Bezirksgericht Winterthur : Lange Freiheitsstrafen für 2 Winterthurer Messerstecher

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Bezirksgericht Winterthur Lange Freiheitsstrafen für 2 Winterthurer Messerstecher

Zwei Kosovaren, die bei einer Familienfehde zwei Brüder lebensgefährlich verletzt haben, müssen für 14,5 und 13 Jahre ins Gefängnis.

von
Stefan Hohler
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Zwei Männer standen am Dienstag wegen versuchter Tötung vor dem Bezirksgericht Winterthur.

Zwei Männer standen am Dienstag wegen versuchter Tötung vor dem Bezirksgericht Winterthur.

20min/Michael Scherrer
Sie haben zwei Brüder vor einer Shisha-Bar mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt. 

Sie haben zwei Brüder vor einer Shisha-Bar mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt. 

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Zwei Kosovaren sind der versuchten vorsätzlichen Tötung angeklagt. 

  • Sie haben bei einer Familienfehde zwei Brüder aus Winterthur schwer verletzt.

  • Das Bezirksgericht Winterthur hat den Onkel zu 14,5 Jahren und den Cousin zu 13 Jahren verurteilt.

Bei den beiden Beschuldigten handelt es sich um einen 44-jährigen kosovarischen Bauspengler aus Regensdorf ZH und einen 36-jährigen Landsmann aus Hamburg. Laut Anklage sind die beiden Männer Cousin und Onkel einer Frau, welche von ihrem Ehemann massive häusliche Gewalt erlitten hat und er dafür zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt wurde. Die beiden Männer wollten eine Aussprache mit dem Ehemann, weshalb der Cousin im März 2020 von Hamburg nach Zürich flog.

Am Prozess vor dem Bezirksgericht Winterthur vom Dienstag verweigerte der Onkel jegliche Aussage. Der Cousin sprach von einer spontanen Reise. Er habe nur seine Tante, also die Ehefrau des Bauspenglers, in Regensdorf besuchen wollen. «Ich habe nichts von den Eheproblemen meiner Cousine gewusst», sagte er. Man sei an jenem Abend spontan nach Winterthur gefahren, um in einer Shisha-Bar ein Bier zu trinken. Als der Richter fragte, warum er sich dann bei der Barfrau nach dem Ehemann erkundigt hatte und ihm einen «Gruss» ausrichten liess, antwortete er nur: «Stimmt nicht.»

Showdown auf der Strasse kurz vor Mitternacht

Kurz vor Mitternacht erschien der Ehemann zusammen mit seinen drei Brüdern. Vor dem Club trafen sie die beiden Beschuldigten mit zwei weiteren Begleitern. Nach einem kurzen verbalen Disput zückten Onkel und Cousin ihre mitgebrachten Klappmesser und stachen auf den Ehemann und einen seiner Brüder ein, heisst es in der Anklageschrift. Sie verletzten sie an Rücken und Bauch. «Es war Notwehr, ich habe an diesem Abend um mein Leben gekämpft», begründete der Cousin seine Messerstiche. 

Der Staatsanwalt verlangte für den Cousin wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, für den Onkel zwölf Jahre sowie langjährige Landesverweisungen: «Es war eine geplante Abrechnung.» So habe der Cousin dem Ehemann in einer Whatsapp-Nachricht geschrieben: «Pass sehr gut auf, wo du dich rumtreibst. Diese Sache werden wir nicht ruhen lassen. Du hast es übertrieben, ganz Winterthur kennt dich.» Der Cousin habe geplant, sich nach der Abrechnung nach Deutschland abzusetzen. Die beiden Männer wurden noch in der gleichen Nacht in Heilbronn (D) von der Polizei gefasst und später in die Schweiz ausgeliefert. 

«Mein Mandant sollte ausgelöscht werden»

Der Anwalt des Ehemanns verlangte ein Schmerzensgeld von insgesamt 40’000 Franken. «Mein Mandant sollte ausgelöscht werden.» Es habe sich um Rache gehandelt, weil er sich von der Frau getrennt hat. «Die Beschuldigten wollten Selbstjustiz verüben», so der Anwalt. Dabei sei die Sache schon geregelt gewesen: Sein Mandant sei für die ausgeübte häusliche Gewalt rechtskräftig verurteilt und die Ehe geschieden worden.

Demgegenüber sprachen die Verteidiger von einem Notwehrexzess. Sie forderten Freisprüche sowie Entschädigungen und Genugtuungen für die bereits zweieinhalbjährige Haft. «Die Brüder haben falsche und widersprüchliche Aussagen gemacht», sagte einer der Rechtsanwälte. Die Beschuldigten hätten nicht angegriffen, sie hätten gegen die vier Brüder keine Chance gehabt. 

Für das Gericht haben die Beschuldigten den Tod in Kauf genommen

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte die beiden Beschuldigten am Donnerstagabend wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung zu langen Freiheitsstrafen. So muss der Onkel für 14,5 Jahre ins Gefängnis, der Cousin für 13 Jahre. Beide werden für elf Jahre des Landes verwiesen und müssen den Opfern insgesamt je 30’000 Franken Genugtuung bezahlen.

Für das Gericht ist klar, dass sich die beiden Gruppen nicht zufällig vor der Shisha-Bar getroffen haben. «Sie haben sich gesucht und sie haben sich gefunden», sagte der Vorsitzende Richter. Die Beschuldigten hätten Messer mitgenommen, «weil sie mit dem Schlimmsten rechneten.» Sie hätten den Tod der Brüder in Kauf genommen. Es sei ganz klar keine Notwehr gewesen, die vier Brüder hätten keine Waffen dabei gehabt. 

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