Anschlag auf Falcone: Zwei Mafiosi müssen lebenslang hinter Gitter
Aktualisiert

Anschlag auf FalconeZwei Mafiosi müssen lebenslang hinter Gitter

Vor mehr als 22 Jahren kam der Richter und Mafia-Jäger Giovanni Falcone bei einem Sprengstoffattentat ums Leben. Jetzt sind zwei Mafia-Bosse verurteilt worden.

Der Ort des Attentats, wo eine Bombe der Mafia den italienischen Richter Giovanni Falcone, seine Frau und drei Leibwächter in den Tod riss.

Der Ort des Attentats, wo eine Bombe der Mafia den italienischen Richter Giovanni Falcone, seine Frau und drei Leibwächter in den Tod riss.

22 Jahre nach dem Anschlag auf Mafia-Jäger Giovanni Falcone am 23. Mai 1992 sind am Mittwoch zwei Mafia-Bosse in der sizilianischen Stadt Caltanissetta zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Ein weiterer Mafioso wird wegen des Anschlags 30 Jahre Haft absitzen müssen.

Das neue Verfahren um den Anschlag auf Falcone, das im Mai begonnen hatte, war aufgrund der Aussagen des abtrünnigen Mafioso Gaspare Spatuzza, der mit den Staatsanwälten zusammenarbeitet, in die Wege geleitet worden. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Grosse Erfolge gegen die Mafia

Bei einem weiteren Prozess wegen der Ermordung Falcones waren bereits 39 Personen zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Zwei von ihnen sind inzwischen gestorben.

Am 23. Mai 1992 waren Falcone, seine Ehefrau Francesca Morvillo und drei seiner Leibwächter bei einem Sprengstoffattentat auf der Autobahn bei Capaci nahe Palermo getötet worden. Falcone, der 53-jährig starb, hatte sich stets bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken.

Eine entscheidende Rolle spielte er beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er-Jahre grosse Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen verbuchen konnten. Sein engster Kollege, Paolo Borsellino, wurde zwei Monate nach Falcone ebenfalls durch ein Sprengstoffattentat der Mafia getötet.

Neffe der «Nummer eins» verhaftet

Der italienischen Polizei gelang derweil ein weiterer Schlag gegen die Cosa Nostra: Bei einer gross angelegten Aktion nahm sie in Sizilien 16 Verdächtige fest, darunter ein Neffe von Matteo Messina Denaro, der seit Jahren gesuchten «Nummer eins». Den Mitgliedern des Clans um Messina Denaro werden unter anderem Erpressungen, Überfälle und Entführungen vorgeworfen.

Der 37-jährige Neffe wird beschuldigt, die finanziellen Interessen des flüchtigen Bosses zu vertreten, wie die Polizei mitteilte. Der Mann wurde in seiner Wohnung in Palermo festgenommen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Mitglieder des Clans auch für einen Überfall auf einen Geldtransporter verantwortlich sind. Die Beute im Wert von 100'000 Euro soll dazu gedient haben, die Flucht des Chefs zu finanzieren.

Zweite Razzia innert zwei Tagen

Dem seit 19 Jahren gesuchten Messina Denaro werden mindestens 50 Morde zur Last gelegt. Messina Denaro hatte die Organisation der Cosa Nostra nach der Festnahme des Paten Bernardo Provenzano im Jahr 2006 in die Hand genommen.

Bereits am Dienstag hatten Ermittler in Italien über 60 Mafiosi festgenommen. Die Razzia richtete sich vor allem gegen die kalabrische Mafia-Organisation 'Ndrangheta. Auch die Schweizer Behörden waren in die Ermittlungen involviert gewesen; so wurde ein Spitzenmafioso festgenommen, der in den vergangenen Jahren seine Aktivitäten in die Schweiz ausgeweitet hatte. (sda)

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