Aktualisiert 30.10.2011 22:33

SVP sucht Kandidaten

Zwei Leichtgewichte für den Bundesrat

Bei den Bundesratswahlen könnte die Stunde der Zentralschweizer schlagen: Die SVP favorisiert zwei Regierungsräte. Einer war Testpilot, der andere Chef-Jurist bei der Fifa.

von
Jessica Pfister
National noch unbekannt: Der Nidwalder Bildungsdirektor Res Schmid und der Zuger Baudirektor Heinz Tännler.

National noch unbekannt: Der Nidwalder Bildungsdirektor Res Schmid und der Zuger Baudirektor Heinz Tännler.

Das Feld der SVP-Bundesratskandidaten wird immer kleiner. Nachdem Wunschkandidaten wie Fraktionspräsident Caspar Baader und der Thurgauer Regierungsrat Rolf Eberle abgewunken haben, brachte die Parteispitze die Namen zweier Zentralschweizer ins Spiel. Bekannt sind die beiden bisher kaum.

Der eine ist der Nidwalder Bildungsdirektor Res Schmid. Bevor der 53-jährige SVP-Mann vor einem Jahr in den Regierungsrat gewählt wurde, amtete er acht Jahre im Nidwalder Landrat. Als kantonaler Parlamentarier hat er noch keine grossen politischen Stricke zerrissen. Im Landrat fiel er höchstens als Kritiker des Finanzhaushalts auf, etwa mit einer Motion gegen eine Reform der Nidwalder Regierung oder einer Anfrage zu Raderfallen und Geschwindigkeitsbussen, die er für überflüssig hielt.

Spannender hingegen war sein Beruf, den er mit der Wahl in den Regierungsrat an den Nagel hängte. Als Chef-Testpilot bei der Schweizer Luftwaffe flog der Emmetter mit dem Eurofighter, dem Gripen und der Rafaele durch die Lüfte. Er leitete vor drei Jahren in Emmen die fliegerische Evaluation der neuen Kampfflugzeuges. In einem Interview mit der Luzerner Zeitung sagte Schmid damals: «Um den militärischen Auftrag zu erfüllen, braucht es zusätzliche Flugzeuge.» Nicht nur beim Fliegen liebt Schmid den Nervenkitzel. Der Vater zweier Kinder taucht in seiner Freizeit ohne Atemgerät bis zu 30 Meter tief.

In Verfahren im Fall Türkei-Schweiz involviert

Sportlich ist mit dem Zuger Baudirektor Heinz Tännler auch der zweite Zentralschweizer auf der SVP-Bundesratskandidaten-Liste. Der passionierte Tennisspieler, der auch am Engadiner Skimarathon regelmässig unter den Eliteläufern gestartet ist, war schon Einzelrichter des Schweizerischen Eishockeyverbands und Fifa-Chefjurist. Dabei war der 51-Jährige in einen der schwierigsten Fifa-Fälle involviert: Die Skandalnacht von Instanbul nach dem Barragespiel Türkei-Schweiz für die WM 2006. Mit Tritten und Schlägen hatten sich damals Spieler und Betreuer gegenseitig in die Katakomben des Sükrü-Saracoglu-Stadions getrieben, in denen sich die Keilerei fortsetzte. Tännler war dabei vor allem dafür verantwortlich, dass die Verfahren korrekt verliefen.

In seiner Zeit als Zuger Kantonsrat für die FDP wurde er 2001 beim Leibacher-Attentat im Zuger Parlament durch einen Streifschuss verletzt - überlebte aber. 2002 wechselte er zur SVP und schaffte 2007 den Sprung in den Regierungsrat. Als Mitglied der Strassenbaukommission und als Baudirektor der Nordzufahrt Zug/Baar setzt sich Tännler seitdem unter anderem für eine stärkere Verkehrsanbindung des Kantons Zug an die Metropolregion Zürich ein. Seine Kantonalpartei hat den Juristen bereits 2008 als Nachfolger für Bundesrat Samuel Schmid nominiert - damals winkte Tännler allerdings ab.

Frei schaffte es nicht in Nationalrat

Neben Tännler und Schmid gilt auch Köbi Frei, Finanzdirektor des KantonsAppenzell Ausserrhoden als möglicher Kandidat. Bereits am Montag hat dieser eine Kandidatur jedoch abgelehnt. Kein Wunder, hatte er an den Wahlen vom Sonntag den Einzug in den Nationalrat gegen den 20 Jahre jüngeren FDP-Herausforderer Andrea Caroni klar verpasst.

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