Manager-Kaste: Zwei Manager wegen Insiderhandels bestraft
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Manager-KasteZwei Manager wegen Insiderhandels bestraft

Zwei Topmanager der deutschen Telekommunikationsbranche sind wegen Insiderhandels zu Geldstrafen verurteilt worden.

Der ehemalige Freenet-Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr und Finanzvorstand Axel Krieger sind nach Ansicht der Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts schuldig, interne Kenntnis über das Unternehmen für eigene Börsengeschäfte genutzt und damit gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstossen zu haben.

Die Richter verurteilten Spoerr am Freitag zu einer Geldstrafe in Höhe von 300000 Euro, Krieger in Höhe von 150000 Euro. Ausserdem müssen beide den erzielten Gewinn von jeweils rund 700000 Euro an die Staatskasse zahlen. Die Verteidigung kündigte bereits Revision an.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die beiden 40-jährigen Manager kurz vor dem dramatischen Einbruch des Börsenkurses bei Freenet im Sommer 2004 unter Ausnutzung von Insiderwissen Aktien des Telekommunikationsunternehmens verkauft und damit einen Bruttoerlös von jeweils rund 1,2 Millionen Euro gemacht haben.

Die Angeklagten hatten demnach von der Insidertatsache Kenntnis, dass im zweiten Quartal 2004 im wesentlichen Geschäftsbereich Schmalbandnetz rund 220.000 Kunden weggebrochen waren. Dies war ein «erhebliches Gefahrenpotenzial für den Aktienkurs», wie der Vorsitzende Richter Michael Kaut ausführte. Dieses Wissen hätten die beiden Manager nicht angemessen und zeitnah publik gemacht, sondern «in Interviews drumherumgeredet». Mit dieser Kenntnis entschieden die Vorstände, ihre Aktienoptionen umzuwandeln. Durch sukzessiven Verkauf hätten sie darauf geachtet, dass sich der Kurs nicht verschlechtere.

Angeklagte wiesen auf Vorstandsbeschluss hin

Die Angeklagten hatten den Vorwurf des Insiderhandels stets zurückgewiesen. Zum einen hätten sie um die wirtschaftliche Entwicklung kein Geheimnis gemacht, zum anderen hätten sie ihre Aktien in Folge eines Vorstandsbeschlusses verkauft, führten sie im Prozessverlauf aus.

Das Gericht sah in dem Vorstandsbeschluss jedoch lediglich eine Empfehlung, die Handlungsspielraum gelassen habe. Kaut bemühte einen Vergleich: Wer als Lokführer während der Fahrt die Information erhalte, dass jemand auf den Gleisen liege, und dennoch weiterfahre, könne sich auch nicht damit entschuldigen, er habe den Fahrplan einhalten müssen.

Eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung, wie sie die Staatsanwaltschaft zusätzlich zur Geldstrafe gefordert hatte, hielten die Richter jedoch für unverhältnismässig. Die Angeklagten hätten zwar den Vorsatz bestritten, aber das Geschehen objektiv eingeräumt. Auch liege die Tat eine längere Zeit zurück.

Die Höhe der Geldstrafe errechne sich aus dem Vorteil, den die Angeklagten mit ihrem Insiderwissen gegenüber anderen Anlegern erlangten, sowie ihrem persönlichen Vermögen. Für Spoerr wurden 300 Tagessätze von jeweils 1.000 Euro festgesetzt, für Krieger die selbe Anzahl Tagessätze zu jeweils 500 Euro.

Verurteilungen wegen Insiderhandels sind selten

Die Staatsanwaltschaft will voraussichtlich keine Rechtsmittel einlegen. Die Verteidiger, die auf Freispruch plädiert hatten, wollen vor den Bundesgerichtshof ziehen. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, sind Spoerr und Krieger vorbestraft.

Spoerr stand fast zehn Jahre an der Spitze von Freenet und hat das Unternehmen am 23. Januar verlassen. Als Grund wurde der Streit mit den beiden Grossaktionären Drillisch und United Internet genannt. Diese versuchten noch im vergangenen August, den Unternehmenschef von der Hauptverhandlung absetzen zu lassen, scheiterten jedoch. Kurz vor Weihnachten erklärte der gebürtige Schwabe seinen Rücktritt - auf eigenen Wunsch und «zur Befriedung der Gesellschaft». Krieger ist weiterhin Vorstand bei Freenet.

Seltene Verurteilung

Verurteilungen wegen Insiderhandels sind relativ selten, weil er schwer zu beweisen ist. 2007 gab es nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) drei rechtskräftige Verurteilungen in Insiderverfahren, 2006 waren es elf und das Jahr davor neun Fälle. (dapd)

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