Politischer Prozess: Zwei Jahre Straflager für Pussy Riot

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Politischer ProzessZwei Jahre Straflager für Pussy Riot

Nach knapp dreistündigem Verlesen des Urteils hat eine Moskauer Richterin das Strafmass für Pussy Riot bekanntgegeben: zwei Jahre Haft für die drei Frauen.

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mdr/dapd

Bilder der Gerichtsverhandlung vom Freitag. <i>(Quelle: AP Video/YouTube, Kommentar: Debby Galka)</i>

Eine Richterin hat die drei angeklagten Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot schuldig gesprochen. Die Frauen werden zu je zwei Jahren Haft verurteilt im allgemeinen Straflager. Die fünfmonatige Untersuchungshaft, in der sie sich seit März befinden, wird ihnen angerechnet. Laut des Urteils machten sie sich der groben Verletzung der öffentlichen Ordnung (Rowdytum) schuldig.

Die Richterin Maria Syrowa sah das Motiv des religiösen Hasses erwiesen. Das Argument der Angeklagten, ihre Handlung sei politisch gewesen, wies sie zurück. Weiter seien die drei Frauen zurechnungsfähig gewesen. Eine Besserung der Angeklagten sei nur mit Freiheitsentzug zu erreichen. Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch hatten im Februar in einer Aktion von 30 Sekunden in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein sogenanntes Punk-Gebet aufgesagt und die Gottesmutter angerufen, Präsident Wladimir Putin zu «verjagen».

Diese Aktion sei eine Beleidigung für die orthodoxen Gläubigen gewesen. Die Kläger - mehrere Augenzeugen der kurzen Aktion in der Kathedrale, die aber offenbar bei der Urteilsverkündung nicht anwesend waren - hätten einen seelischen Schaden erlitten. Die Richterin betonte weiter, dass die Angeklagten im Prozess keine Reue gezeigt hätten.

Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert

Das Strafmass liegt unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahren. Die Maximalstrafe hätte sogar sieben Jahre betragen. Die verurteilten Frauen werden in Berufung gehen. Das hatte die Verteidigung bereits im Voraus angekündigt. In einem Interview mit der Zeitung «Nowaja Gaseta» schloss Nadeschda Tolokonnikowa ein Gnadengesuch an Präsident Putin aus: «Eher sollte er uns um Gnade bitten.»

Die knapp dreistündige Urteilsverkündung war von Protesten vor dem Gerichtsgebäudes begleitet. Mehrere hundert Personen hatten sich dort versammelt. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort und begann bereits vor dem Beginn der Urteilseröffnung, Protestierende zu verhaften. Anwesend vor dem Gerichtgebäude waren offenbar nicht nur Sympatisanten von Pussy Riot, sondern auch Gegner.

Kasparow soll geschlagen worden sein

Unter den mehreren Dutzend Verhafteten ist auch der Oppositionsführer Sergej Udalzow. Er sei festgenommen worden, nachdem er eine Absperrung der Polizei überschritten hatte, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Ebenfalls verhaftet wurde der frühere Schachweltmeister und heutige Oppositionelle Garry Kasparow. Er habe ruhig mit Journalisten gesprochen, als ihn die Polizisten gepackt hätten, heisst es auf seiner Facebook-Site. Er sei nach der Verhaftung geschlagen worden.

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