Cyril Minder
19.11.2020 20:00

Zwei Muscle Cars, zwei Frauen, eine Mission

Elf Minuten. So lange jagt Steve McQueen 1968 im Film «Bullitt» mit seinem Ford Mustang 390 GT Fastback die bösen Jungs im Dodge Charger R/T. Gut 50 Jahre später stellen wir die Verfolgungsjagd nach – mit Vanessa im Dodge Challenger SRT 392 und Isabelle im neuen Ford Mustang «Bullitt».

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag
19.11.2020

Ein Dasein als Hausfrau und Mutter. Das war vor einem halben Jahrhundert für Frauen ganz normal. Das Rollenspiel zwischen Mann und Frau klar verteilt: Während er furchtlos in die Welt zog, sorgte sie sich um das Heim, um Behaglichkeit, Sauberkeit und kalorienreiches Essen. Auch im wohl berühmtesten Roadmovie «Bullitt» jagt Steve McQueen als Lieutenant Frank Bullitt die bösen Jungs, während die einzige wahrnehmbare weibliche Rolle im Film, Cathy, gespielt von Jacqueline Bisset, nur Beigemüse ist.

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Heute machen Frauen Karriere und fahren ihr Traumauto. Genau so wie Vanessa mit ihrem Dodge Challenger SRT 392, Jahrgang 2016. Gemeinsam wollen wir die berühmte Verfolgungsjagd aus «Bullitt» nachstellen. Nur spielen diesmal die Frauen die «Hauptrollen». Zugegeben auch ein paar andere Parameter entsprechen nicht ganz dem Setting des Originals. So sind wir nicht in den USA, sondern in der Schweiz, wir verzichten zudem auf die Flugeinlage und die Explosion der Tankstelle und wir halten uns an die geltenden Verkehrsvorschriften. Nichtsdestotrotz scheint das neue Setting mit zwei modernen Muscle Cars, zwei Frauen und einem Ziel doch ganz vielversprechend.

Ford Mustang Bullitt (links) versus Dodge Challenger (rechts): Zwei Muscle Cars, zwei Frauen, eine Mission – gute Bilder!

Ford Mustang Bullitt (links) versus Dodge Challenger (rechts): Zwei Muscle Cars, zwei Frauen, eine Mission – gute Bilder!

Cyril Minder
Bereit für die Verfolgungsjagd. Links der Ford Mustang Bullitt mit 460 PS, rechts der Dodge Challenger SRT 392 mit 492 PS.

Bereit für die Verfolgungsjagd. Links der Ford Mustang Bullitt mit 460 PS, rechts der Dodge Challenger SRT 392 mit 492 PS.

Cyril Minder
Auch Vanessa und ich sind bereit, den Muscles Cars die Sporen zu geben.

Auch Vanessa und ich sind bereit, den Muscles Cars die Sporen zu geben.

Cyril Minder

Katz-und-Maus-Spiel auf acht Rädern

Aber zurück zum Original. Die wohl längste je in einem Film gezeigte Verfolgungsjagd dauert knapp elf Minuten und ist ein Katz-und-Maus-Spiel auf acht Rädern. Die bösen Jungs im Dodge Charger folgen Bullitt und wollen ihm eine Falle stellen. Doch Bullitt entwischt und taucht kurze Zeit später mit seinem Ford Mustang hinter dem Dodge Charger wieder auf. Dessen Fahrer wartet auf eine günstige Gelegenheit und versucht, Bullitt an einer Kreuzung abzuhängen, worauf eine Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagd durch die Strassen von San Francisco beginnt. Ausserhalb der Stadt setzt sich die Jagd fort. Der Killer auf dem Beifahrersitz schiesst mit seiner Pumpgun auf Bullitt, doch dieser kann den gegnerischen Wagen schliesslich von der Strasse abdrängen. Der Dodge-Fahrer verliert daraufhin die Kontrolle über seinen Wagen und rast in eine Tankstelle, die auf spektakuläre Weise explodiert. Mit Mühe bringt Bullitt seinen Mustang schwer beschädigt abseits der Strecke zum Stehen, während die Gangster in ihrem Fahrzeug verbrennen.

Treffpunkt ist ein Parkplatz im Mittelland. Während ich auf dem Weg dorthin mit dem Ford Mustang «Bullitt» bollernd durch die Landschaft kurve und das tiefe Grollen des V8-Motors geniesse, gehe ich im Kopf die einzelnen Filmszenen der Verfolgungsjagd durch. So eine Verfolgungsjagd nachzustellen, braucht einiges an Vorbereitungen: Strassen, Landschaft, Licht – alles muss stimmen. Bildausschnitte aus der berühmten Filmszene dienten als Vorlage. Dabei wollten wir so nah wie möglich ans Original ran.

Am Treffpunkt angekommen, steht Vanessa mit ihrem Boliden bereits in den Startlöchern. Zusammen gehen wir die Choreographie durch und besprechen mit Cyril Minder, dem Fotografen, die Route. Da sowohl Vanessa, als auch ich, so etwas noch nie gemacht haben, ist die Aufregung gross. Schliesslich wollen wir, dass die beiden Autos und wir das Ganze unbeschadet überstehen.

Challenger versus Mustang

Doch bevor es losgeht, wird der Mustang von allen Beteiligten noch schnell unter die Lupe genommen. Immerhin ist der grüne Muscle Car auch in der Neuauflage ein echter Leckerbissen für jeden Autofreak. Der um zehn PS erstarkte V8-Motor bringt es auf muntere 460 PS, die ausschliesslich über ein Sechsgang-Schaltgetriebe auf die Hinterräder übertragen werden. Die legendäre dunkelgrüne Dark Highland Green Metallic-Lackierung glitzert schon fast kitschig in der Abendsonne. Der Kontrahent holt aus seinem V8-Motor 492 Pferdestärken heraus. Im Sprint-Duell von 0 auf 100 km/h hätte der Bullitt mit 4,6 Sekunden gegenüber 5,2 Sekunden aber die Nase vorn. Ansonsten liest sich die Liste der Serienausstattung wie das Who-is-Who des Filmsets: Rot lackierte Brembo Bremssättel, Chromumrandung der Seitenscheiben und 19-Zoll-Leichtmetallräder im TorqThrust-Stil.

Doch genug der Fakten, jetzt geht’s ans Eingemachte. Letzte Instruktionen des Fotografen und Action! Der Mustang macht sich gut. Die eine Hand am Lenkrad, die andere auf der weissen Billardkugel am Ende des kurzen Schaltknaufs und den rechten Fuss auf dem Gaspedal. Steve McQueen, ich komme! Die Gänge flutschen wie von selbst, die Kupplung erfordert nicht besonders viel Kraft. Und das Rev-Match-System begleitet das Runterschalten mit wohldosierten Zwischengas-Salven, die selbst dem grimmigsten Killer ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. In den Kurven liegt der Mustang satt auf der Strasse.

Autoballett für Greenhorns

Gleich einer Ballett-Vorstellung tänzeln Vanessa im Dodge und ich im Mustang um uns herum und fühlen uns wie Filmstars. Mal seitlich, mal davor, mal dahinter. Hochkonzentriert lenken wir unsere Boliden gekonnt aneinander vorbei, dabei stets Strasse, Kontrahent und Tacho im Blick. Nach ein paar Minuten sind alle Bilder im Kasten. Das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen, ob es an unseren Fahrkünsten oder dem Fotografen lag, sei dahingestellt. Vanessa und ich sind jedenfalls mehr als zufrieden mit den Bildern und damit ein wenig Hollywood-Stuntluft geschnuppert zu haben.

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