Kanton Bern: Zwei Jahre Chindsgi für alle
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Kanton BernZwei Jahre Chindsgi für alle

Der Kanton Bern will mit einer Gesetzesrevision seine Volksschule HarmoS-tauglich machen. Alle Gemeinden sollen auch den Kindergarten-Besuch anbieten.

Ab 2013 soll jedes Kind im Kanton Bern das Recht auf zwei Jahre Kindergarten haben: Das ist eine der wenigen Neuerungen, die der Regierungsrat mit der Revision des Volksschulgesetzes 2012 anstrebt. Die Vorlage ging am Montag in die Vernehmlassung.

«Ich werde Ihnen heute nicht viel Neues erzählen», kündigte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver zu Beginn der Medienkonferenz an. «Und gerade das freut mich besonders.» Der Regierungsrat wolle erst einmal Ruhe ins Schulsystem bringen, machte Pulver deutlich.

Die vorliegende Revision («REVOS 2012») verzichte auf grosse Würfe, da die Gemeinden und Schulen schon heute durch etliche Projekte gefordert seien. Ausserdem zeichne sich ein Mangel an Lehrern auf gewissen Stufen ab, besonders in ländlichen Gebieten. Es gebe also genug Gründe, sich auf das Notwendige zu beschränken.

Mit REVOS 2012 setzt die Regierung die fehlenden Elemente der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Volksschule (HarmoS-Konkordat) um. Kernpunkt der Revision ist die Verankerung des zweijährigen Kindergartens, der damit Teil der Volksschule wird.

Gemäss Gesetzesentwurf müssen alle Gemeinden ab 1. August 2013 den zweijährigen Kindergarten anbieten. Dieses Angebot besteht zurzeit in 278 der 292 Gemeinden mit Kindergarten, sagte Pulver. «Rund 80 Prozent der Kinder besuchen schon heute einen zweijährigen Kindergarten.»

Der Erziehungsdirektor versuchte Ängste zu zerstreuen, wonach der Kindergarten verschult werden solle. «Die Eltern sollen entscheiden können, ob ihr Kind ein halbes oder ein ganzes Jahr später in den Kindergarten eintreten soll», betonte er. Zudem bleibe ein reduzierter Kindergartenbesuch im ersten Jahr möglich.

Basisstufe wird ermöglicht

Mit REVOS 2012 will der Kanton den Gemeinden auch die Einführung der Basisstufe ermöglichen. Sie fasst zwei Jahre Kindergarten und die ersten zwei Primarschuljahre zusammen. Das Modell wurde von 2002 bis 2010 in einem Schulversuch getestet.

Zwar seien die Kinder nach Abschluss der Basisstufe leistungsmässig nicht weiter als im herkömmlichen System, räumte Erziehungsdirektor Pulver ein. Zudem könnten sozial benachteiligte Kinder ihren Leistungsrückstand nicht besser aufholen.

Trotzdem sei der Regierungsrat überzeugt, dass es sich um ein «zukunftsgerichtetes Modell» handle. Denn die Basisstufe berücksichtige die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder und ermögliche einen fliessenden Übergang vom spielerischen zum systematischen Lernen.

Deshalb wolle der Regierungsrat den Gemeinden eine freiwillige Einführung in kleinen Schritten ermöglichen. Eine generelle Umstellung stehe dagegen nicht zur Diskussion: Erstens brächte dies «markante Mehrausgaben» mit sich, zweitens habe sich das traditionelle System Kindergarten-Schule bewährt, sagte Pulver.

Vernehmlassung läuft

Die Vernehmlassung zu REVOS 2012 läuft bis 1. Februar 2011. Die erste Lesung im Grossen Rat ist in der November-Session 2011 vorgesehen. Die Umsetzung soll gestaffelt ab 1. August 2013 erfolgen. (sda)

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