Aktualisiert 07.07.2014 18:21

«Himmel noch mal!»

Zwei mächtige Frauen bei zahnlosem Jauch

Hillary Clinton war zu Besuch in der Talkshow von Günther Jauch. Der fasste sie mit Samthandschuhen an. Im Gegensatz zur deutschen Verteidigungsministerin Von der Leyen.

von
bat

Sie gilt als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten: Hillary Clinton. Am Sonntag war die ehemalige Aussenministerin zu Gast bei Talk-Altmeister Günther Jauch - und sprach neben der NSA-Affäre und der Weltmeisterschaft auch über das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Denn dieses ist seit den letzten Abhörskandalen deutlich getrübt: Laut einer Umfrage halten nur 27 Prozent der Deutschen die USA für vertrauenswürdig, 70 Prozent empfinden sie als «machtgierig».

Doch nicht nur vonseiten der deutschen Bevölkerung musste Clinton an diesem Abend einiges einstecken. Neben Clinton waren auch Ursula von der Leyen und die frühere Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Margot Kässmann, zu Gast. Von der Leyen sprach die Freundschaft mit den USA an und das, was sich in so einer Freundschaft eben nicht gehört: «Himmel noch mal - legt eure Geheimdienste an die Kandare. Gute Freunde spioniert man nicht aus», sagt sie.

Nachfragen von Jauch blieben aus

Das waren die deutlichsten Worte in der Sendung. Clinton selber flüchtete sich immer wieder in Floskeln. Zum Thema Snowden sagte sie: «Er wird nicht bestraft, weil er ein imperfekter Botschafter ist, sondern weil er Millionen Dokumente der Regierung gestohlen hat.» Kritische Nachfragen von Jauch blieben aus. So schreibt die «Süddeutsche Zeitung» zum Auftritt Jauchs in der Nachbesprechung kritisch: «Vergeblich hofft der Zuschauer, dass sich Jauch damit nicht begnügen möge. Wie gern würde man hören, wie Clinton auf die Nachfrage reagiert, wieso ausgerechnet Verfassungsjurist Obama Whistleblower so drakonisch auf Basis eines 97 Jahre alten Gesetzes verfolgt - und was sie als Ex-Mitglied dieser Regierung dazu sagt. Oder wie sie auf einen Einspielfilm reagieren würde, der die Fälle von anderen Whistleblowern wie Thomas Drake oder Jesselyn Radack beleuchtet.»

Auch zum russischen Präsidenten äusserte sich Hillary Clinton: Was das für ein Mann sei, fragte sie Jauch. «Sehr entschlossen, hart, aber mit dünner Haut», antwortete Clinton. «Ein Mann, der mit der Moderne keine Übereinstimmung hat, ein autokratischer Führer, der Menschen im Ungewissen lässt, die Diskriminierung von Homosexuellen unterstützt, sich gegen den Wandel und gegen die Zukunft und für die Unterdrückung entschieden hat», so Clinton.

Gegen Ende der Talkshow schlug Clinton versöhnliche Töne an: Sie wünschte Deutschland alles Gute bei der WM und lobte Jürgen Klinsmann: «Wir haben uns einen tollen Trainer geborgt und wir wollen ihn behalten.»

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