseln genommen.

  • Der Vizepräsident der Gewerkschaft des Gefängnis-Aufsichtspersonals sagt, dass das Personal wegen der Corona-Pandemie völlig unzureichend ausgebildet sei.

  • Alle News zum Ereignis findest du im News-Ticker.

Zwei Insassen einer geschlossenen Haftanstalt in Schweden haben nach Medienberichten zwei Wärter als Geiseln genommen. Die beiden Insassen deckten demnach Überwachungskameras ab und forderten eine Kebab-Pizza für alle Insassen ihrer Abteilung sowie einen Helikopter.

Wegen der Corona-Pandemie fehlt es in den Gefängnissen Schwedens an ausgebildetem Personal. «Wir konnten letztes Jahr überhaupt kein Training durchführen, und dieses Jahr haben klein angefangen. Wir haben also eine riesige Ausbildungsschuld von 1000 bis 1500 Personen», sagt Josip Jovasevic, Vizepräsident der Gewerkschaft Seko. Zudem sei die Arbeitssituation schon seit zwei Jahren sehr angespannt, mit einer Überbelegung von bis zu 110 Prozent.

«Das Risiko von Gewalt zwischen Insassen oder gegen das Personal ist viel höher, wenn Sie 24 Personen in einem Raum haben statt 16», so Jovasevic zu «Expressen». Die Gleichung sei nicht schwer zu berechnen, was passiert, wenn es um gewaltbereite Menschen geht, die sich auf engem Raum mit ähnlichen Personen befinden.

Zwei Mörder haben die Attacke organisiert

Die beiden Geiselnehmer verschanzten sich am Mittwoch in einem Wachraum des Gefängnisses Hällby gut 100 Kilometer westlich von Stockholm, in dem sich die beiden Angestellten befunden hatten, wie die Nachrichtenagentur TT, der Rundfunksender SVT und weitere schwedische Medien berichteten.

Bei den Geiseln soll es sich um einen Mann und eine Frau handeln, bei den Geiselnehmern um Schwerverbrecher, die laut der Zeitung «Aftonbladet» wegen Mordes verurteilt worden waren. Die beiden Insassen sollen mit Rasierklingen bewaffnet sein.

Laut der schwedischen Zeitung «Expressen» wurde der 30-jährige Isak D. 2016 in Göteborg wegen Mordes an einem Vater zu 18 Jahren Haft verurteilt. Der 24-jährige Haned Mahamed A. wurde ebenfalls zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er 2019 einen Mann in Skellefteå brutal erstochen hat.

Geiselnahme in einem Hochsicherheitsgefängnis

Die Polizei teilte zunächst lediglich mit, dass ein grösserer Einsatz in dem Gefängnis stattfinde und Beamte mit Sonderkompetenzen vor Ort seien. Am Nachmittag bestätigte sie auf ihrer Webseite, dass sich die beiden Insassen in einem Raum verbarrikadiert hätten, in dem sich auch zwei Gefängniswärter befänden. Es seien Ermittlungen wegen Menschenraubs eingeleitet worden.

Wie «Expressen» zuletzt berichtete, sollen die beiden einen Deal mit den Behörden getroffen haben: Wenn die Kebab-Pizza geliefert werde, könnten sie einen der Wärter freilassen. Die Lage habe sich aber deswegen noch nicht entspannt: «Es gibt derzeit nicht viel zu berichten. Ich kann nur sagen, dass wir es mit einer sehr ernsten Situation zu tun haben», meinte Torkel Omnell, Pressesprecher des schwedischen Gefängnisdienstes, gegenüber «Aftonbladet».

Die Anstalt Hällby in der Nähe der Stadt Eskilstuna ist nach Angaben der schwedischen Gefängnisaufsicht eine geschlossene Einrichtung mit 98 Plätzen der Sicherheitsklasse 1. Das ist die höchste Sicherheitsstufe für schwedische Gefängnisse.

(DPA/kle)

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