Kim Jong-un und Donald Trump: Zwei Hitzköpfe – Protokoll eines Atomstreits
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Kim Jong-un und Donald TrumpZwei Hitzköpfe – Protokoll eines Atomstreits

Drohen, tüfteln, abschiessen: Wenn Kim Jong-un seine Raketen testet, folgen aus dem Westen Warnungen und Sanktionen. Ein Überblick.

Die USA und Nordkorea rüsten im Atomstreit auch verbal weiter auf. (Video: Tamedia/AFP)

Neujahr 2017

Nordkorea: «Wir sind in den letzten Etappen vor dem Test einer Interkontinentalrakete», sagt Machthaber Kim Jong-un in einer vom Fernsehen übertragenen Neujahrsansprache.

USA: Das US-Verteidigungsministerium fordert Nordkorea auf, «Akte der Provokation und Hetzrhetorik, die den internationalen Frieden und die Stabilität gefährden, zu vermeiden». Sollte das Land trotz der Resolutionen erneut eine Rakete abfeuern, müsste dies Konsequenzen haben.

13. Februar 2017

Nordkorea: Pyongyang testet eine ballistische Boden-Boden-Mittelstreckenrakete «erfolgreich». Kim Jong-un äussert «grosse Zufriedenheit über den Besitz eines weiteren starken Mittels zur nuklearen Attacke».

USA: Es ist der erste Abschuss einer nordkoreanischen Rakete seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump. Er, Japans Regierungschef Shinzo Abe und Südkoreas amtierender Präsident Hwang Kyo Ahn, verurteilen den Test scharf.

6. März 2017

Nordkorea: Erneute Tests mehrerer potenzieller Atomraketen provozieren. Sie folgen auf den Beginn der jährlichen südkoreanisch-amerikanischen Frühjahrsmanöver.

Japan/USA: Die Tests stellten eine «ernste Bedrohung der Sicherheit unseres Landes dar», sagt Ministerpräsident Abe. Die US-Armee hat nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest mit der Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen.

17. März 2017

USA: US-Aussenminister Rex Tillerson droht mit militärischen Massnahmen. Zur Eindämmung der Gefahr seien alle Optionen «auf dem Tisch», sagt er bei Gesprächen in Südkorea. «Die Politik der strategischen Geduld ist zu Ende.»

22. März 2017

Nordkorea: Das Land wertet ein Militärmanöver von Südkorea und den USA als Übung für eine Invasion und feuert eine Rakete von der Stadt Wonsan aus ab. Der Test ist laut Südkorea aber nicht erfolgreich.

3./4. April 2017

USA: Präsident Trump droht mit einem Alleingang der USA. «Wenn China [das Problem mit] Nordkorea nicht löst, werden wir es tun», sagt er der «Financial Times».

Nordkorea: Sein Land habe «keine andere Wahl, als die nötigen Gegenmassnahmen zu ergreifen», sagt ein Ministeriumssprecher. Schon bald werde die Welt erleben, welche «ereignisreichen Schritte» Nordkorea unternehmen werde, um die «abscheuliche und rücksichtslose Sanktionserpressung zu durchkreuzen».

5./9. April 2017

Nordkorea: Das Land schiesst erneut eine ballistische Rakete in Richtung Japan ins Meer. Sie sei etwa 60 Kilometer weit geflogen.

USA: Eine US-Flugzeugträgergruppe macht sich auf den Weg zur koreanischen Halbinsel. Es handle sich um eine Vorsichtsmassnahme, um Präsenz und Bereitschaft in der westlichen Pazifikregion zu stärken, sagt Armee-Sprecher.

16. April 2017

Nordkorea: Das Land provoziert die internationale Gemeinschaft mit einem weiteren Raketentest. Die Mittelstreckenrakete explodiert schon beim Start.

USA: US-Vizepräsident Mike Pence, der kurz darauf in Seoul eintrifft, spricht von Provokation. Aus Washington heisst es: «Der Präsident hat dazu keinen Kommentar.»

17. April 2017

Nordkorea: Kim Jong-un warnt vor dem Ausbruch eines Atomkriegs. Er nennt die aktuellen Manöver der USA und Südkoreas die grösste aggressive Kriegsübung aller Zeiten. Sein Land sei bereit, auf jede Art von Krieg zu reagieren.

USA: US-Vizepräsident Pence warnt davor, die Entschlossenheit der USA zu unterschätzen. Die «Ära der strategischen Geduld» gegenüber Nordkorea sei beendet.

24. April

USA: Der US-Flugzeugträger USS Carl Vinson positioniert sich in den Gewässern vor der koreanischen Halbinsel.

Nordkorea: Pyongyang lässt verlauten, das Land sei bereit, seine «militärische Kraft» zu veranschaulichen, indem es den Flugzeugträger mit «einem einzigen Schlag» versenken werde. Zudem verfüge man über Raketen, die bis nach Nordamerika reichen.

Nordkorea: Die staatliche Zeitung «Rodong Sinmun» lobt die Schlagkraft der Armee mit ihren «verschiedenen Präzisions- und Miniatur-Kernwaffen». Sie sei bereit, «die atomare Erpressung zu Ende zu bringen».

USA: Washington reagiert mit einem Raketenabwehrsystem in Südkorea. Dort legt zudem das atombetriebene US-amerikanische U-Boot «Michigan» an. Dass eine nordkoreanische Langstreckenrakete fähig sei, eine US-Stadt zu treffen, sei eine «akute Gefahr», so der republikanische Senator John McCain.

28./29. April 2017

USA: US-Präsident Trump sagt der Nachrichtenagentur Reuters, er strebe eine diplomatische Lösung an, aber das sei «sehr schwierig».

Nordkorea: Ein erneuter Raketentest scheitert südkoreanischen Medienberichten zufolge. Sie sei «offenbar Sekunden nach dem Abschuss explodiert».

5./6. Mai 2017

Nordkorea:«Die CIA und der südkoreanische Geheimdienst planen die Ermordung Kims Jong-uns», berichten Staatsmedien. Demnach wollten die Geheimdienste Kim mit einer «biochemischen Substanz» töten.

21. Mai

Nordkorea: Kim Jong-un lässt eine Feststoffrakete testen. Südkorea zufolge fliegt sie rund 500 Kilometer weit Richtung Osten, fällt dann in den Pazifik. Das sei die nordkoreanische «Antwort» auf die Politik des US-Präsidenten.

29./30. Mai 2017

Nordkorea: Erneuter Test einer ballistischen Rakete. Das Geschoss landet in Gewässern der japanischen Wirtschaftszone.

Japan/Südkorea/USA: Japan kritisiert den Test. Die Spannungen verschärfen sich. Südkorea bestätigt eine gemeinsame Übung mit den USA mit einem US-Langstreckenbomber des Typs B-1B.

3. Juni

USA: Die Staaten und der UNO-Sicherheitsrat weiten die Sanktionen gegen Nordkorea aus. Das Gremium stimmt einstimmig für eine Resolution, die Strafmassnahmen gegen zwei Unternehmen des Landes, die Bank Koryo sowie die Armee vorsieht.

8. Juni

Nordkorea: Pyongyang feuert mehrere Marschflugkörper ab. Sie seien von der Ostküste etwa 200 Kilometer weit in Richtung Meer geflogen, meldet Seoul. Es habe sich vermutlich um Lenkflugkörper gehandelt, die gegen Schiffe eingesetzt werden können.

4. Juli

Nordkorea: Allen Warnungen zum Trotz testet das Land erneut eine Rakete mit grosser Reichweite – am Unabhängigkeitstag der USA. Die Interkontinentalrakete fliegt nahe der Grenze zu China mehr als 930 Kilometer weit und stürzt ins Japanische Meer.

USA: US-Präsident Trump twittert, es sei schwer zu glauben, dass Südkorea und Japan sich weiter damit abfinden würden. Er frage sich, ob dieser Typ nichts Besseres zu tun habe, als Raketen starten zu lassen.

5./6. Juli

Südkorea/USA: Die USA und Südkorea reagieren mit scharfen Worten und einer gemeinsamen Militärübung auf den jüngsten Raketentest Nordkoreas. «Alle Nationen sollten Nordkorea öffentlich klarmachen, dass es Konsequenzen für sein Streben nach Atomwaffen gibt», sagt US-Aussenminister Tillerson. Gemeinsam mit Frankreich wollen die USA eine Verschärfung der UNO-Sanktionen gegen das Regime durchsetzen.

8. Juli

Japan/Südkorea: Die südkoreanische und japanische Luftwaffe entsenden als Abschreckungsmanöver zwei US-Langstreckenbomber nahe der Grenze Nordkoreas.

26. Juli

Nordkorea: Kim Jong-un hat den USA offen mit einem Atomangriff mitten ins Herz des Landes gedroht. Sollten die Amerikaner weiter versuchen, einen Regierungswechsel in Pyongyang herbeizuführen, werde man mit einem Gegenangriff reagieren, meldet die Staatsagentur KCNA.

28. Juli

Nordkorea: Die zweite Interkontinentalrakete innerhalb eines Monats. Sie fliegt etwa tausend Kilometer weit, stürzt ins Japanische Meer.

USA: Die internationale Gemeinschaft verurteilt den Test, der wenige Stunden nach einem Sanktionsbeschluss des US-Senats gegen Pyongyang erfolgte. Die USA und Südkorea beraten über eine mögliche «militärische Antwort».

29. Juli 2017

Nordkorea: Pyongyang droht mit einem Überraschungsangriff auf das US-Festland. Der Test der Interkontinentalrakete sei eine «ernste Warnung» an die USA, die mit Kriegsdrohungen und härteren Sanktionen «sinnlos» provozierten, so Kim Jong-un.

USA: Washington würde ein Nordkorea mit Nuklearwaffen nie akzeptieren, sagt US-Aussenminister Tillerson.

5. August 2017

USA: Um Nordkorea unter Druck zu setzen, haben die USA bei der UNO die bisher schärfsten Sanktionen eingereicht. Diese werden einstimmig verabschiedet.

8. August 2017

USA: Nordkorea hat laut «Washington Post» erhebliche Fortschritte bei seinem Raketenprogramm erzielt. Pyongyang habe einen atomaren Sprengkopf entwickelt, der klein genug für Interkontinentalraketen sei, heisst es unter Berufung auf eine geheime Analyse des US-Militärgeheimdienstes (DIA) vom Juli.

US-Präsident Trump warnt Nordkorea daraufhin, im Falle weiterer Drohungen gegen die USA werde es auf «Feuer und Zorn» stossen, «wie es die Welt noch nie gesehen hat».

9. August 2017

Nordkorea: Das Militär droht den USA mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam und heizt damit einen der gefährlichsten Konflikte der Welt weiter an. Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke «ernsthaft in Erwägung», meldet die Nachrichtenagentur KCNA.

USA: «Es wird nie eine Zeit geben, zu der wir nicht die mächtigste Nation der Welt sind!», twittert US-Präsident Donald Trump. Er hoffe aber, dass diese Macht nie eingesetzt werden müsse. (20 Minuten/sda/afp)

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