«Die Höhle der Löwen - Ausgerechnet zwei Männer erfinden Periodenhandschuhe «Pinky Gloves»
Die Erfinder haben ihre Pinky Gloves in der Show «Die Höhle der Löwen» vorgestellt. Investor Ralf Dümmel war begeistert von der Idee. Das Netz nicht.

Die Erfinder haben ihre Pinky Gloves in der Show «Die Höhle der Löwen» vorgestellt. Investor Ralf Dümmel war begeistert von der Idee. Das Netz nicht.

instagram/pinky_gloves
Publiziert

Pinky Gloves bei «Die Höhle der Löwen»Zwei Männer erfinden pinke Periodenhandschuhe – das Netz flippt aus

30’000 Euro kassieren die Erfinder der Pinky Gloves in der Start-up-Show «Die Höhle der Löwen» für ihre Geschäftsidee. Viele Frauen würden die Firma hingegen gerade lieber auf den Mond schiessen.

von
Malin Mueller

Etwa einmal im Monat verlieren menstruierende Menschen eine gewisse Menge an Blut. Das ist vermutlich allen bewusst – auch denen, die sich selbst nicht damit herumschlagen müssen. Etwa die deutschen Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden, die ihre Geschäftsidee in der Vox-Sendung «Die Höhle der Löwen» vorstellen durften.

«Wir sind echte Frauenversteher», beginnen die beiden ihren Pitch in der Sendung, in der Geschäftsideen und Investorinnen und Investoren zusammenfinden sollen. Schliesslich hätten die beiden in ihrer Bundeswehrzeit mit Frauen in einer WG gewohnt. Dabei kamen sie auf die Idee, sie während der Periode mit einer neuen Erfindung zu unterstützen: Dem Pinky Glove.

Pinkes Plastik statt Blut im Müll

Hinter der Idee steckt ein pinker Einweghandschuh. Damit soll man Tampons oder Binden entfernen, um sie daraufhin einzuwickeln und auslauf- und geruchssicher zu verschliessen – und unsichtbar, natürlich. Denn laut den beiden Männern fand sich im WG-Mülleimer ab und an ein Tampon, der durch das WC-Papier, in das er eingewickelt wurde, hindurch blutete. Oder, um es mit den Worten der Gründer zu sagen: «Man sieht es einfach».

Investor Ralf Dümmel findet die Idee genial. Jetzt geht es also mit 30’000 Euro Unterstützung im grossen Stil an den Markt. Die Internetgemeinde ist davon aber alles andere als begeistert.

Umwelt, Sexismus, Stigmatisierung

Woran das liegt? Fangen wir mal ganz vorne an: Einweghandschuhe hat bereits jemand erfunden. Bisher waren die halt einfach weiss. 100 Stück gibts ab rund acht Franken. 48 Pinky Gloves kosten umgerechnet 13 Franken. «Dieser Handschuh kostet ein Zigfaches von einem normalen Gummihandschuh», heisst es. Das sei bereits bei Gegenständen wie Rasierklingen der Fall – wo das rosa Produkt meist teuer sei als jenes, welches für Männer beworben wird.

Was die Instagram- und Twitter-Gemeinde aber so richtig rasend macht, fassen die Gründerinnen der Periodenunterwäsche Ooia in einem IG-TV zusammen. Die beiden Jungunternehmerinnen waren vor einiger Zeit selber mit einem Periodenprodukt in «Die Höhle der Löwen» zu sehen. Kristine Zeller und Kati Ernst erhielten damals kein Investment für ihre Periodenunterwäsche.

«Neben den Einwegprodukten, die es für die Periode gibt, kommen die Gründer auf die Idee, einen Handschuh zu entwickeln, den wir jetzt ebenfalls jedes Mal nutzen sollen – aus Plastik.» Recyclebar ist der Pinky Glove nämlich nur, solange sich in ihm kein Tampon oder keine Binde befindet.

Auch der Name Pinky Gloves stösst vielen Menschen sauer auf: «Frauen stehen schliesslich nur auf pink und man kann sie mit dieser Farbe bei jedem Produkt ködern» – die Ironie in der Aussage der Ooia-Gründerinnen ist nicht zu überhören.

Non-binäre Personen oder Trans-Menschen würden die zwei Gründer mit ihrem Marketing, das lediglich auf Frauen ausgelegt ist, ausserdem ausschliessen.

Problemlösung unklar

Auch das vermeintliche Problem, das Raimkulow und Ritterswürden mit ihrem Produkt lösen wollen, löst Unverständnis aus. «Die Wenigsten von uns haben es jemals als Problem empfunden, dass wir unsere Tampons im Müll entsorgen müssen.» Und, grösster Kritikpunkt: «Sie vermitteln mit ihrer Idee, dass die Periode unrein ist und versteckt werden muss – selbst im Mülleimer. Und das, wo wir doch eigentlich dafür kämpfen, dass das Tabu gegenüber der Periode endlich aufhört!»

Gründer beziehen Stellung

Mittlerweile haben die Gründer selbst Stellung bezogen. Via Instagram entschuldigen sie sich in einem Video: «Einige Punkte sind bei unserem Pitch zu kurz gekommen. [...] Auf keinen Fall wollten wir zum Ausdruck bringen, dass die Menstruation etwas Ekelhaftes sei und die Entsorgung der Hygieneartikel im heimischen Mülleimer beschönigt werden müsse.»

Raimkulow und Ritterswürden geloben Besserung: «Wir sehen ein, dass wir die Sichtweisen auf das Thema Menstruation noch nicht vollumfänglich erkannt haben. Jetzt ist uns klar, dass wir noch umsichtiger vorgehen müssen.» Die Menschen, die unter ihrem Statement kommentieren, sind dadurch nicht wirklich besänftigt.

Manche Userinnen und User finden den Shitstorm allerdings auch übertrieben. Ob sich die Handschuhe verkaufen werden, werde sich zeigen, wenden sie ein. Und Twitter-Userin Frollein Missy merkt an: «Am Ende richtet sich der Markt immer nur nach dem, was auch tatsächlich gekauft wird.»

Was hältst du von den Pinky Gloves? Eine sinnvolle Ergänzung? Oder eine unnötige Erfindung? Wird die Periode damit zusätzlich stigmatisiert? Oder findest du den Shitstorm übertrieben? Diskutiere in den Kommentaren mit!

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