Gipfeltreffen: Zwei Jungtrainer rocken die Liga
Aktualisiert

GipfeltreffenZwei Jungtrainer rocken die Liga

Thorsten Fink und Urs Fischer sind die herausragenden Trainerfiguren der Saison. Heute treffen die beiden im Spitzenspiel aufeinander. Wer hat im Direktduell die Nase vorne?

von
Eva Tedesco

Noch nie sei ihm ein Personalentscheid so einfach gefallen, sagte FCZ-Präsident Ancillo Canepa, im April letzten Jahres, als er den Nachfolger von Meistertrainer Bernard Challandes verkündete. Denn Urs Fischer ist eine FCZ-Symbolfigur, oder wie es die Fans in den diversen Foren ausdrücken: «Dä Urs Fischer isch dä bescht. Er isch eine vo öis.»

Urs Fischer spielte von 1984 bis 1987 und von 1995 bis 2003 total 12 Jahre lang beim Stadtklub. In dieser Zeit absolvierte er 302 Spiele und erzielte fünf Tore. Ausserdem ist Fischer mit 548 Einsätzen immer noch Rekordhalter in der NLA. Der ehemalige Verteidiger kennt den Klub in- und auswendig. Als Spieler gab er in der Mannschaft den Ton an. Er sagte, wo es lang geht und war streng mit den jungen Spielern, aber er hat sich immer für die Mannschaft eingesetzt. Als Captain war er unnachgiebig und fordernd. Sein ehemaliger Trainer Raimondo Ponte bezeichnete ihn einst als kompromisslos und als Machtmenschen.

Fischer war nie ein Diplomat

Der Trainer Fischer spricht eine einfache Sprache. Eine, die die Spieler verstehen. Seine Kommandos im Training sind knapp, aber bestimmt. Der heute 45-Jährige war aber nie diplomatisch. Er sprach immer aus, was er dachte - wenn er überhaupt mit den Medien sprach. Denn diese Art Kommunikation war nie sein Ding, auch wenn er als Trainer verstehen gelernt hat, dass Kommunikation einfach zum Job gehört. Die Stimmlage des Trainers tönt dabei nicht selten unterschwellig aggressiv.

Aber es gibt auch den anderen Urs Fischer, der nach dem Training mit einer Kindergruppe, die zu Besuch ist, herumalbert und auf jede Frage eingeht. Er stellt sich geduldig mit den Fans zum Erinnerungsfoto und unterschreibt unzählige Kappen, Bälle und Leibchen. Ein Mädchen, das seine Unterschrift auf die Hand möchte, warnt er scherzend, dass er nun darauf bestehe, dass sie diese nie wieder wäscht.

Finks Einstand mit dem Double-Gewinn

Wie Fischer in die meisterlichen Fussstapfen von Challandes getreten war, musste auch Thorsten Fink ein schwieriges Amt als Nachfolger des erfolgreichen Christian Gross in Basel antreten. Zehn Jahre hat Gross die sportlichen Geschicke des FCB geleitet und in dieser Zeit acht Titel geholt. Mit dem Double-Gewinn in seinem ersten Amtsjahr und der Teilnahme an der Champions League hat Fink die Geister der Vergangenheit schnell vertrieben. Der Deutsche setzte auch deutliche Zeichen dafür. So liess er kurz nach seiner Ankunft die FCB-Garderobe neu streichen und mischte das Kader auf. Selbst bei Publikumslieblingen wie Ivan Ergic kannte der ehemalige Bayern-Profi kein Mitleid. Ergic musste den FCB verlassen.

Fink galt schon als Spieler als «Arbeitstier». Das ist er auch als Chef. Jeden Morgen bespricht er sich mit seinem Staff. Er ist offen für Ideen, aber kompromisslos bei Dingen, auf die er besteht. Fink hört aber auch auf Vorschläge seiner Leaderfiguren. Zum Beispiel hiess er Beni Huggels Vorschlag, ein Arbeitspapier zu erstellen, auf dem die Aufgaben jedes einzelnen Spielers aufgelistet sind und das auf der Fahrt zum Spiel verteilt wird, gut. Fink verlangt höchste Konzentration bei der Arbeit, lässt aber Raum für Spass.

Die Saisonbilanz spricht für Fink

Im Training sind die Anweisungen des Trainers klar. Der 44-Jährige kommuniziert gern und viel. Seine taktischen Anweisungen sind bindend, haben aber immer Platz für Kreativität. Er verlangt auch sich selbst viel ab. Er informiert sich laufend über internationale Topteams und schaut mindestens zweimal pro Woche DVDs an, die er bei einer Soccer Datenbank bestellt. In seinem Gepäck ist auch immer Literatur dabei. Vorzugsweise Bücher seines Lieblingsautors Paulo Coelho.

Die beiden Jungtrainer rocken die Axpo Super League 2010/11 und führen die Tabelle mit ihren Teams an. Heute biegen der FCB und der FCZ vier Runden vor Schluss punktgleich auf die Zielgerade ein – im Direktduell. In den drei Begegnungen der beiden Cheftrainer in der laufenden Saison (3:2, 4:1, 3:1) behielt stets Fink die Oberhand. Die Bilanz aus Basler Sicht: 3 Spiele, 9 Punkte und ein Torverhältnis von 10:4.

Das Tagesprogramm der Teams:

FC Zürich

10 Uhr: Warm-Up, Footing, Sportanlage Allmend

12 Uhr: Mittagessen im Landgasthof Leuen, Uitikon-Waldegg. Menü: Bouillon, Teigwaren, Poulet.

Anschliessend ziehen sich die Spieler auf die Zimmer zurück, Ruhe-Phase

17.30 Uhr: Nachtessen mit Teigwaren um Kohlenhydratspeicher zu füllen

18.45 Uhr: Abfahrt zum Stadion

FC Basel

10 Uhr: Spaziergang auf dem St.-Jakob-Areal

Mittagessen: Hotel Marriott, Pratteln. Menü: Teigwaren.

Anschliessend ziehen sich die Spieler auf die Zimmer zurück, Ruhe-Phase

17 Uhr: Kaffee und Kuchen

17.30 Uhr: Abfahrt zum Stadion

Im Letzigrund besichtigen die Teams dann den Rasen, hören Musik und bereiten sich aufs Spiel vor. Die Aufstellungen/Taktik ist den Kickern meist schon zuvor bekanntgegeben worden.

20.15 Uhr: Anpfiff. 20 Minuten Online ist live dabei.

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