Ausgewildert: Zwei neue Bartgeier für die Ostschweizer Alpen
Aktualisiert

AusgewildertZwei neue Bartgeier für die Ostschweizer Alpen

Im St.Galler Calfeisental wurden gestern zwei junge Bartgeier ausgewildert – die letzten für Jahre.

von
eli
Die St. Galler Wildhüter Benedikt Jöhl (vorne) und Silvan Eugster trugen die beiden Bartgeier Schils und Noel-Leya das letzte Teilstück hinauf zum Horst.

Die St. Galler Wildhüter Benedikt Jöhl (vorne) und Silvan Eugster trugen die beiden Bartgeier Schils und Noel-Leya das letzte Teilstück hinauf zum Horst.

Rund 250 Naturfreunde wollten an Auffahrt dabei sein, als im St.Galler Calfeisental die jungen Bartgeier Noel-Leya und Schils in die Wildnis entlassen wurden. Die beiden Vögel sind rund hundert Tage alt. Schils stammt aus dem Natur- und Tierpark Goldau (SZ), Noel-Leya aus dem Zoo La Garenne (VD). «Die Vögel werden von unseren Leuten begleitet, bis sie selbstständig sind», sagt Wildtierbiologin Franziska Lörcher von der Stiftung Pro Bartgeier.

Im Horst abgesetzt erkundeten die beiden Jungvögel am Donnerstag erst einmal ihr neues Zuhause – zu Fuss allerdings. Ihren ersten Flug werden die beiden voraussichtlich Mitte Juni absolvieren. In rund zwei Monaten dürften sie dann selbstständig sein.

Gefürchtet als Kinderräuber

Schils und Noel-Leya sind die letzten von insgesamt zwölf Bartgeiern, die seit 2010 im Sarganserland ausgewildert wurden. Künftig will Pro Bartgeier die Riesenvögel im Kanton Obwalden ansiedeln. Dennoch wertet Lörcher die letzten Jahre im Sarganserland als vollen Erfolg: «Wie es aussieht sind noch alle Tiere am Leben. Zudem sind die Gastfreundschaft und die Begeisterung, die uns hier entgegengebracht wurden, fantastisch.» Der Bartgeier habe in der Region klar an Ansehen und Goodwill gewonnen, ist Lörcher überzeugt. Somit sei ein wichtiger Teil der Mission erfüllt.

Verschrien und gefürchtet als Lämmerdieb, der auch mal einen Säugling aus dem Kinderwagen stehle, wurde der Bartgeier hierzulande gejagt, wo immer er auftauchte. 1913 galt Europas grösster Raubvogel im Alpenraum als ausgerottet. In aufwändigen Programmen wurde er in den vergangenen Jahren wieder angesiedelt. Auf gegen 200 wird ihre Zahl im Alpenraum heute geschätzt, darunter gibt es 25 Brutpaare, die 2013 insgesamt 16 Junge grossgezogen haben.

Nachwuchs in drei bis fünf Jahren

Zwölf Jungvögel wurden seit 2010 in der Ostschweiz angesiedelt. Das berühmteste Tier von ihnen ist wohl das Weibchen «Bernd», das 2013 mit einem Rekordflug über 3000 Kilometer an die polnische Ostsee und über Hamburg zurück in die Region für Aufsehen sorgte. Mit Bartgeier-Nachwuchs aus der Ostschweiz ist laut Lörcher erst in drei bis fünf Jahren zu rechnen.

Nun verlegt Pro Bartgeier sein Auswilderungsprogramm für die nächsten Jahre in die Innerschweiz. «Der Vogel ist dort noch wenig anzutreffen und deshalb kaum bekannt», begründet Franziska Lörcher den Umzug. Man wolle den Leuten dort am lebenden Beispiel zeigen, dass vom «Lämmergeier» keine Gefahr ausgehe. Lörcher: «Wir hoffen natürlich, dass wir dort ähnlich erfolgreich arbeiten können wie in der Ostschweiz.»

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